Blatthonig / Honigtau

Dieses Mal war es nicht die Laus im Pelz. Nein, die Pflanzenläuse sollten uns am 13.03.2014 beschäftigen.

Der überaus lebendige Vortrag von Herrn Dr. Stephan Scheurer (Bild und Graphiken in dieser Zusammenfassung wurden von Herrn Dr. Scheurer zur Verfügung gestellt.) hat die zahlreichen Anwesenden vom Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V. mit einer Fülle von Informationen versorgt. Er hat neugierig gemacht. Daher sollten doch einige Stichpunkte festgehalten werden. Wer wusste schon so genau von der Herkunft und der Basis des doch so schmackhaften Blatthonigs, den wir im vergangenen Jahr in größerer Menge ernten durften.

Zeigen wir noch einmal die Systematik dieser wahrlich ungewöhnlichen Insekten, die, wenn es stimmt, dass es sie seit 280 Millionen Jahren auf dem Erdball gibt, schon 200 Millionen Jahre länger als die Honigbiene existiert haben. Wer hat ihnen da denn 200 Millionen Jahre lang den überschüssigen Honigtau abgenommen? Die Mitschrift des Verfassers ist hinsichtlich der Informationsvielfalt dieses Tages doch nur
ein Stückwerk. Daher habe ich zusätzlich das Internet für diese Zusammenfassung bemüht. Wikipedia zeigt eine gute Übersicht auf, die aber verglichen mit dem Vortrag und den angebotenen Ausführungen zusätzliche Fragen aufwirft. So gliedert sich die Systematik wie folgt: Stamm: Gliederfüßler (Arthropoda), Klasse: Insekten (Insecta), Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota), Unterordnung: Pflanzenläuse (Sternorrhyncha), Überfamilie: Blattläuse (Aphidoidea i.e.S.). Letztere aber fliegen eben nicht alle.

Von ca. 3.000 Blattlausarten werden in Mitteleuropa ca. 850 als bekannt beschrieben. Wer hat gewusst, dass fast jede Pflanze, jeder Baum seine eigene Blattlausspezies als Besucher – gut oder böse – hat. Nicht alle sind Schädlinge. Nur wenige findet man auf unterschiedlichen Wirtspflanzen.

Für den Imker sind von besonderem Interesse die Baumläuse (Lachniden) aus der Gruppe der echten Blattläuse. In Berlin ist es vornehmlich die zu den Zierläusen (Calaphidinen) gehörende Lindenzierlaus (Eucallipterus tiliae), die dem Imker in Abhängigkeit von Temperatur und anderen Wetterdaten den Blatthonig über den Honigtau beschert.

Eucallipterus_tiliae.jpg laus_querschnitt.jpg

Mit einem Saugrüssel, bestückt mit Stechwerkzeugen, durchstößt dieses ca. 3 mm lange Insekt in diesem Fall die Unterseite des Lindenblattes, um an den Siebröhrensaft des Baumes zu gelangen. Kohlenhydrate, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe, organische Säuren, Vitamine und Spurenelemente werden dabei in großen Mengen aufgenommen. Wegen des großen Eiweißbedarfs der Tiere aber wird insbesondere eine Überproduktion des Zuckers, der auch häufig einen hohen Anteil an Melizitose hat, zum Ausscheiden des Honigtaus führen. Ist die Blütenvielfalt in den Spätsommertagen weitgehend verebbt, übernehmen die Honigbienen diese inhaltsreichen Ausscheidungen sehr gern, um sie in Honig umzuwandeln, den dunklen Blatthonig, der etwas malzig, etwas karamellisiert schmeckt.

Honigtauzusammensetzung.png

Es ist eine Massenproduktion, die stattfindet. Die Massenproduktion wird hervorgerufen durch die gewaltige Population, die wiederum beruht in der Hauptsaison auf einem ungewöhnlichen Vermehrungsprinzip. Im Herbst werden befruchtete Eier in Nähe der Blattknospen an den Ästen befestigt. Aus ihnen schlüpfen im Frühjahr die Stammmütterchen. Sie bringen danach durch Jungfernzeugung lebende Junge zur Welt, die sich ihrerseits sehr stark durch Parthenogenese vermehren können. Diese Entwicklung kann bis zu achtmal stattfinden. Erst im Herbst kehrt dann die Zweigeschlechtlichkeit zurück, damit die befruchteten Eier den Zyklus wieder eröffnen können.

Viele Phänomene dieser Tierart wurden uns dargestellt, mit vielen mirkros- und makroskopischen Bildern deutlich gemacht. Tabellarische Darstellungen über die chemische Zusammensetzung des Siebröhrensaftes und des Honigtaus nach der Verdauung wurden vermittelt. Das alles aber hat meine Mitschrift im Detail nicht hergegeben. Die vielen Arten an Baumläusen mit ihren sehr unterschiedlichen Ausrüstungen kann ich hier nicht erwähnen. So mag aber der eine oder andere Gefallen an dieser Thematik finden und dies Thema noch weiter vertiefen.

Tannenhonige sind noch ein spezielles Thema bis hin zu der erst vor wenigen Jahren aus den USA eingewanderten Laus, die sich nunmehr auch in der Nordmanns-, Colorado- und Küstentanne breit macht.

Wir werden uns darüber in Zukunft sicherlich noch weiter austauschen.

Reinhardt Löwe
16.03.2014