Bienensterben 2015

Seit vielen Jahren gibt es Diskussionen zum Thema. Sie sind einmal sachlich, einmal emotional geführt. Sie greifen den Hersteller von Präparaten an. Sie werden von der chemischen Industrie klein gehalten. Wo also liegt die Wahrheit?

Müssen wir Menschen und da insbesondere die Imker – den Unterschied zwischen männlich und weiblich wollen wir bei Berufsbezeichnungen in Zukunft außer Acht lassen -, müssen wir uns wirklich Sorgen machen, wenn die Landwirtschaft und die Natur durch Pestizide beeinflusst werden?
Das müssen wir in einem wohl nicht so recht begriffenen Ausmaß!

Post-Neonikotinoid-Symposium war die Überschrift für eine Vortragsreihe, die am 01.Dezember 2015 in der Humboldt-Universität-Berlin angeboten wurde.

Post bedeutet danach, nach diesen Spezialpestiziden. Doch welche Wirkungsweisen, welche Schäden an Fauna und Flora haben zu den Inhalten bei diesem Symposium geführt? Wer steckt dahinter? Wie setzt sich dies Kollegium an diesem Tag und nicht nur an diesem Tag zusammen? Für einen Imker wie mich, einen bodenständigen aber logisch denkenden Menschen, war es eine ungewohnte Kost.

Es haben sich Wissenschaftler der unterschiedlichsten Bereiche der Biologie, der Biochemie, der Humanmedizin, der Verwaltung, der Entomologie und, und, und zusammengefunden, um fundierte Antworten zu diesen Themenkreisen zu finden. Es sind Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Ländern unserer Erde. Und sie haben Antworten gefunden, die die Sorge in besonderem Maße die der Imker auf eine Art bestärken, wie ich es nicht für möglich gehalten habe. VDW (Vereinigung Deutscher Wissenschaftler) und ENSSER (European Network of Scientists for Social and Enviromental Responsibility) sind zwei der wissenschaftlichen Organisationen, über die sich über Jahre ausgetauscht wurde. Sie stehen an diesem Tag als Veranstalter auf dem Programm. Die Referentenliste und die Themen führe ich hier noch einmal auf, um die inhaltliche Bandbreite aufzuzeigen.

Als knappes Ergebnis kann aus meiner Sicht zunächst festgehalten werden, dass bei einem weiterem Einsatz von Neonikotinoiden zunächst die Insekten sterben, dann die Ökologie des Bodens erheblich und langzeitlich beschädigt wird, dann durch die Anreicherung dieser Pestizide in den Nährpflanzen auch die kleinen Tiere, die großen Tiere und schließlich der Mensch Schaden nehmen. Ob es dann noch vermehrt ein Krebsrisiko zu untersuchen gilt, erscheint mir bei der Tragweite dieser Vergiftung fast nebensächlich. Dass sich der Produktionsertrag in der Landwirtschaft durch das Fehlen von Pestiziden nicht merklich ändert, ist nicht nur ein erstaunliches Ergebnis von wissenschaftlichen Untersuchungen. Es lässt vielmehr nur einen Schluss zu, dass es nur um das chemische Geschäft geht.

Was aber viel schlimmer ist: Sterben die Bestäuber aus, weil man sie vernichtet hat, verschwindet zunächst die Artenvielfalt und es bricht der Ertragswert der Bestäuber-abhängigen Pflanzen ein.

Wir Imker sind aufgerufen, uns um das Wohlergehen der Honigbienen und ihrer wilden Artverwandten zu kümmern. Das ist in den Städten vergleichsweise leicht, weil die Anwendung von Nervengiften hier im Vergleich zur Landwirtschaft zurückhaltender ist. Immer weniger wird über Blumenkästen und Haustiere versprüht. Über unsere öffentlichen Foren aber können wir Informationen bekannt machen, die dazu beitragen, eine dringend nötige Rekultivierung landwirtschaftlicher Bereiche wieder einzuleiten. Dann wird es auch hier wieder mehr Bienenstöcke, Wildbienen und andere wichtige Bestäuber geben.

Der Humanmediziner Prof. Dr. med. Klaus-Werner Wenzel (Task Force on Systemic Pesticides der IUCN) hat im Rahmen des oben angesprochenen Symposiums einen auch für einen Imker in weiten Teilen verständlichen Vortrag „Neonikotinoide und Bienensterben“ gehalten. Diese Inhalte im Einzelnen mit den aufgezeigten Graphiken darzustellen, würde diesen Rahmen sprengen.

Freundlicherweise aber hat Herr Professor Wenzel einen Artikel zur Verfügung gestellt („Neonikotinoid-Insektizide als Verursacher des Bienensterbens“), der nicht nur die Wirkungsweise dieser Pestizide beschreibt, sondern sich auch mit den anderen Problemfeldern das Bienensterben betreffend auseinandersetzt. Den Artikel leiten wir hier an die interessierten Leser weiter.

Im Rahmen des Berliner Imkertages 2011 sind wir durch Herrn Professor Randolf Menzel (Vorsitzender der Vormittagssitzung dieses Symposiums) bereits auf die Wirkung von Insektiziden hinsichtlich des Navigationsverhaltens von Bienen aufmerksam gemacht worden. Die Dimension aber, die konnten wir damals nicht erkennen, wenngleich das entdeckte Phänomen für einen Imker schon damals sehr viele Ängste auslöste.
Ein Verbot der EU-Kommission für die drei gefährlichsten Neonikotinoide hat zunächst Bestand bis Dezember dieses Jahres. Die wissenschaftliche Kommission der EU, die EFSA, soll dann neu bewerten. Für die Wintersaaten d.J. hat Herr Bundesminister Schmidt am 22.07.2015 ein Eilverbot für Neonikotinoide erlassen. Wir können nur hoffen, dass dies Verbot über die nächsten Jahre aufrecht erhalten bleibt.

Kommentar von
Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.