Anmerkung zu Straßenbäume in Berlin – morsch und altersschwach

Anmerkung zu Straßenbäume in Berlin – morsch und altersschwach

Es wird wieder einmal publikuswirksam verallgemeinert.

Warum aber erscheint dieser Artikel auf der Seite eines Imkervereins? Dazu später mehr.
Wir erinnern uns an die vielfach besungene eintausendjähige Linde, an die ebenso alte Eiche, an die ebenso alte Buche und und und.

Das mag nun für die Innenstandt einer Großstadt nicht unbedingt Gültigkeit in dieser Ausprägung haben. Doch eine Linde z.B. 100 Jahre alt muss nicht zwingend morsch und marode sein. Sie hat naturgemäß noch eine lange Lebenserwartung. Der Standort und die Umweltbedingungen sind entscheidend und eben das Maß und die Qualität der Pflege. Diese Parameter aber können in einer Stadt mit einem Durchmesser von rd. 50 km durchaus sehr unterschiedlich ausfallen. Dabei sollte die Pflege eines Baumes immer mit der gleichen Sorgfalt betrieben werden, trotz des ewigen Jammerns hinsichtlich der schlechten Finanzierung. Das ist an der Straße Unter den Linden in Berlin-Mitte natürlich einfacher. Da werden die Linden ohnehin in einem Intervall von 50 Jahren abgeschnitten. Entweder waren die Kriege schuld oder die unbedingt erforderliche bauliche Veränderung über und unter der Erde. Da scheint man auch hinsichtlich der Entscheidungsfindung keinerlei Zwänge entwickeln zu wollen bzw. zu müssen. Ein Baum – 50-jähring- wird kein Naturdenkmal. Und der Baum- und Naturschutz der darf an einer solchen Stelle nicht in den Vordergrund treten.

In den Nebenbezirken aber sieht es anders aus. Hier sind gerade die Nebenstraßen vielfach noch nicht versiegelt. Sie haben eine Kopfsteinpflasterdecke, die den Bäumen auch außerhalb der Baumscheiben mehr Oberflächenwasser zuführt als in asphaltierten Bereichen. Hier sind die Gebäude nie höher als 5 Geschosse, meistens aber nur 3-geschossig. Das bedeutet, ein 100 Jahre alter Baum überragt dieses Haus. Er bekommt Licht und Luft. D.h. er hat in diesen Stadtbereichen gute Lebensbedingungen, die wohl auch ein Alter von weit mehr als 100 zulassen. Bedingung ist dabei allerdings immer die Pflege. Die aber ist nicht Bürgersache, sondern sie unterliegt der Sorgfaltspflicht der Bezirksämter. Die aber wird nicht überall mit gleicher Ernsthaftigkeit wahrgenommen. Daran muss also immer wieder erinnert werden. Zugegebenermaßen können dabei Fehler unterlaufen, auch Fehleinschätzungen. Nach der Statistik dieser Stadt stehen am Straßenrand rd.440.000 Bäume sehr unterschiedlicher Prägung.

Da setzt nun das Interesse eines Imkervereins ein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Wohlergehen der Bienen und anderer Insekten zu pflegen. Also hat man in diesen Vereinen besonderes Interesse an Bäumen, die die Nahrung und die Vermehrung dieser Tiere zu einem ganz entscheidenden Teil gewährleisten.

Da hat man teilweise bereits eine gute Wahl getroffen. 35% der Berliner Straßenbäume sind Linden, 20% Ahorn aber leider nur 3% Robinien. Diese drei Baumarten aber bieten die Haupttracht, d.h. die Hauptnahrung, für die meisten Insekten innerhalb einer Jahresperiode. Das war und ist bis heute sicherlich kein Kriterium für die Wahl bei einer Ersatz- oder Neupflanzung. Es sollte aber wichtig sein, wie auch die Durchmischung der Arten und die Vermeidung von Monokulturen. Hier können sich Krankheiten und Parasiten ausbreiten, so dass man sie nicht mehr beherrschen kann.

Dies alles bedeutet, dass nicht automatisch die Mehrzahl der Straßenbäume morsch und marode ist, wenn von 440.000 Bäumen bei einem Sturm zwei umfallen. Nur muss der Sorgfalt bei der Pflege und bei der Kontrolle mehr Gewicht geschenkt werden.

Und es bedeutet, dass bei Neupflanzungen sinnvoller vorgegangen wird. So ist zum Beispiel die Kriterienliste der GALK e.V. hinsichtlich des Empfehlungscharakters für Straßenbäume nicht das Maß aller Dinge. Straßenbäume mit der Neigung zu Honigtau werden als eingeschränkt geeignet bezeichnet. Damit fallen Sommerlinden und viele Ahornarten aus. Das aber kann doch wohl heute kein Kriterium mehr sein. Da gibt es ganz andere wichtige Entscheidungsparameter.

Die Stadt und ihre gewählten Vertreter sind aufgerufen, den Baumbestand der Straßen, Parkanlagen und Wälder zu hüten und zu schützen. Sie sollen es sich aber nicht einfach machen, indem sie grundsätzlich Bäume in einem Alter von 100 Jahren als alt bezeichnen. Ein solcher Baum hat in der Regel ein vielfaches Leben vor sich, in dem er für die Insekten viel Nahrung liefern kann, viel CO2 umwandelt, viel Schatten spendet und viel Feuchtigkeit für unsere Umwelt zur Verfügung stellt.
dR

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