Auf der Suche nach der Rettung der Biodiversität

Es war die letzte große Veranstaltung des Jahres 2018, der doch immerhin nur wenige Tage vor dem Weihnachtsfest rd. 50 Personen für zwei Tage beigewohnt haben –

Ein Workshop am Museum für Naturkunde.

Eine große Aufgabe gilt es zu bewältigen. Ein Monitoring, eine Aufzeichnung von Daten für die Biodiversität, der Artenvielfalt, in Deutschland ist aufgerufen.

Allein die Ergebnisse dieser beiden Tage zusammen zu fassen, kann bei dem Angebot an Vorträgen und Diskussionen, nur unzureichend gelingen. Versuchen wollte ich es dennoch.


Auf der Suche nach der Rettung der Biodiversität

Citizen Science, einfach übersetzt ist es Bürger Wissenschaft. Gemeint ist schließlich die Zuarbeit durch gemeinnützig tätige Mitarbeiter, deren Wertschätzung schließlich in einem Ehrenamt endet.

Aus der Sicht eines ehrenamtlich Tätigen liegt allein in dem Versuch der gleichge-stellten Anerkennung durch die heutige Wissenschaft ein Großteil Überheblichkeit.

Dahinter aber steckt die Ohnmacht von Politik und Wissenschaft, ausreichend Daten für die Bearbeitung dieser Aufgabe zu finden, ein nationales Biodiversitätsmonotoring. Es kommt hinzu, dass diese Daten flächendeckend, repräsentativ gestreut über einen vereinbarten Zeitraum zu notieren sind, für ganz Deutschland.

Betrachtet man den Workshop am Museum für Naturkunde am 11. Und 12.12.2018 ein wenig kritisch, dann ist das einer Verzweiflungstat gleichzusetzen. Die Politik ist in der prekären Situation, die derzeitige Biodiversität, die Artenvielfalt, aufzeigen und definieren zu müssen sowohl in ihrer Qualität, wie auch der Quantität. Das aber kann die Politik nicht leisten, weil ihr die Fachtauglichkeit fehlt. Sie sucht also nach einer wissenschaftlichen Zuarbeit, einer möglichst objektiven. Bedient man sich eigener Institutionen läuft man Gefahr, die Neutralität – wenigstens den Anschein – zu verlieren. So werden neue Wissenschaftskonsortien gebildet, die eine solche Zustandsanalyse vorlegen könnten.

Für eine solche Bestandaufnahme braucht man ein Instrumentarium, das in diesem Fall für Deutschland flächendeckend repräsentative Daten sammeln soll. Die Bewertung erfolgt dann wieder durch ausgewiesene wissenschaftliche Spezialisten. Will man die Dynamik ebenfalls für den Veränderungsprozess erfassen, müssen diese Aufzeichnungen, diese Monitorings, über 5-10 Jahre laufen. Hintergrund für die Pflicht dieser Maßnahme ist ein bereits festgestellter großer Artenverlust an Pflanze und Tier der letzten Jahre. Die Veränderung der Flora und Fauna ist deutlich geworden durch zunächst die großen Verluste im Bereich der Insekten.

An dieser Thematik haben sich bereits viele Wissenschaftler und wohl auch Politiker versucht, abzuarbeiten. Allein in diesem Jahr wurde vorgestellt, bzw. veranstaltet (ein Auszug):

  • Jan 2018 Deutsches Bienenmonitoring – Schlussbericht 2014/2016 (Bieneninstitute in Deutschland)
  • Feb. 2018 EU-Initiative für Bestäuber (ENC-Biodiversity)
  • Aug. 2018 Blütenökologie der Ackerwildkräuter (Bienenmuseum Knüllwald)
  • Sept. 2018 DAFA-Fachforum für Bienen in der Landwirtschaft (JKI/BMEL)
  • Sept. 2018 Landwirtschaft im Dialog-Nachhaltiger Ackerbau (Top agrar)
  • Okt. 2018 9. Nationales Forum zur biologischen Vielfalt (BMU)

Dies ist nur eine Auswahl an Ereignissen, die wir Gemeinnützigen besucht bzw. kritisch gelesen haben. Für den aber, der das alles verfolgt, ist Voraussetzung, alles mit einem Übermaß an Neugierde und einem gewissen Entdeckerwahn zu betrachten. Nehmen wir die Ereignisse der weiteren davor liegenden Jahre hinzu vervielfacht sich das Angebot an Veröffentlichungen, Tagungen und Vorträgen.

Entscheidend und leider sehr ernüchternd ist dabei, dass es keine erkennbaren Ergebnisse gegeben hat weder in der Feststellung und schon gar nicht in der konstruktiven Bewertung für eine Verbesserung der Situation im Hinblick auf die Biodiversität. Viele Arbeiten sind aus der Sicht der unwissenschaftlichen Gemeinnützigkeit (Für Viele fehlt noch die nötige Augenhöhe!.) nicht brauchbar, weil selbst nach den Kriterien der Plausibilität durch fehlerhafte Repräsentanz bzw. unbrauchbare Interviewverfahren eine wissenschaftliche Auswertung nicht anerkannt werden konnte.

Will man aber die Freiheit der Forschung erhalten, die Neutralität, die Unabhängigkeit der Wissenschaftler und der Wissenschaft, kommt man an den Citizen Science – Projekten nicht vorbei. Wichtig dabei ist die Mitgliedergewinnung aus den geeigneten Vereinen und Verbänden; und das geht einher mit der Nachwuchsgewinnung. Aus Kostengründen ist eine Datenerhebung in diesem Fall durch Angestellte nicht möglich.

Vorab liegt es nun an der Wissenschaft, ein Instrumentarium zu schaffen, dass geeignet ist, über einen längeren Zeitraum geeignete Daten zusammenzutragen. Wichtig wäre dabei die Nachvollziehbarkeit dieser Methode und damit die Qualitätssicherung und –verfolgung. In der Industrie ist das Qualitätsmanagement (QM) seit vielen Jahrzehnten selbstverständliche Realität.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Verlässlichkeit der Daten und damit verbunden die Vorbereitung der gemeinnützigen Mitarbeiter. Das aber führt automatisch zur Anerkennung einer amateurwissenschaftlichen Mitarbeit. So ist schließlich die Wertschätzung dieser Leistung niemals zu vergessen. Die Bezeichnung Ehrenamt wäre ein erster Schritt für eine derartige Anerkennung. So sollte aber auch die Nennung der gemeinnützig tätigen Mitarbeiter im offiziellen Tätigkeitsbericht nicht vergessen werden. Ohne die Amateure wird die Wissenschaft keine verwertbare Aussage treffen können bei einer derart komplexen Zielsetzung – die Einschätzung bzw. Erfassung der derzeitigen Biodiversität.

Gut war der Hinweis von Herrn Prov. Dr. Vogel, dem Herrn Generaldirektor des Hauses, am Ende des ersten Tages dieses Symposiums auf die Wichtigkeit der Amateurbeteiligung bei der Erledigung wissenschaftlicher Aufgaben. Wie auch der Hinweis von Herrn Dr. Ohl auf die immer wieder zu entfachende Neugierde und Entdeckerfreude der Amateurmannschaft. So zählt er eben auch zum Leitungsstab der Biodiversitätsentdeckung.

„Amateurs as Experts“ ist eine ernstzunehmende Betrachtung an der Universität in Lencaster GB. Diesen Hinweis gab Herr Prof. Vogel. Die Wichtigkeit und die erforderliche Wertschätzung findet sich schon in dem Wort Experts wieder. Die gemeinnützigen Mitarbeiter sind hier ein Expertenteam, auf das man nicht verzichten kann. Hier sollte man einmal im Netz weiter lesen.

Dass man nun die pro Biodiversitätsforschung an Naturkundemuseen ansiedelt und ernst nimmt, ist ein wichtiger Schritt für die Zentralisation und die Bündelung der Daten, die eben hier unabhängig wissenschaftlich verarbeitet werden können. Die Bürger-wissenschaft ist dabei ein wichtiger Baustein, der in seiner Tragweite nicht zu unterschätzen ist. Sind es nun anerkannte Experten der Amateurliga, wäre es auch möglich, sie mit einem geldlichen Beitrag zusätzlich zur geistigen Anerkennung zu belohnen.

Reinhardt Löwe
12.12.2018

Es ist besonders deutlich geworden, dass wir Imker –in Berlin über 1.000 und in Deutschland über 100.000 – eine besondere Verantwortung tragen im Rahmen der Gemeinnützigkeit. Nur die Anerkennung, die Wertschätzung für diese Leistung, die bleibt in der Regel aus. Dabei kann der Wert dieser nicht in € darstellbaren Größe gar nicht hoch genug eingeordnet werden. Wir Imker retten mit diesem Hobby (Berufsimker sind die wenigsten von ihnen), mit dieser Berufung im Rahmen des Naturschutzes für die Erhaltung der Biodiversität einen unglaublichen Dienst. Immer wieder machen wir das, trotz der auch nicht ausbleibenden Verluste und Niederschläge und wir machen es gern, weil der Lohn für diese Tätigkeit zum einen in dem schmalen Ertrag liegt aber vor allem in der Befriedigung, ein kleines Stückchen Natur verstanden und einigermaßen beherrscht zu haben.

Und dennoch sollten wir uns der Jahreslosung von Prof. Dr. Werner Kratz für 2019 anschließen:

Tu Deinem Leib etwas Gutes an, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.

Bitte nicht um eine leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken. 

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Bleiben wir aktiv.

Für das Jahr 2019 wünscht der Redaktionsstamm dieser Seite ein gutes Bienenjahr bei guter Gesundheit der vielen Akteure des Imkervereins Berlin-Zahlendorf und Umgebung e.V.. Wünschen wollen wir uns damit auch ein Jahr ohne Pestizide.

d.R.
25.Dezember 2018