Kommentar zum Nationalen Bienenaktionsplan (2017) und zum Schlussbericht des Deutschen Bienenmonitoring (2011-2013)

Fünf Seiten für den Nationalen Bienenaktionsplan und fünfundsechzig Seiten Schlussbericht für das Deutsche Bienenmonitoring (abgeschlossen 2013, vorgestellt 2017!) lassen ein wenig Spiel für Kommentare und ergänzende Meinungen.

Zunächst einmal sind Forderungen – an wen auch immer gerichtet – immer schlecht, wenn ein erfolgreicher Dialog angestrebt wird. Fundierte Forschungsergebnisse – öffentlich zugänglich und überprüfbar – sind Grundsteine für eine zwangsläufige Änderung bestehender Praktiken beim Gebrauch von Mitteln und Gerät für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte, wie auch die Erfahrungen der vielen Praktiker (z.B. Imker).

Weiterhin fehlt die Trennung der Dialogebenen für die domestizierte Honigbiene und die wilden Bestäuber. Hier sind die Interessen der Imker und die der Umweltschützer nicht immer kongruent. Sie können aber in Einklang gebracht werden.

Erfahrungen außerhalb der produzierenden Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt. Es gibt unterschiedliche Gesetzgebungen. Naturschutz und Baumschutz werden länderspezifisch sehr verschieden gedeutet, angewendet und häufig nur den landwirtschaftlichen Bedürfnissen angepasst.

Dann gibt es die zwei unterschiedlichen Betrachtungsweisen bei der Diskussion über die Pestizide. Diese schaden zum einen den Bestäubern, indem sie sie vernichten oder durch den erzeugten Nahrungsmangel vertreiben bis hin zur Ausrottung. Sie können aber zum anderen dem Verbraucher landwirtschaftlicher Erzeugnisse schaden, wenn die Rückstände dieser ungesunden chemischen Mittel im Lebensmittel nachweisbar sind. Hier muss schon der begründete Verdacht der körperlichen Schädigung ausreichen, diese Mittel nicht mehr einzusetzen.

Letztlich gibt es dann noch die Plausibilität zahlenmäßig ermittelter Ereignisse. Hier allerdings ist zunächst die Honigbiene als brauchbares Medium einzusetzen. Dankenswerterweise hat der Deutsche Imkerbund über viele Jahre viel brauchbares Zahlenmaterial zusammengetragen und veröffentlicht, das aber wohl wenig Beachtung findet. Der Unsicherheitsfaktor nicht registrierter Imker soll hierbei nicht beachtet werden, da er wohl nicht signifikant ist. Greift man die Bienendichte für Berlin mit über 6 Bienenvölkern/km² heraus, wird deutlich, dass Mecklenburg Vorpommern mit 0,64 Bienenvölkern/km² sicherlich unterversorgt ist. Empfehlungen der Literatur gehen von min. 3 Bienenvölkern/km² aus. Hier sind aber keine Forderungen aufzustellen, sondern die Notwendigkeit für eine Änderung aufzuzeigen. Dass sich die Bienendichte für Berlin in den Monaten Juni/Juli/August noch verdoppelt, sollte auch der Politik zu denken geben.

Das Landgericht Berlin hat einmal vorgetragen, dass Behörden sich gerne der Plausibilitätsanalyse bedienen. Sie urteilen nach riechen, schmecken und hören. Dass die Sinneswahrnehmung des Sehens besonders wichtig ist, wurde wie auch der Tastsinn vergessen. Nimmt man also einmal alle Sinne zusammen, dann wird die Wissenschaft fast entbehrlich. So kann man dann den „Gesunden Menschenverstand“ als Entscheidungskriterium bezeichnen und möglichst auch anwenden.

Die Möglichkeit für eine Veränderung der Landschaft liegt in einer Rückführung vernichteter Erfordernisse. Bäume und andere Gehölze sind Massentrachten für die Honigbiene und andere Bestäuber und erforderlich für die Versorgung des Bienenvolkes für die Winterzeit. Fallen diese Trachten aus, wird diese Region für die Biene und damit auch für den Imker uninteressant. Massentrachten aus der zufälligen Felderwirtschaft (z.B. Raps) sollen dabei kein Betrachtungskriterium sein. Für einen Hauptanteil der landwirtschaftlichen Erzeugung ist die Honigbiene unentbehrlich. Mit rd. 50.000 Bienen/Volk ist diese Leistung zunächst entscheidend.

Daneben aber sind die wildlebenden Bestäuber von gleicher Bedeutung. Allerdings ist die Einschätzung durch Art und Anzahl schwer zu fassen. Die anzustrebende Basis wird einhergehen mit auch diesen Spezies. Allerdings werden dann auch die Erfordernisse der floralen Biodiversität deutlich. Damit wäre dann die trachtarme Zeit auch für die Honigbiene gesichert. Weitere Bedingungen (Habitate, Wasser, Brachen, Biotope) sind mehrfach beschrieben und stellen eine Selbstverständlichkeit dar.

Damit wird klar: Kehrt einmal das logische Denken für die Vorgänge in der Natur zurück, kann die plausible Veränderung nicht schwer sein. Wenn dann noch auf das Denken das Handeln folgt, kann alles gelingen. Aber reden statt denken das geht nicht.

Der Mai ist nach dem kalten Frühjahr 2017 nicht mehr weit. Die Imker werden sich um die ihnen anvertrauten Tiere kümmern. Sie werden sich nicht mehr an den vielen Diskussionen um die Gefahren für die Bestäuber beteiligen können – bis zum September, wenn das aktive und arbeitsintensive Bienenjahr ausklingt. Ein Imker, der sich informiert, der sich kümmert, muss keine Sorge haben, die Tiere in pestizidfreier Region heil durch den Winter zu bringen. Die Varroa ist in der Zwischenzeit ein beherrschbarer Feind geworden. Man darf dem Imker aber für die Zukunft nicht zumuten, eine kleine Nische zu suchen, um seine Bienen gefahrlos aufstellen zu können. Die Regionen außerhalb der Städte brauchen die Bestäuber jeder Art viel wichtiger als in der Stadt. Der immer wiederkehrende Verweis auf die wirtschaftliche Wichtigkeit ist dabei entbehrlich.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
28.04.2017