Ist Bienenhaltung im Kleingarten möglich?

Eigne ich mich zum Imker?

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Bienenhaltung im Kleingarten

Hier ist zunächst die Unterscheidung zwischen dem Kleingarten als z.B. Schrebergarten im Pachtvertrag und dem Kleingarten als eben kleinem Garten im Eigentum zu treffen. Die Praxis der Imkerei ist dabei die gleiche.

Bedingungen für die Nutzung eines Kleingartens sind in Deutschland in einem Kleingartengesetz geregelt. Wer es mag, soll sich im Internet mit den Definitionen unter dem Stichwort Bundeskleingartengesetz informieren. Darin allerding ist die Tierhaltung nur bedingt geregelt. Es ist insbesondere bezogen auf die Bienenhaltung den einzelnen Kleingartenvereinen überlassen, hier klare Regelungen zu treffen; und diese sind leider sehr unterschiedlich. Es ist bis heute noch nicht überall durchgedrungen, dass die Biene ein Nutztier von unschätzbarem Wert ist. Als Bestäuber der Obstbäume und des Gemüses erledigen die Wildbienen, Hummeln und andere Insekten nur einen verschwindend kleinen Anteil. Das nun hat immerhin dazu geführt, dass einige Rechtskommentare sich zwar dem Ausschluss der Kleintierhaltung im Kleingarten anschließen, die Bienen aber mittlerweile ausgenommen sind. In der Grünen Schriftenreihe Nr. 188 gibt es unter 1.1, ad) den Kommentar zu „ Ausschluss der Kleintierhaltung“. Hier heißt es im letzten Absatz: „Zulässig dagegen ist die Bienenhaltung. Sie dient der kleingärtnerischen Nutzung schon wegen des Nutzens der Bienen für die Bestäubung der kleingärtnerischen Erzeugnisse.“ Immerhin gibt es im Pachtvertrag allein in Berlin rd. 70.000 Kleingärten, insgesamt in Deutschland 1.000.000. Damit nimmt Deutschland hier in Europa unangefochten einen Spitzenplatz ein. Da nun die Bienenhaltung nicht nur für die Kleingärten wichtig ist, sollten wir doch ganz schnell unsere Nachbarn und die zuständigen Vereinsführungen von der
Notwendigkeit dieses Hobbys überzeugen.

Dabei ist die Haltung der Bienen in einem solchen Gärtchen, das nicht größer sein soll als 400 qm, zwar immer möglich, aber immer unter Einhaltung bestimmter Vorkehrungen. Das gilt natürlich auch für den kleinen Eigenheimgarten. Mein Gärtchen z.B. hat keine 200 qm Nutzfläche und bietet dennoch Platz für 6-8 Bienenvölker. D.h. in einer guten Saison tragen rd. 7 x 50.000 Bienen= 350.000 Bienen zur Bestäubung der Pflanzen in einem Umkreis von rd. 4,0 km bei. Und diese fleißigen Tierchen besuchen auf ca. 5 Einsätzen pro Tag viele hundert Blüten.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass unsere Bienen ein friedliches Miteinander lieben. Aber sie mögen auch ihren Freiraum. Dazu zählen in erster Linie die Starts und Landungen am Bienenstock. Haben sie kein enges Gegenüber, dann ist die Aufstellung der Beute regelfrei. Das aber kann man bei einer Kleingartenanlage nicht voraussetzen und auch nicht im kleinen Stadtgarten. Die Bienen starten in der Regel ökonomisch, wie eben auch die großen Flieger, horizontal langsam ansteigend. Um dem entgegenzuwirken, setzt man in zwei bis drei Metern Entfernung ein Hindernis in Form einer Hecke, einer geflochtenen Wand o.ä., damit der Steigflug rasanter stattfindet. Damit ist die Gefährdung am Bienenstock kleiner. Die Biene erreicht schnell eine Höhe, die über der Größe eines Menschen liegt. Das sollte man frühzeitig und gut vorbereiten. Meine Bienen haben die Nachbarn erst wahrgenommen, nachdem einmal ein Schwarm losgeflogen ist. 20.000-25.000 Bienen lassen den Himmel dann grau erscheinen. Doch auch das ist, wenngleich man es vermeiden sollte, sehr ungefährlich. Vor dem Schwärmen pumpen die Bienen sich mit einer großen Portion Honig voll, damit sie die nächsten Tage bei der Wohnungssuche gut überstehen. Dann ist es so wie bei allen Lebewesen: ein satter Krieger kämpft nicht gern.

Kurz und gut: Die Bienenhaltung im Kleingarten und im kleinen Stadtgarten ist wichtig, erstrebenswert und für die Nachbarn ungefährlich; und ganz nebenbei man hat in der Stadt die Möglichkeit, einen ganz besonders aromatischen und sauberen Honig zu ernten, der auch dem Nachbarn nachhaltig gut munden wird. Pflegt der Imker seine Völker, schenken sie ihm rd. 50 kg Honig pro Volk und Jahr.

Eignung zum Imker

Zum Imker eignet sich jeder Mensch ob jung oder alt, ob Weibchen oder Männchen. Allerdings muss er einige Charaktereigenschaften im Gepäck haben, die nicht jedem Menschen gegeben sind.

Ein Imker, egal ob als Hobby- oder Berufsimker, muss seine Aufgabe gewissenhaft und ernsthaft wahrnehmen. Er muss stets neugierig sein und sich mit seinen Kollegen austauschen. Zuverlässigkeit und Ausdauer sind Grundbedingungen für ein erfolgreiches Imkern. Bienen haben ein Sozialverhalten, dass man erst über Jahre so richtig begreift. Da kann man nicht anfangen; und dann wenn es kompliziert wird, wieder aufhören. Diese Tiere werden einem anvertraut; und so sollen sie dann auch pfleglich behandelt und behütet werden. Von Zeit zu Zeit sind sie geschwächt von Krankheiten und Umwelteinflüssen, die aber weitestgehend der Mensch zu vertreten hat. Da brauchen sie unsere Hilfe. Das bedeutet, dass ein Imker für den Lohn seiner Arbeit auch Entbehrungen zu erwarten hat. So darf er, wenn er denn die Schwärme seiner Bienen vermeiden möchte, zwischen April und Juli nie länger als 14 Tage Urlaub machen, es sei denn, er hat in dieser Zeit einen Kollegen, der seine Arbeit und Beobachtung übernimmt. Er muss wissen, dass er bei ca. 5 Völkern einen zeitlichen Aufwand von ca. 6 Std. wöchentlich akzeptieren muss. Er muss auch wissen, dass er ca. min. 1.500,00 € zur Verfügung haben muss für die Grundausstattung vom 1. Volk bis zum Schleudern und ernten des ersten Honigs mit eigenen Gerätschaften. Die Ruhe aber und die Zufriedenheit, die immer größer werden, mit einer erfolgreichen Imkerei, sind durch nichts zu ersetzen. Es macht sich eine Faszination breit, die man nicht erwartet hat. Da ist es zwar störend, aber schließlich egal, wenn der Imker zur Allergie gegen das Bienengift neigt, so wie ich, der diesem Hobby seit nunmehr dreizehn Jahren nachgeht.
Da muss man sich halt ein klein wenig schützen. Doch dazu mehr beim Thema Bienenhaltung.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.