Christian Konrad Sprengel

(1750-1816)

Scheitern und später Ruhm eines genialen Botanikers
Quelle: Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg 143: 153-212, Berlin 2010
Friedrich-Wilhelm Kielhorn


Christian Konrad Sprengel lieferte 1793 mit seinem Buch Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen einen wesentlichen Beitrag zur Botanik. Jüngstes Kind eines Pfarrers in Brandenburg/Havel, studierte er Theologie in Halle, war Lehrer in Berlin und wurde 1780 Rektor an der Großen Schule in Spandau. Dort traf er den Arzt Ernst Ludwig Heim (1747-1834), der ihn in die Botanik einführte. Nach umfangreichen Beobachtungen und Untersuchungen erkannte er die Bedeutung der Insekten, vor allem der Bienen, für die Befruchtung der Blütenpflanzen und deren gegenseitige morphologische und physiologische Anpassungen. Für die von ihm entdeckte ungleichzeitige Geschlechtsreife der Stempel und Staubgefäße in Zwitterblüten prägte er den Begriff „Dichogamie“. Nach einer ausführlichen Einleitung, dem allgemeinen Teil, stellte Sprengel im umfangreicheren speziellen Teil die Besonderheiten in der 2. bis 23. Pflanzenklasse Linnès dar. Der Text ist ergänzt durch Tafeln mit vielen Abbildungen. Das Buch wurde von einigen Autoren wohlwollend besprochen, von anderen, besonders aus dem Kreis um Goethe, aber heftig attackiert. 1794 verlor Sprengel seinen Posten als Rektor. Er erfuhr keine Unterstützung durch wissenschaftliche Institutionen. 1811 erschien sein Buch Die Nützlichkeit der Bienen und die Notwendigkeit der Bienenzucht, in dem er die Konsequenzen seiner Forschungen für Landwirtschaft, Obstbau und Imkerei darstellte. Trotz der Ablehnung und der Verbitterung hierüber zweifelte Sprengel nie an der Richtigkeit seiner Beobachtungen. Er starb einsam in Berlin. Über Jahrzehnte danach war sein Werk vergessen, bis Darwin (1809-1882) dessen Bedeutung für die Evolutionsbiologie erkannte.

Der Gedenkstein steht im Botanischen Garten.

Buchempfehlung: Pritsch, Günter: Bienenweide, KOSMOS. ISBN 978-3-440-10481-1

Prof. Dr. Günter Pritsch wurde bereits 1953 zu Beginn seiner Laufbahn als Wissenschaftler das Arbeitsgebiet Bienenweide und Bestäubung in der Abteilung Bienenkunde des damaligen Instituts für Geflügel- und Kleintierzucht übertragen – dem heutigen Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf. Als dieses Institut nach der Wiedervereinigung Deutschlands dem Agrarministerium des Landes Brandenburg unterstellt wurde und seine Existenzberechtigung als Bieneninstitut im wiedervereinigten Deutschland nachweisen musste, hat Prof. Dr. Pritsch diese Institution geschäftsführend geleitet und dessen Evaluierung erfolgreich absolviert.
Das unter Leitung von Günter Pritsch im Jahr 1992 gegründete Länderinstitut für Bienenkunde (LIB) als Mehrländeranstalt für die neuen Bundesländer hat sich die Bearbeitung der Schwerpunktthemen Züchtung varroatoleranter Bienen, Honigforschung, Untersuchungen zur Bedeutung der Bienen als Umweltfaktor, Hochschullehre und imkerliche Beratung zur Aufgabe gemacht.

Er leitete das Institut bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1995.

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