Brandenburger Imker verdienen die Tapferkeitsmedaille

Zum wiederholten Male haben sie sich getroffen. Die wohl 100 Neugierigen, ihren Tieren, den Honigbienen, Verantwortlichen haben nicht den weiten Weg gescheut, um wieder und wieder neue Erkenntnisse zu erfahren. Es geht um das Wissen, wie man in heutiger Zeit in Brandenburg noch imkern kann, ohne ständig Verluste akzeptieren zu müssen. Dabei geht es nicht um Bienenkrankheiten, nicht um die Parasiten, die den Tieren das Leben im Bienenstock schwer machen. Das hat man weitgehend gut im Griff. Man tauscht sich heute mehr aus als früher.

Heute aber gibt es andere viel größere Probleme.

Pestizide der unterschiedlichsten Ausprägung, z.T. in variablen Kombinationen, werden in der Landwirtschaft in großen Mengen ausgebracht. Das ist erlaubt, wenn man die Rechtslage prüft. Vor Jahrzehnten schon wurden die Mittel geprüft und trotz ihrer ca. 6.000fachen Wirkung gegenüber DDT (Das ist nun verboten.) als für den Menschen ungefährlich eingestuft.

Nun gut, man hat die Welt der Insekten und der wilden Pflanzen vernichtet. Doch das war ja auch gewollt. Dass man mit den Wilden Bienen und anderen Insekten nun auch die Honigbiene vertrieben hat, damit haben die Hersteller der Präparate nicht gerechnet. Und die Imker, die waren ja immer flexibel. Die haben dann versucht, diese vergifteten Regionen zu meiden. Das aber geht nun wohl nicht mehr so einfach. Die bearbeiteten Felder werden immer größer und zahlreicher.

Zum wiederholten Male erklärt nun Herr Dr. Kratz den Anwesenden die Wirkungsweise der Mittel. Er weist auf die Analysen und Studien vor allem die von Prof. Menzel hin. Es ist bewiesen, dass diese Mittel allen schadet: Der Natur in ihrer Biodiversität, den Insekten vor allem, sekundär den Vögeln, Amphibien, Reptilien und anderen Kleinlebewesen. Wieder werden die Präparate benannt mit ihrer verhängnisvollen Wirkung mit dem jeweils Vielfachen gegenüber DDT, das nun schon so lange verboten ist. Doch gesetzlich ist das bis heute alles ok.
Dr. Peter Clausing hält den nächsten Vortrag mit dem Inhalt, ob Pestizide möglicherweise Krebs erzeugen. Na ja der Verdacht besteht ja schon lange – viele Jahre. Es werden viele bekannte Krebsarten benannt. Der Ausbruch wird auch mit diesen Pestiziden in Verbindung gebracht. Es gibt zum Thema in der Zwischenzeit auch 136 Veröffentlichungen. Herr Dr. Clausing stellt auch abschließend fest, dass diese Chemikalien die Verursacher für Krebserkrankungen sind. Ein Verbot aber kann er nicht einmal in Aussicht stellen, weil die vielen tausend Analysen über Jahrzehnte ausgewertet werden können. Der Einsatz von Herbiziden und Neonikotioiden ist somit weiterhin im Rahmen der vorgegebenen Dosierungsmengen erlaubt.

Für den Landesbauernverband Brandenburg war der Präsident , Herr Henrik Wendorff, zur Diskussionsrunde erschienen. Immerhin stand diesmal ein sehr wichtiger Gesprächspartner zur Verfügung im Haus der Natur in Potsdam am 27.02.2017. Doch er hatte es leicht. Die Brandenburger Landwirte bearbeiten ihre Felder nicht gesetzeswidrig. Und man ist immer gesprächsbereit. Die Geschichte mit den blühenden Ackerrandstreifen hat sich nicht durchgesetzt. Es hat nur Geld gekostet. Förderung stand nur unter so differenziert komplizierten Auflagen zur Verfügung, dass die Weiterverfolgung für einen Landwirt rein wirtschaftlich nicht mehr vertretbar wäre. Ungeachtet dessen versucht jeder Bauer eine angemessene Feldrandhygiene ( Das ist schon ein toller Terminus.) zu betreiben. Doch man ist auch auf dieser Seite immer gesprächsbereit. Nur eine Reduzierung des Pestizideinsatzes kann nicht erwartet werden, solange es kein Verbot gibt.

Herr Dr. Radtke vom LIB in Hohen Neuendorf berichtete dann noch von Möglichkeiten, der Pestizidreduzierung durch eine veränderte Felderwirtschaft, die wohl ökonomisch vor allem aber ökologisch vertretbar ist.
Es folgte eine entspannte Diskussion zwischen den Beteiligten mit den Imkerinnen und Imkern, die für diesen Abend viele Kilometer gefahren sind. Für einen Berliner Imker ist das eine Erfahrung, die kaum nachvollziehbar erscheint. In Berlin gibt es nur noch wenige Pestizide im Einsatz. Selbst das von den Bezirksämtern sonst so geschätzte Glyphosat kommt kaum noch auf die Pflanze. Obstgehölze werden in der Regel nicht mehr mit chemischen Mitteln behandelt. Die ökologischen Trends sind nicht zuletzt durch den BUND und den NABU an die meisten Mitbürger durchgedrungen. 440.000 Straßenbäume, fast immer blühende Gärten, Parks und Kleingartenkolonien bescheren den Bienen in der Stadt eine so reiche Nektarernte, dass sie dem Imker viel davon abgeben können.

Die nunmehr 2.512 Brandenburger Imker, die ertragen das Dilemma der fehlenden politischen Entscheidungen. Sie suchen den Kontakt zum Landwirt. Sie versuchen Spritz- und Bienenflugtermine zu entkoppeln. Gelingt das, ist man schon einigermaßen zufrieden. Massentrachten sind dabei Mangelware. Der Raps bildet eine Ausnahme. Da aber muss man schon wieder Acht geben, dass die Glyphosatbestandteile im Honig den Grenzwert nicht überschreiten. Das kann alles nicht der richtige Weg sein, wenn man bestrebt ist, bekömmliche Lebensmittel zu erzeugen. Das gilt für den Landwirt wie für den Imker.

80% Bestäubungsleistung geht von den Bienen aus. Diesen Schatz sollten wir uns erhalten. Die Brandenburger Imker, von denen es allerdings immer noch zu wenige gibt, können sehr stolz sein, wenn es von 2015 bis 2016 unter diesen Umständen fast 10% mehr Imker und entsprechend mehr Bienenvölker gibt. Herr Lucke als kommissarischer Vorstandsvorsitzender und Diskussionsleiter des Abends hat das in seiner Bescheidenheit nicht verkündet. Der D.I.B. aber hat auf seiner Internetseite die Aktuellen Zahlen für 2016 veröffentlicht.

Dabei kann man auch ablesen, dass es in Berlin eine ähnliche Entwicklung gibt. Das aber führt zu einer in der Zwischenzeit sehr problematischen Bienendichte von über 7 Bienenvölkern / km². Nimmt man die nicht organisierten Imker und die vielen, vielen Wanderimker des Sommers hinzu, kommen wir auf eine Bienendichte, die sicherlich über 10 liegt. Da ist der Imker dann aufgerufen, sich mit noch mehr Sorgfalt und Disziplin seinen Tieren zuzuwenden. Die Durchmischung der Rassen, die Ausbreitung von Bienenkrankheiten und die Mehrung von Parasiten sind immer schwerer zu beherrschende Parameter.

Zum besseren Verständnis wird hier noch einmal die aktualisierte Übersicht mit einem deutlichen Verweis auf die Entwicklung in Brandenburg eingefügt.

Das aber sind im Vergleich zu den Schwierigkeiten in den landwirtschaftlich genutzten Regionen in Deutschland immer noch beherrschbare Probleme. Wir haben in den Großstädten doch immerhin eine Biodiversität, die zwar nicht der angestammten Kultur entspricht, aber doch für die Hoffnung auf eine bessere Natur viel Spielraum lässt. Das gibt es in den Regionen der intensiven Landwirtschaft nicht mehr und wird es auch nicht geben, solange man mit Herbiziden die meisten Pflanzen vernichtet, die für die meisten wilden Insekten die Hauptnahrungsgrundlage darstellen. Insektizide und Neonikotinoide geben der kleinen Tierwelt den Rest. Wird der Verbrauch dieser Pestizide nicht drastisch eingeschränkt, braucht man eine Diskussion über die Wiederherstellung der Artenvielfalt von Pflanze und Tier überhaupt nicht zu beginnen.

Der Brandenburger Imker wird weiter nach Nischen suchen müssen, in denen er seine Bienenstöcke aufstellen kann. Es wird schwer bleiben, die Tiere am Leben zu erhalten und giftfreie Bienenprodukte zu ernten. Wer sein Bemühen dennoch nicht aufgibt, verdient viel Hochachtung.

Blumen wie diese Kornblume soll es nicht mehr geben, sagt der Vertreter des Bauernverbandes. Wer Kornblumen im Feld hat, zeigt den Beweis für eine schlechte Bodenkultur. Das ist schade, nicht weil es die Lieblingsblume meines Großvaters war, sondern weil die Bienen sich gierig darauf stürzen, um Pollen und Nektar zu ernten.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.,
als Gast in der Runde der Brandenburger Imker
01.03.2017