Blüten mit Bienen und anderen Insekten 2017

Betreff: Glyphosat und Krebs ++ Bienengifte: Klage gegen Bundesamt ++ Verstrahlter Fisch?

Glyphosat und Krebs: Systematischer Regelbruch durch die Behörden

… die Skandale um die gesundheitliche Bewertung von Glyphosat sind uferlos: Immer wieder kommen Informationen über geheim gehaltene Studien von Monsanto und Co., das gezielte Weglassen von relevanten Daten und die Beeinflussung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ans Licht.

Heute erscheint in Wien eine neue Analyse, in der der Toxikologe Dr. Peter Clausing nachweist, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) systematisch Hinweise auf eine krebserzeugende Wirkung von Glyphosat aussortieren. Bei der Auswertung von sieben Studien verstießen die Behörden zudem eindeutig gegen ihre eigenen Richtlinien. …

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Reiner

Die Veränderung des Horizonts

2017.07.08_Leserbrief_in_der_Walsroder_Zeitung

2017.07.11_Leserbrief_WZ_Backhaus

Bereits im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt hat man zunächst vermutet, dann berechnet, dass die Erde doch wohl keine Scheibe ist sondern eine Kugel. Das bedeutete: Der Horizont wurde erweitert. Man hat es über einen langen Zeitraum ausprobiert. Selbst die Christen, zum Teil schlaue Wissenschaftler und Gelehrte, wollten es dennoch lange nicht glauben. Dann hat man sich aber doch einen Ruck gegeben und eingestanden, dass es viel mehr zu entdecken gibt, viel mehr zu erfahren gibt als das, was man vom Kirchturm aus sehen konnte.

Nun möchte ich einen großen Zeitabschnitt, der sich mit der Entwicklung des Lesens, Verstehens und Wissens beschäftigte, überspringen. Die Elektronik, die Mobiltelefone, das Internet gibt uns ziemlich schlagartig die Möglichkeit, wenn man es nicht schon geschafft hat, den Horizont zu erweitern. Doch es wird immer noch vielfach versäumt, weil diese Technik auch viel Unfug zur Verfügung stellt.

Wir Imker aber nun wollen neugierig bleiben, weil wir sonst erfolglos sind mit der Pflege um den Fortbestand der Honigbiene und ihrer wilden artverwandten. Darum informieren wir uns verstärkt über die Gefahren, die es für die Insekten zu beseitigen gilt.

Doch wir wollen nicht nur Informationen aufnehmen, sondern sie auch weitergeben. Wir wollen all die darauf aufmerksam machen, die unsere Bienen vertreiben, vergiften oder orientierungslos machen, was nicht besser ist. Wir wollen versuchen, den Horizont zu verändern. Und wir wollen versuchen, den Schriftverkehr zwischen einem Landwirt Backhaus und einem besorgten Bürger Berwardt im Bereich der beschaulichen Örtchen Walsrode und Gilten im niedersächsischen Heideland zum Anlass zu nehmen, hier einige Hinweise zu geben.

Hat man den Leserbrief des Landwirts Backhaus mehrfach gelesen, ist man geneigt, ihn eigentlich nur zur Kenntnis zu nehmen. Herr Backhaus hat danach überhaupt nicht verstanden, was seine Vorfahren angerichtet haben. Er hat aber auch nicht seinen Horizont erweitert, wenn er nur Probleme und Kostenentwicklungen sieht bei der Wiederentdeckung ökologischer Vorteile. Doch was macht denn nun ein neugieriger Mensch wie ich? Der schaut sich das Satellitenbild von Google an. Das Copyright empfiehlt hier die Eigensuche. Doch man muss lange suchen, bis man die 3,2 km Hecke des Landwirts Backhaus in Gilten auszumachen glaubt. Man entdeckt eher Fläche neben Fläche, farbig leicht unterschiedlich aber ohne Baum und Strauch. So ist das heute in der intensiven Landwirtschaft üblich.

Es führt nun zu weit, hier ausführlich zu erklären, wozu Hecken, Strauchwerk und schließlich Bäume erforderlich und gut sind. Herr Backhaus muss einfach besser informiert werden, wenn er es nicht von sich aus macht. Und Hecken pflegen kann ganz einfach sein. Man muss nicht Weißdorn oder Schwarzdorn pflanzen, wenn man weiß, dass sie schwer zu bändigen sind.

Und auf den kleinen Artikel in der Walsroder Zeitung vom 08.07.2017 gibt es daher einen lesenswerten Brief von einem besorgten Herrn Berwardt aus Walsrode. Es wäre gut, wenn Herr Backhaus sich diese wirklich fundierten Ausführungen langsam und gut durchliest. Da verändert sich der Horizont, wenn man denn will.
Doch nun sollen sich unsere Leser ihre eigene Meinung bilden und möglicherweise immer wieder auf die einwirken, die es versäumt haben, die Veränderung des Horizonts wahrzunehmen.

Reinhardt Löwe
13.07.2017

Unter die Flügel greifen

Süddeutsche Zeitung Magazin
Nr. 21, 26.Mai 2017, AUS HEFT 21/2017 NATUR

VON SUSANNA BINGEMER  ILLUSTRATION: ELISABETH BUKANOVA
Forscher warnen seit Jahren vor dem Bienensterben. Aber jeder kann etwas tun, um den Insekten zu helfen. Ein Ratgeber.

Die Bienen sind wieder los. Wie jedes Jahr um diese Zeit begeben sie sich auf Pollensuche. Doch das große Summen könnte bald leiser werden. 

Glaubt man den Mahnungen der Forscher, die mittlerweile jede Bienensaison drängender werden, steht es nicht gut um unsere Bienen. Was wiederum schlecht für uns ist, denn so lästig sie sein können, wenn man sie reizt: Als Blütenbestäuber gehören Bienen zu unseren wichtigsten Nutztieren. Mehr als neunzig Prozent aller Blütenpflanzen sind auf den Pollentransfer durch Insekten wie Bienen angewiesen, um Früchte zu tragen. Die Rede ist nicht nur von Honigbienen – die bestäuben in Deutschland höchstens die Hälfte der Nutzpflanzen. Ebenso wichtig sind Hummeln und Wildbienen. 

Den vergangenen Winter haben in Deutschland laut ersten Um- fragen unter Imkern bis zu zwanzig Prozent der Honigbienenvölker nicht überlebt. Als normal gelten jährliche Verluste von zehn Prozent. Der Klimawandel, der milde Winter und zu frühe Blütephasen, aber auch Parasiten setzen den Tieren zu, zudem finden sie in den Monokulturen der Landwirtschaft nicht mehr genug Futter. 

Initiativen wie der World Save Bee Fund oder »Deutschland summt!« engagieren sich für den Schutz der Bienen. In den USA hatte Barack Obama eine Bienen-Taskforce eingesetzt, um das Problem in den Griff zu bekommen – ob auch Donald Trump den Bienen gewogen ist, ist noch unklar. Jedenfalls: Allmählich regt sich etwas. Es ist auch kein Zufall, dass in den vergangenen Jahren das Hobbyimkern zur Mode geworden ist. Allerdings ist es ein Hobby, das viel Zeit und Mühe erfordert. Zum Beispiel bräuchten Bienen in unseren Regionen im Winter meistens zusätzliches Futter, selbst wenn man ihnen vollständig ihren Honig lasse, sagt Eckard Radke, Präsident des Landesverbandes Bayerischer Imker. Außerdem müsse jeder Imker die Varroa-Milbe, den gefährlichsten Feind der Bienen, konsequent bekämpfen. Andernfalls drohten hohe Verluste. Und unter der nachlässigen Arbeit eines einzigen Imkers litten auch die Bienenvölker benachbarter Kollegen. 

Um Bienen zu unterstützen, muss man allerdings nicht unbedingt zum Imker werden. Die größte Hilfe ist simpel: Blumen säen. Im Garten, auf Brachen, auf dem Balkon. Denn hungrige Bienen sind schwache Bienen und damit anfälliger für Krankheiten. Heute können Bienen in den Städten sogar mehr Nahrung finden als auf Äckern – aber es reicht längst nicht. Damit sie das ganze Jahr über genug Nahrung haben, brauchen die Tiere viele verschiedene Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen, nicht nur im Frühling. Als Faustregel für die Bepflanzung rät der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND: Je vielfältiger, desto besser. Am meisten fliegen Bienen auf nektar- und pollenreiche Blüten wie die von Wiesenklee oder Obstbäumen. Und sie bevorzugen heimische Gewächse – vor allem Wildbienen können mit exotischen Blüten nichts anfangen. 

Außerdem meint der BUND, man solle beim Kauf von Blumen, Stauden und Sträuchern darauf achten, dass sie nicht mit Insektiziden behandelt wurden. Seit Jahren streiten sich Chemiekonzerne und Umweltschützer darüber, wie schädlich denn nun die sogenannten Neonicotinoide für Bienen sind. Zurzeit sind viele dieser Mittel für den privaten Gebrauch verboten, jetzt wird auf EU-Ebene auch ein Verbot für die Landwirtschaft erwogen. Für Tomas Brückmann, beim BUND für Pestizide und Biodiversität zuständig, ist generell klar: »Pestizide haben einen erheblichen Anteil am Sterben der Bienenvölker.« Auch auf dem Balkon oder im Garten hätten Pestizide deshalb nichts verloren. 

Bienen freuen sich zudem über etwas Wildnis in Blumenkästen und Beeten. Die Ordnungsliebe vieler Hobbygärtner mit gestutztem Rasen, pflegeleichten (aber nahezu blütenfreien) Nadelbäumen und unkrautfreien Beeten verwehrt den Insekten ihre Nahrungsquellen. Also einfach mal wachsen lassen. Und Bienenhotels aufstellen – das sind Nisthilfen, die aus Holzblöcken mit Bohrlöchern bestehen, in die Wildbienen und andere Insekten geschützt ihre Nester bauen können. Damit sie nicht zu feucht werden, sollten diese Bienenhotels an Plätzen stehen, auf die einige Stunden am Tag die Sonne scheint. Und woran viele nicht denken: Auch Bienen haben Durst. Im Sommer stellt man in die Nähe blühender Pflanzen am besten ein flaches Schälchen mit Wasser und legt Kiesel hinein, die etwas herausragen – wie bei einer Vogeltränke, nur in Insekten klein. 

Auf Balkon und Fensterbrett

Legen Sie sich Kräuter zu. Bienen lieben Rosmarin, Bohnenkraut, Thymian, Minze, Basilikum, Salbei, Schnittlauch oder Zitronenmelisse. Sie können Sie diese Kräuter auch sehr gut zum Kochen verwenden, aber lassen Sie für die Bienen immer genug blühen und schneiden Sie die Blüten nicht ab. Ebenfalls gut geeignet für Blumenkästen: Buschzinnie, Studentenblume, Vanilleblume, Männertreu, Steinkraut, Lavendel, Wicken und Winden. Halbschatten vertragen zum Beispiel Katzenminze, Knäuelglockenblume, Berglauch oder Kuhschelle. Auch Kletterpflanzen wie die Waldrebe, Kapuzinerkresse oder Efeu sind prima für Balkone und Bienen. 

Im Vorstadtgarten 

Krokus, Winterling, Blaustern und Märzenbecher sind im Frühjahr die ersten Nahrungsquellen für Insekten. Im Sommer sind zum Beispiel Sonnenblume, Königskerze, Mohn, Kornblume und Margerite eine gute Wahl. Ins bienenfreundliche Staudenbeet passen Fetthenne, Kugeldistel, Löwenmäulchen, Phlox, Flockenblumen, Malven und Vergissmeinnicht. Auch Rosen eignen sich gut – aber es müssen ungefüllte Sorten sein: In gefüllten Blumensorten von Rosen, Pfingstrosen oder Astern finden die Bienen vor lauter Blätterwänden keinen Weg in die Blüte. Eine Enttäuschung für Bienen sind auch Geranien. Sie versprechen durch Farbe und Duft köstlichen Nektar, haben aber gar keinen zu bieten. Pflanzen Sie lieber noch ein paar Brombeer- oder Johannisbeersträucher. Davon können Sie später auch Beeren ernten. Die Blüten vieler Gemüsepflanzen wie Zucchini oder Kürbis bieten ebenfalls viel Nektar und Pollen. 

Im großen Garten

Säen Sie eine Bienenweide! Das ist eine bunte Blumenwiese aus einer Mischung regionaler Kultur- und Wildarten. Saatgut gibt es im Fachhandel. Bekannt ist die »Tübinger Mischung« mit vor allem einjährigen Kulturarten wie Phacelia, Buchweizen, Ackersenf, Ringelblume und Koriander. Sie eignet sich für fast alle Standorte und Lagen außer für trockene Sandböden. Noch mehr Vielfalt bieten die mehrjährigen Blühmischungen »Blühende Landschaft mehrjährig« oder »Veitshöchheimer Bienenweide«. Diese Weiden sollten Sie vom Rasenmäher weitgehend verschonen. Oder Sie lassen beim Mähen einige Blumeninseln stehen. Der Imker Eckard Radke hält Obstbäume wie Apfel, Birne, Quitte oder Sauerkirsche für die noch bessere Wahl: »Sie sind sehr bienenfreundlich, aber viel nachhaltiger als einjährige Blumenmischungen.« Einmal gepflanzt, haben Mensch und Tier jahrzehntelang etwas von ihnen. Genauso ist es mit Kastanie, Linde, Haselnuss oder Ahorn. 

Bienen: Warum sterben sie?

ZEITmagazin – Zeit Online

Milben, Gifte, Überzüchtung: Es ist umstritten, warum Bienen weltweit eingehen. Zwei nicht perfekte Studien zeigen wie schädlich Neonicotinoid-Pestizide sind.

Von Anja Garms
29. Juni 2017, 20:02 UhrQuelle: ZEIT ONLINE, dpa, dal

Voll bepackt mit Blütenstaub fliegt eine Biene eine Sonnenblume an. Weltweit sind Bienenvölker bedroht. © Patrick Pleul/dpa

INHALT
1. Warum sterben sie?
2. Methodische Schwächen im Feldversuch

Vergiften Pflanzenschutzmittel unsere Honigbienen? Steckt die zerstörerische Varroamilbe dahinter? Oder hat der Mensch durch Züchtung und Massenbienenhaltung aus wilden Urvölkern zu anfällige Zuchtrassen gemacht? Wahrscheinlich stimmt alles ein bisschen. Nur, wie es genau in verschiedenen Teilen der Erde zusammenwirkt: Das wissen Forscher bis heute nicht genau. 

WAS HONIGBIENEN MACHEN

WIE HONIG ENTSTEHT

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) produziert nicht nur Honig und Wachs, sondern trägt mit der Bestäubung von Blüten entscheidend zur Nahrungsversorgung bei.

Vier Fünftel der bei uns heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind nach Angaben von Bienenforschern auf die Arbeit der Bienen angewiesen, Obstbäume ebenso wie Erdbeeren und Sonnenblumen. Der Ertrag von Raps geht zu 35 Prozent auf das Konto der Bienen.

Von den rund 25.000 Bienenarten sind nur neun Spezies Honigbienen, davon stammen acht aus Asien und eine aus Afrika. Echte Wildbienen gibt es in Europa nicht mehr.
Was die Giftigkeit von Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide angeht, ist die Sache für Bienenforscher Randolf Menzel ziemlich klar: Sie schaden Bienen und Hummeln, sagt der Neurobiologe von der FU Berlin, der fast sein ganzes Wissenschaftlerleben der Bienenforschung gewidmet hat. Menzel selbst zeigte unter anderem, dass die Substanzen das Gedächtnis der Insekten beeinträchtigen (ZEIT ONLINE berichtete). Auch viele Umweltschützer und Imker fürchten, dass diese Insektizide das Überleben der Bienenvölker gefährden. Zwei im Magazin Scienceveröffentlichte Studien scheinen ihnen nun recht zu geben. Auch wenn beide Studien methodische Mängel haben.

Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide werden häufig verwendet, um Saatgut zu beizen – ein altes chemisches Verfahren, um etwa Rapskörner, Mais oder andere Nutzpflanzensamen vor Pilzbefall oder Schädlingen, wie Insekten oder Vögeln, zu schützen. Das Problem: Die darin enthaltenen Wirkstoffe – die bekanntesten sind Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam – verteilen sich beim Wachsen der Pflanze in Stängel, Trieben und Blättern. Sogar in den Pollen sind sie noch nachweisbar. Bienen, die Nektar und Pollen von diesen Pflanzen sammeln, nehmen das Gift auf. Zuletzt zeigte eine Studie, dass Bienen genau diese neonicotinoidhaltigen Pollen fatalerweise sogar besonders attraktiv finden (Nature: Kessler, Tiedeken et al., 2015).

Hummeln und Bienen schadete das Gift
Schweizer Forscher fanden außerdem heraus (Proceedings B: Straub et al., 2016), dass bestimmte Pestizide dieser Art die Fruchtbarkeit männlicher Honigbienen verringern und deren Lebensspanne senken. 2013 beschloss die Europäische Kommission daher ein Moratorium, das die Anwendung der drei als besonders gefährlich erachteten Wirkstoffe in der EU stark einschränkt. Kritiker des Moratoriums bemängeln allerdings, die zugrunde liegenden Studien seien nicht unter realistischen Bedingungen erfolgt, Belastungen der Insekten in den Experimenten seien viel höher gewesen als im Freiland zu erwarten. Sie verweisen auf Arbeiten, die keine oder nur geringfügige negative Effekte zeigten.

Ein Team um Ben Woodcock vom britischen Natural Environment Research Council hat nun Freilandversuche in Deutschland, Ungarn und Großbritannien gestartet (Science: Woodcock et al., 2017). Finanziert wurden sie von Bayer CropScience und Syngenta, den Herstellern der getesteten Neonicotinoide Clothianidin und Thiamethoxam. Die Forscher setzten in den drei Ländern Honigbienen, Erdhummeln und Rote Mauerbienen neben Rapsfeldern aus. An allen Standorten wuchsen auf einem Teil der Felder Pflanzen, deren Samen mit Neonicotinoiden behandelt worden waren. Ein Ergebnis: In Großbritannien und Ungarn sank die Überwinterungsfähigkeit der Honigbienen neben den so behandelten Feldern. In Deutschland fanden die Forscher diesen Effekt nicht. Warum, können sie nicht genau erklären. In allen drei Ländern schmälerten Neonicotinoid-Rückstände in den Nestern zudem den Fortpflanzungserfolg der Hummel- und der Wildbienen-Art.
Methodische Schwächen im Feldversuch

Unabhängige Kollegen, die vom Science Media Center (siehe Kasten) zur neusten Forschung befragt wurden, bewerten die Studie in Teilen als problematisch. Es gebe methodische Schwächen, die gemessenen Parameter seien sehr grob. So variiere die Menge an Neonicotinoiden, die ausgebracht wurde, kritisiert etwa der Ökotoxikologe Carsten Brühl von der Universität Koblenz-Landau. Dennoch zeige die Studie klare Effekte auf Honig- und Wildbienen. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig ergänzt: „Die Studie scheint mir bezüglich des Versuchsaufbaus nicht angemessen gut vorbereitet worden zu sein.“ Eine Ansicht, die auch der Berliner Forscher Menzel teilt. 

Science Media Center (SMC)
DAS DEUTSCHE SCIENCE MEDIA CENTER
Das Science Media Center in Deutschland, kurz SMC, ist ein Service zur Qualitätssicherung im Wissenschaftsjournalismus. Gefördert wird es von Universitäten, Forschungsinstituten, Unternehmen und Medien. Journalisten des SMC stellen allen Redaktionen kostenlos von Fachleuten geprüfte Informationen, wissenschaftliche Einschätzungen zu Studien und Zitate von Forschern zu aktuellen Nachrichten zur Verfügung – zu Themen aus Medizin und Lebenswissenschaft, Umwelt und Klima, Energie und Mobilität.
Gesellschafter SMC sind die Wissenschaftspressekonferenz (WPK) und die Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg. Gegründet wurde das SMC im Jahr 2015 nach britischem Vorbild.
In der zweiten Studie maßen kanadische Forscher um Nadia Tsvetkov (Science: Tsvetkov et al., 2017) von der York University in Toronto die Pestizidbelastung in Kolonien von Honigbienen, die neben Feldern oder fernab davon lebten. In diesen fanden sie häufiger Rückstände der Neonicotinoide und anderer Chemikalien, sowohl im Körper der Insekten als auch in Pollen und im Honig. Dies deute darauf hin, dass sich die wasserlöslichen Substanzen von den Feldern in die Umgebung ausbreiten. Die Experimente offenbarten auch, dass das Hygieneverhalten der Bienen beeinträchtigt wurde und dass Fungizide – also chemische Mittel gegen Pilzbefall – die Giftwirkung der Neonicotinoide verstärken. 

Ohne Bienen wären wir aufgeschmissen
„Beide Studien liefern keinerlei Anhaltspunkte für eine Entwarnung, ganz im Gegenteil“, sagt Menzel. Die Studien zeigten erneut die negativen Auswirkungen auf blütenbesuchende Insekten, was in politische Entscheidungen zum vollständigen Neonicotinoidverbot in der EU einbezogen werden sollte, sagt auch Brühl. Ob die Daten zu einem dauerhaften Verbot der Substanzen führen, ist indes offen.

Das in Wellen auftretende Sterben ganzer Bienenvölker seit der Jahrtausendwende – vor allem in den USA und Europa – ist ein massives Problem für die Landwirtschaft. 35 Prozent der weltweiten Anbaupflanzen werden von Bienen, Fledermäusen und Vögeln bestäubt. Die summenden Insekten sind dabei die wichtigsten Bestäuber. Japanische Forscher entwickeln sogar schon Minidrohnen (ZEIT ONLINE berichtete), die diese Aufgabe übernehmen sollen, falls das Bienensterben weiter voranschreitet. In einigen Teilen der Erde müssen Menschen diesen Job schon übernehmen: Dort werden Nutzpflanzen von Hand bestäubt.

Umweltausschuss pro Bienenschutz

DNR
DEUTSCHER NATURSCHUTZRING
Dachverband der Deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen

Naturschutz & Biodiversität

Heute hat der Umweltausschuss des EU-Parlaments eine Resolution abgelehnt, die gegen ein Teilverbot von bestimmten Insektengiften Einspruch erhoben hat.

Mit großer Mehrheit votierten die Abgeordneten gegen die entsprechende Resolution, die sich gegen ein Verbot dreier Neonikotinoide richtet. „1:0 für die Bienen“, kommentierte der agrar- und umweltpolitische Sprecher der Fraktion der Grünen/EFA, Martin Häusling, das Ergebni s. Neonikotinoide stören die Weiterleitung von Nervenreizen bei Insekten – sie sind hochwirksam, gefährden aber auch Bienen. Umweltverbände wie Mellifera, die Aurelia-Stiftung, der NABU und das Pestizid-Aktionsnetzwerk PAN setzen sich für ein Verbot ein.

Häusling geht das Verbot von nur drei der bienengefährlichen Mittel nicht weit genug. Es werde dem Anspruch eines Totalverbotes nicht im Ansatz gerecht. Häusling forderte: „Es muss darum gehen, die gesamte Wirkstoffgruppe hochgefährlicher systemischer Nervengifte, die für den massiven Verlust von Bienen und Biodiversität verantwortlich ist, aus der Anwendung zu verbannen. Und das sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus.“ [jg]

22.06.2017
Quelle:

Umweltausschuss ENVI
Bündnis Bienenschutz
Martin Häusling

Biodiversität – Neustart

Liebe Bienenfreunde,

Frau Ministerin Hendricks ist eine der wenigen Politakteure, die sich trotz vieler Rückschläge vehement für den Naturschutz und damit auch für den Schutz der Bienen engagiert. Sie scheut sich auch nicht, die Auseinandersetzung mit dem BMEL zu führen wie in Sachen Glyphosat vor dem EU-Parlament. Doch was hat all das bis heute gebracht? Was wird es in Zukunft bringen? Werden wir immer neue Kongresse besuchen, an immer neuen Diskussionsrunden teilnehmen und immer wiederkehrende Fragen hoffnungsfroh beantwortet bekommen?

Die Freie Universität Berlin richtet ein neues Institut mit dem Schwerpunkt Biodiversität ein. Es sollen nunmehr auch Sachverständige ausgebildet werden. Und das u.a. Presse-Info endet mit dem Schlusssatz:

Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.

Das wird genau nicht funktionieren. Wird einem Landwirt nicht gesetzlich untersagt, Herbizide und Neonikoide einzusetzen oder sie wenigstens zu reduzieren, wird ihn das gesellschaftliche Bewusstsein nicht daran erinnern, dass er mit dem Einsatz dieser Pestizide zur Vernichtung der Biodiversität beigetragen hat. Er hat die Bestäuber vernichtet. Das macht er seit Jahrzehnten. Dass er damit zu Einkommenseinbußen der Obst- und Gemüsebauern beiträgt, wird er überhaupt nicht realisieren. Solange Pestizide in dieser überschwänglichen Form gesetzlich für die Landwirtschaft zugelassen sind, wird sich in diesem Bereich kein gesellschaftliches Bewusstsein für die biologische Vielfalt entwickeln. Ein Landwirt wird ohne Förderung überhaupt nicht darüber nachdenken, Buschwerk und Gehölze wieder anzupflanzen. Er hat sie doch schließlich mit Billigung der Gemeinden abgeschnitten, um immer größere Flächen immer einfacher maschinell bestellen zu können. Das wird kein Umweltaktivist so schnell auf freiwilliger Basis zurückdrehen können auch nicht Frau Ministerin Hendricks.

Und dennoch ist es gut, die Diskussion immer wieder anzuschieben.

Reinhardt Löwe
06.06.2017


BMUB-Pressedienst Nr. 183/17 – Naturschutz Berlin, 29. Mai 2017

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN)

„BienABest“: Wildbienen im Fokus
Neues Projekt soll Arten und Bestäubungsleistung sichern

Mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten stehen in Deutschland bereits auf der Roten Liste. Das Projekt „BienABest“ soll helfen, dem Bienensterben Einhalt zu gebieten und die Bestäubungsleistung nachhaltig zu sichern. Das sechsjährige Projekt, in fachlicher Begleitung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), wird aus Mitteln des Bundesprogramms Biologische Vielfalt des Bundesumweltministeriums gefördert.

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks: „Unser Umgang mit der Natur hat massive Auswirkungen auf die Wildbienen: Es wird viel zu viel gemäht, gedüngt und gespritzt, ganze Lebensräume verschwinden. Mit dem Blütenangebot nimmt auch die Nahrungsgrundlage für die kleinen Natur-Dienstleister ab. Wir brauchen darum dringend Projekte wie dieses, die den Wildbienen neuen Lebensraum geben. Denn Natur und Menschen sind dringend auf die Bestäuber angewiesen.“ BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: „Heute sind mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten in ihrem Bestand bedroht und werden deshalb in der Roten Liste Deutschlands geführt, mit steigender Tendenz. Hier muss dringend etwas geschehen. Deshalb freue ich mich, dass das neue Projekt beispielsweise mit der Entwicklung von Saatgutmischungen und der Erprobung und Anlage von Nahrungshabitaten – speziell für Wildbienen – versucht, wichtigen Ursachen für den Rückgang der Bienen entgegenzuwirken.“ Wildbienen übernehmen eine Schlüsselrolle in der Bestäubung und erfüllen so eine wichtige Funktion im Ökosystem. Sie sichern die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Damit sind sie auch ein Garant für die Erzeugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und stellen damit eine bedeutende Ökosystemleistung zur Verfügung.
Der Projektname „BienABest“ steht deshalb für „Standardisierte Erfassung von Wildbienen zur Evaluierung des Bestäuberpotenzials in der Agrarlandschaft“. Ein Kernstück von BienABest ist die Entwicklung eines Bestimmungsschlüssels. Dieser ermöglicht die Artbestimmung der Mehrzahl der Wildbienenarten direkt im Gelände. Das Besondere: Die Wildbienen können lebend bestimmt und anschließend wieder freigelassen werden. So sollen in Zukunft Aussagen über die Bestandsentwicklung getroffen werden können, ohne durch Entnahme in die Populationen einzugreifen.

Das Projekt wird auch Sachverständige ausbilden, die entlang der zu entwickelnden Methoden und Standards beraten und prüfen können. Die Ergebnisse dienen dann als wichtige Grundlage für den Schutz der Wildbienen. Die neuen Standards werden in vier VDI-Richtlinien festgeschrieben. Sie sind somit dauerhaft verfügbar und können deutschlandweit übertragen und auch für ein Monitoring genutzt werden.
Koordiniert wird das Projekt von dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI e.V.). Verbundpartner ist die Universität Ulm.

Hintergrund
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt.
Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.


Es gibt sie noch, die kleinen biodiversen Ecken – vor allem aber in den Städten.

Glyphosat-Prozess – Was die Monsanto-Mails verraten

Süddeutsche Zeitung
2. April 2017, 07:31 Uhr


Den Unkrautvernichter Roundup gibt es in vielen Garten-Centern zu kaufen, wie hier in Paris neben anderen Produkten.
(Foto: Charles Platiau/Reuters)

Der US-Prozess gegen den Glyphosat-Hersteller Monsanto wird international mit großem Interesse verfolgt: Im Verfahren werden brisante firmeninterne E-Mails publik.
Möglicherweise zeigen die Dokumente, wie der Konzern die wissenschaftliche Einschätzung des Unkrautvernichtungsmittels beeinflusste.

Monsanto erklärt, die E-Mails seien aus dem Zusammenhang gerissen, um ein falsches Bild zu zeichnen.
Von Silvia Liebrich

Darf der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat in Europa weiterhin eingesetzt werden? Darüber müssen die EU-Länder in den nächsten Monaten entscheiden. Viele Landwirte wollen das Mittel nutzen, kein anderes Pestizid wird weltweit so häufig eingesetzt. Behörden in Europa, den USA, Japan und Kanada halten den Wirkstoff für relativ sicher.

Doch nun wirft ein Zivilprozess in den Vereinigten Staaten neue Fragen über die Sicherheit von Glyphosat und das daraus hergestellte Produkt Roundup auf. Der amerikanische Konzern Monsanto, der das Mittel in den Siebzigerjahren auf den Markt brachte, muss sie beantworten. Es steht der Vorwurf im Raum, die Firma habe mögliche Risiken verschwiegen und heimlich Einfluss auf Behörden, Forscher und Studien genommen. Monsanto weist dies alles zurück. Die Süddeutsche Zeitung erklärt, welche Bedeutung das Verfahren hat, worum es geht und was in den Dokumenten steht, die ein US-Gericht Mitte März veröffentlicht hat:

Wer klagt?
In dem Prozess vor einem kalifornischen Gericht (United States District Court, Northern District of California) sind 15 Verfahren mit 60 Klägern aus mehreren US-Bundesstaaten zusammengefasst. Er hat also exemplarischen Charakter. Geklagt haben Betroffene, die am Non-Hodgkin-Lymphom – einer bösartigen Erkrankung des Lymphsystems – leiden oder Angehörige dadurch verloren haben. Sie machen Glyphosat und Roundup dafür verantwortlich. Sie stützen sich dabei auf das Urteil der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC). Diese schätzt den Stoff im Gegensatz zu Behörden als möglicherweise krebserregend ein.

In den Vereinigten Staaten sind darüber hinaus Hunderte ähnlicher Verfahren anhängig, viele der Kläger kommen aus der Landwirtschaft. Ein Urteil des kalifornischen Gerichts ist nicht so schnell zu erwarten. Ziel sei es, solche Verfahren innerhalb von drei Jahren zu lösen, sagt eine Gerichtssprecherin. Häufig werden solche Verfahren aber mit einem Vergleich vorzeitig beendet, auch das könnte Monsanto viel Geld kosten.

Der Prozess wird weltweit beachtet. „Wir haben in den vergangenen Wochen erlebt, wie sich dieses Thema von einem einfachen Prozess zu einem globalen öffentlichen Gesundheitsthema entwickelt hat“, meint Timothy Litzenburg von der Anwaltskanzlei The Miller Firm, die Kläger vertritt. Selbst Regierungsstellen anderer Länder zeigten Interesse. Das Besondere ist, dass erstmals brisante Firmendokumente in großem Umfang publik werden, gegen den Widerstand des Konzerns. Die Papiere machten für alle Seiten sichtbar, wie Monsanto hinter den Kulissen agiere und wissenschaftliche Literatur manipuliert habe, meint Litzenburg. Monsanto widerspricht: Die veröffentlichten Dokumente und Mails seien aus dem Zusammenhang gerissen, „um ein falsches Bild von Glyphosat zu zeichnen“, heißt es.


„Du kannst nicht sagen, dass Roundup keinen Krebs verursacht. Wir haben keine Krebsstudien mit Roundup gemacht.“ Mail vom 21. September 2009


„Wir könnten die Kosten niedrig halten, wenn wir das Schreiben übernehmen und sie würden nur bearbeiten und mit ihrem Namen zeichnen.“ Mail vom 19. Februar 2015


„Wenn ich es schaffe, das zu killen, sollte ich eine Medaille bekommen.“ Mail vom 28. April 2015

Was das für Bayer bedeutet
Brisant ist das Verfahren auch aus deutscher Sicht. Monsanto steht kurz vor der Übernahme durch die Bayer AG – mit einem Volumen von 66 Milliarden Euro eine der teuersten weltweit. Ein Prozess bedeutet also auch ein finanzielles Risiko für den deutschen Konzern. The Miller Firm ist nur eine der Kanzleien auf der Klägerseite. Sie ist auf Sammelklagen spezialisiert und hat nach eigenen Angaben Hunderte Millionen Dollar für Opfer schädlicher Diätnahrung, Medikamente oder Medizinprodukte erstritten.
Bei Bayer hält man sich bedeckt: „Aussagen zu den finanziellen Risiken aufgrund der Unwägbarkeiten des gerichtlichen Verfahrens wären derzeit rein spekulativ“, heißt es in einer Stellungnahme. Der Komplex sei aber bei den Übernahmegesprächen berücksichtigt worden. „Auf die Übernahme von Monsanto wird der Ausgang des Verfahrens keine Auswirkungen haben“, betont Bayer.

 

2. April 2017, 07:31 Uhr
Glyphosat-Prozess
Wie zuverlässig sind die Studien von Monsanto?

Wie schädlich ist Roundup?
Eine wichtige Rolle spielt die Frage, wie sicher Roundup ist. Das glyphosathaltige Markenprodukt wird von Monsanto hergestellt und verkauft, auch in Deutschland. Im Verfahren wird deutlich, dass Monsanto offenbar viele Studien über mögliche Krebsrisiken von Glyphosat erstellt hat, aber nicht zu Roundup, also dem Mittel, mit dem Anwender tatsächlich in Berührung kommen. Im Prozess gibt eine Monsanto-Mitarbeiterin zu Protokoll: „Wir haben keine Krebsstudien mit Roundup gemacht.“ (Mail vom 21. 9. 2009)

Nach außen erweckte das Unternehmen jedoch einen anderen Eindruck. Einem Kollegen in Australien empfahl die Monsanto-Managerin bei Medienanfragen zu antworten: „Basierend auf unseren Kurz- und Langzeittests kann festgestellt werden, dass Roundup keine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellt, wenn es entsprechend der Anweisung auf der Verpackung angewendet wird.“

Monsanto kritisiert, die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen. Man müsse nur die einzelnen Bestandteile betrachten, um zu wissen, dass Roundup nicht krebserregend sei. Überprüfen lässt sich das von außen schwer, weil die exakte Mischung geheim ist.

Dass für die Zulassung von Pestiziden nur der reine Wirkstoff wissenschaftlich geprüft werden muss, wird immer wieder kritisiert. Denn das Endprodukt, das später auf Äckern, in Privatgärten oder Stadtparks zum Einsatz kommt, kann erheblich schädlicher sein. Glyphosat wirkt erst in Verbindung mit Hilfsmitteln richtig, denn die helfen etwa dabei, dass die Pflanze das Gift aufnehmen kann und abstirbt. Dazu gehört etwa Tallowamin, ein Netzmittel, das in Europa inzwischen verboten und durch andere Zusatzstoffe ersetzt wird.

Wie Monsanto ein Verbot von Glyphosat verhindert
Viele Studien, die das Pestizid zuletzt als unbedenklich einstuften, stammen von Forschern, die mitunter in enger Verbindung zu Monsanto stehen. Von Silvia Liebrich

Eine Behörde unter Verdacht
Klären muss das Gericht außerdem, wie unabhängig das Urteil der US-Umweltbehörde EPA ist. Im vergangenen Jahr hat sie eine Einschätzung vorgelegt, die das Urteil der WHO-Krebsforscher klar widerlegt: nicht krebserregend, nicht erbgutschädigend, heißt es da.

Doch die Dokumente zeigen, dass der für den Bericht zuständige EPA-Direktor im Vorfeld engen Kontakt zu Monsanto-Mitarbeitern hatte. Auch soll er Hilfe zugesagt haben, um eine geplante Studie des US-Gesundheitsministeriums zu verhindern. In einer E-Mail vom 28. April 2015 wird er mit den Worten zitiert: „Wenn ich es schaffe, das zu killen, sollte ich eine Medaille bekommen.“ Die Untersuchung fand nie statt. Kurz danach ging der Direktor in den Ruhestand. Ein Umstand, den man sich bei Monsanto laut einer E-Mail zunutzen machen wollte. Monsanto weist den Vorwurf der Einflussnahme zurück. Dabei war die Beurteilung von Glyphosat innerhalb der US-Behörde in der Vergangenheit durchaus umstritten. In einem Urteil aus den Achtzigerjahren hatte die EPA den Wirkstoff als möglicherweise krebserregend bezeichnet, das Urteil später aber revidiert.
Eine ehemalige EPA-Toxikologin erhebt in einem Brief an den ehemaligen Direktor der Pestizid-Abteilung schwere Vorwürfe. Er habe Schlussberichte zugunsten der Industrie verändert, außerdem habe er Mitglieder des Analyse-Teams eingeschüchtert. „Mach einmal das richtige, und treffe deine Entscheidungen nicht danach, wie sie deinen Bonus beeinflussen“, heißt es in dem Brief, der auf den März 2013 datiert ist. Des Weiteren listet die Schreiberin 14 Punkte auf, die aus ihrer Sicht verdeutlichen, dass Glyphosat Tumore verursachen kann. Die Behörde äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Die Toxikologin, die den emotionalen Brief verfasst haben soll, kann nicht mehr aussagen. Sie ist inzwischen an Krebs gestorben.

Ghostwriting von Studien
Andere veröffentlichte E-Mails legen den Verdacht nahe, dass Monsanto-Mitarbeiter als Ghostwriter an Studien mitgeschrieben haben, die später im Namen unabhängiger Forscher veröffentlicht wurden. „Wir könnten die Kosten niedrig halten, wenn wir das Schreiben übernehmen, und sie (gemeint sind die Wissenschaftler) würden nur bearbeiten und mit ihrem Namen zeichnen, sozusagen“, heißt es in einer Mail vom 19. Februar 2015. Der Monsanto-Mitarbeiter erinnerte zugleich daran, dass dies bei einer Studie aus dem Jahr 2000 schon einmal so gehandhabt worden sei. Monsanto weist den Vorwurf des Ghostwriting zurück. Monsanto-Mitarbeiter, die zu den Studien beigetragen hätten, seien im Anhang öffentlich einsehbar genannt worden.

EU-Behörde wartet ab
Es gibt strenge Vorgaben für die Zulassung von Pestiziden in der EU. Wissenschaftliche Studien, die von der Industrie selbst oder unabhängigen Forschern kommen, sind dafür entscheidend. Die Behörden in Europa halten Glyphosat derzeit für relativ unbedenklich, auch deutsche Behörden waren wesentlich an dieser Einschätzung beteiligt. Damit könnte der Unkrautvernichter, dessen Genehmigung Ende des Jahres ausläuft, erneut zugelassen werden.

Doch Zweifel bei den Kritikern dürften nach den Veröffentlichungen in Amerika nicht ausgeräumt sein. Laut Lebensmittelaufsicht Efsa sind die zwei Studien, die in Verbindung mit Ghostwriting gebracht werden, auch in deren letzte Risikobewertung eingeflossen. Das sei aber kein Grund für eine Neubewertung, so ein Efsa-Sprecher. Eine unerlaubte Einflussnahme auf den Bericht durch die Industrie sei nicht erkennbar. Die Bundesregierung hat sich nach Angaben des zuständigen Agrarministeriums bisher nicht mit dem Verfahren in den USA befasst.

Weitere interessante Infos unter: https://actions.sumofus.org/a/bienenkiller-verbieten?source=homepage und in der Zeitschrift GEO

Bienenverluste 2016/2017 in der Statistik

Wenn die Imkerinnen und Imker, die dieser Internetseite verfallen sind, alles lesen würden, was unserem kleinen Internetbetrieb so zugespielt wird; und wenn sie das dann noch alles glauben würden, dann müssen vor allem den Erfahrenen von uns doch große Zweifel kommen an den Erfolgsaussichten ihrer Arbeit.

Und dennoch wollen wir einige Artikel nicht vorenthalten. Sie erheben den Anspruch seriöser Erhebungen und gehen damit doch in eine völlig andere Richtung im Vergleich zu den Beobachtungen die wir in unserer Zehlendorfer Gruppe so gemacht haben. Wenn wir uns austauschen bei unseren regelmäßigen Treffen, dann können wir in Berlin keine sehr unnormalen Winterverluste an unseren Honigbienen feststellen.

Amerikanische Imker gehen zudem völlig andere Wege; und das Verantwortungsbewusstsein im Hinblick auf eine zeitgemäße Tierhaltung ist mit unseren Vorstellungen nicht in Einklang zu bringen.

Hat ein Jungimker nur zwei Bienenvölker und bringt davon nur eins durch den Winter, dann hat er einen Verlust von 50% .- so geht Statistik auch. Nur muss man auch hinterfragen, woran das gelegen haben könnte. Das sollten wir einmal für uns erarbeiten und dann der Allgemeinheit mitteilen. Die Varroa ist ein Bösewicht, das wissen wir. Sie ist aber beherrschbar. Dass die Wespen den Bienen vor allem im Herbst ohne Rücksicht auf Verluste zusetzen, sollten wir einmal genauer ansehen. Es kann auch sein, dass eine Königin ausgerechnet im Winter altersschwach wird. Da hat das Volk fürs Überleben ganz schlechte Karten. Und es gibt weit mehr Gründe, die in die Betrachtung einbezogen werden müssen.

In jedem Fall aber müssen wir kritisch bleiben bei allen Statistiken und „wissenschaftlichen“ Erhebungen. Der Honigbiene und den anderen Bestäubern geht es schlecht in den meisten landwirtschaftlich genutzten Regionen. Die chemischen Keulen egal in welcher Ausprägung treffen sie hart, leider immer noch gesetzlich zugelassen.
Vor Kurzem meldeten die Brandenburger Imker Verluste von 40 und mehr Prozent. Monokulturen (damit auch die Pestizide) und Mäuseplagen waren die bevorzugten Gründe. Die unten aufgeführte Statistik spricht von 16,9% Verlust. Das ist dann ein Ende der Wissenschaftlichkeit und der Glaubwürdigkeit. Die Bewertungsparameter sind doch sehr verschieden.

Die Artikel aus dem Berliner Wochenblatt und der Zeitschrift „Garten&Grund“, dass man die Bienenvölker durch den Staudengarten oder eine zeitgemäße Blumenkastenbepflanzung rettet, ist nicht schädlich aber auch nicht der Veröffentlichung wert. Wir werden die Biodiversität auch nicht retten, indem für viel Geld die verkehrsdichtesten Regionen dieser Stadt bienengerecht bepflanzt werden. Das sieht gut aus. Nur die Schaar der Imker, die sich mit ihren Bienen aus sehr unterschiedlichen Gründen auf den exponierten Dächern dieser Stadt aufhält, ist sehr überschaubar trotz der attraktiven Werbung.

Unerwähnt aber darf nicht bleiben, dass es in der Zwischenzeit eine große Anzahl verantwortungsbewusster Wissenschaftler gibt, die sich international austauschen zum großen Verdruss der chemisch industriellen und einiger politischer Lager. Dieser Austausch findet leider mehrheitlich in englischer oder französischer Sprache statt. Das wird einer der Gründe sein, warum diese Erkenntnisse vor allem von der Politik nur sehr selten beachtet oder bewertet werden.

Auch für uns Hobbyimker – immerhin in Deutschland organisiert ca. 115.000 – ist das eine schwere Kost. Wir sind eben doch in der Mehrzahl nicht wissenschaftlich orientiert. Und dennoch kämpfen wir für das Wohlergehen der anvertrauten Tiere. Es geht dabei nicht primär um die Honigernte. Das Ziel ist, mit viel Wissen und Ehrgeiz die Winterverluste der anvertrauten Bienenvölker klein zu halten.

Wer darüber hinaus Interesse hat, den Stand der Wissenschaft im Hinblick auf die Bienenforschung im weitesten Sinne im Originaltext zu erfahren, der soll sich bei uns melden. Dann wird auf dieser Seite auch eine internationale Sparte eröffnet. Dann werden wir das weiterreichen, was man uns zuträgt. Aus unserer Sicht gibt es bis heute trotz aller Institutsbildungen keine verlässliche Einrichtung, die diese Erkenntnisse bündelt und neutral bewertet. Das machen wir auch nicht, weil wir es nicht können. Nur werden wir immer bestrebt sein, möglichst viele Informationen um die Honigbiene und die anderen Bestäuber dem interessierten Imker zu präsentieren.

Reinhardt Löwe
31.05.2017

US-Bienen schon im Aufwind?

26. Mai 2017
  
Vergleichsweise geringe Winterverluste 2016/2017 von 21,1%.

S-Bienenverluste seit 2007
Autor: Bee Informed Partnership

Das vorläufige Ergebnis aus der Umfrage unter den US-Imkern liegt vor. Die Winterverluste der Bienen liegen mit 21,1% deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel von 28,4%. Dieses Ergebnis liegt außerdem um 5,8% günstiger als direkt im Vorwinter 2015/2016. Ist das schon eine Kehrtwende für die USA-Bienen auf dem Weg zurück zur Normalität? Interessant der Vergleich mit Deutschland. Die Verlustzahl für den Winter von 2016 auf 2017 lag hier mit 20,2% nur geringfügig günstiger.

Knapp 5.000 US-Imker machten genaue Angaben zur Überwinterung ihrer Bienen. Sie halten zusammengerechnet rund 364.000 Bienenvölker, das ist ein Anteil von 13% an den insgesamt 2,78 Millionen US-Völkern. Bienenverluste treten aber auch im Sommer auf, deshalb wurde auch die Verlustrate von April bis September 2016 nachgefragt. Alle Umfrageresultate miteinander verknüpft, sind im Zeitraum von April 2016 bis März 2017 USA-weit Bienenverluste von 33,2% eingetreten.

Die Umfrage wurde von 21 Wissenschaftlern und staatlichen Fachberatern unter der Leitung von Dennis vanEngelsdorp durchgeführt. Die heutige Auswertung ist vorläufig und wird zu einem späteren Zeitpunkt noch von einer abschließenden Publikation ergänzt.

Quelle: https://beeinformed.org/2017/05/25/2016-2017-loss-results-thank-you-to-all-survey-participants/

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Berliner Bienenvölker 2017

Ungewöhnlich hohe Verluste für Berliner Imker über den Winter


Bienen auf einer Bienenwabe in Alt Zeschdorf im Landkreis Märkisch-OderlandFoto: picture alliance / Patrick Pleul

B.Z., 30. April 2017 09:08 Aktualisiert 15:21

Etwa ein Fünftel der Berliner Bienenvölker ist nicht über den Winter gekommen. Das sind mehr als üblich.
Die Mitglieder des Imkerverbands hätten damit höhere Verluste als üblich hinnehmen müssen, sagte der Verbandsvorsitzende Benedikt Polaczek der Deutschen Presse-Agentur. In der Vergangenheit hätten die Werte deutlich niedriger gelegen, bei 10 bis 13 Prozent.

Wahrscheinlich spielten mehrere Ursachen eine Rolle, so Polaczek. Eine Schlüsselrolle komme den Winterbienen zu, die ausreichend Fettreserven bräuchten, um das Volk über den Winter zu bringen. Pestizide seien in der Stadt aber weniger ein Problem als auf dem Land.

Auch Brandenburger Imker mit heftigen Verlusten
Auch Brandenburger Imker hatten kürzlich heftige Verluste beklagt – dort starben laut Angaben 40 Prozent der Bienenvölker. Als Hauptursachen wurden die Varroamilbe, die Ausbreitung von Mäusen und der Klimawandel genannt.
Neben dem Imkerverband mit rund 1200 Mitgliedern, vor allem Hobby-Imkern, gibt es in Berlin zahlreiche nicht organisierte Halter. Der ganz große Stadtimker-Boom ist aus Sicht Polaczeks aber vorbei. „Die Leute haben begriffen, dass Imkerei Arbeit ist und auch Geld kostet.” Rund 1000 Euro müssten Interessierte für den Start der ersten eigenen Bienenvölker aufbringen. „Es ist auch eine Verpflichtung, dann für die Bienen zu sorgen”, sagte Polaczek.

Er misst das Interesse an der Nachfrage nach kostenlosen Einführungskursen in die Imkerei, die er an der Freien Universität gibt. Der Höhepunkt sei vor etwa drei Jahren mit bis zu 165 Teilnehmern an manchen Kurstagen gewesen. Seitdem sei die Interessentenzahl wieder rückläufig.

Stadtbienen schwärmen erst Anfang Mai aus
Mit dem ersten Schwärmen der Stadtbienen rechnet Polaczek in diesem Jahr erst in diesen Tagen, Anfang Mai. Das sei etwas später als zuletzt. „In früheren Jahren war es im April schon viel wärmer”, so der promovierte Agraringenieur und Imkermeister. Zu dieser Jahreszeit vergrößert sich das Bienenvolk. Es versucht mit dem Schwarmtrieb, sich zu teilen und so seine Staaten zu vermehren. Imker versuchen, dies kontrolliert zu lenken.

Eine Biene Ende März auf der Krokuswiese im Humboldthain  (Foto: Christian Barth)

Grundsätzlich sieht Polaczek die Stadtbienen bei guter Gesundheit. Das liege auch daran, dass Städter eher ein Verständnis für bunte Landschaften hätten – Blumenvielfalt an Baumscheiben und auf Balkonen etwa seien genau das, was Insekten brauchen. Die Artenvielfalt kann deshalb in der Stadt höher sein als in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft. Mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und dem Anbau in Monokulturen geben Umweltschützer der Branche eine Mitschuld am Rückgang von Insektenarten – auch hier ist die Stadtbiene eher im Vorteil.

Dennoch begrüßt der Berliner Imkerverband, dass die Stadtreinigung BSR kürzlich den Verzicht auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat angekündigt hat. „Es gibt keine Chemie ohne Nebenwirkungen”, so Polaczek. Weitere für Bienen schädliche Stoffe wie Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide kämen allerdings auch in Produkten vor, die Anwender für harmlos halten, betont er. Die Stoffe könnten etwa in Mitteln zur Entflohung von Haustieren enthalten sein.

Kommentar zum Nationalen Bienenaktionsplan (2017) und zum Schlussbericht des Deutschen Bienenmonitoring (2011-2013)

Fünf Seiten für den Nationalen Bienenaktionsplan und fünfundsechzig Seiten Schlussbericht für das Deutsche Bienenmonitoring (abgeschlossen 2013, vorgestellt 2017!) lassen ein wenig Spiel für Kommentare und ergänzende Meinungen.

Zunächst einmal sind Forderungen – an wen auch immer gerichtet – immer schlecht, wenn ein erfolgreicher Dialog angestrebt wird. Fundierte Forschungsergebnisse – öffentlich zugänglich und überprüfbar – sind Grundsteine für eine zwangsläufige Änderung bestehender Praktiken beim Gebrauch von Mitteln und Gerät für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte, wie auch die Erfahrungen der vielen Praktiker (z.B. Imker).

Weiterhin fehlt die Trennung der Dialogebenen für die domestizierte Honigbiene und die wilden Bestäuber. Hier sind die Interessen der Imker und die der Umweltschützer nicht immer kongruent. Sie können aber in Einklang gebracht werden.

Erfahrungen außerhalb der produzierenden Landwirtschaft werden nicht berücksichtigt. Es gibt unterschiedliche Gesetzgebungen. Naturschutz und Baumschutz werden länderspezifisch sehr verschieden gedeutet, angewendet und häufig nur den landwirtschaftlichen Bedürfnissen angepasst.

Dann gibt es die zwei unterschiedlichen Betrachtungsweisen bei der Diskussion über die Pestizide. Diese schaden zum einen den Bestäubern, indem sie sie vernichten oder durch den erzeugten Nahrungsmangel vertreiben bis hin zur Ausrottung. Sie können aber zum anderen dem Verbraucher landwirtschaftlicher Erzeugnisse schaden, wenn die Rückstände dieser ungesunden chemischen Mittel im Lebensmittel nachweisbar sind. Hier muss schon der begründete Verdacht der körperlichen Schädigung ausreichen, diese Mittel nicht mehr einzusetzen.

Letztlich gibt es dann noch die Plausibilität zahlenmäßig ermittelter Ereignisse. Hier allerdings ist zunächst die Honigbiene als brauchbares Medium einzusetzen. Dankenswerterweise hat der Deutsche Imkerbund über viele Jahre viel brauchbares Zahlenmaterial zusammengetragen und veröffentlicht, das aber wohl wenig Beachtung findet. Der Unsicherheitsfaktor nicht registrierter Imker soll hierbei nicht beachtet werden, da er wohl nicht signifikant ist. Greift man die Bienendichte für Berlin mit über 6 Bienenvölkern/km² heraus, wird deutlich, dass Mecklenburg Vorpommern mit 0,64 Bienenvölkern/km² sicherlich unterversorgt ist. Empfehlungen der Literatur gehen von min. 3 Bienenvölkern/km² aus. Hier sind aber keine Forderungen aufzustellen, sondern die Notwendigkeit für eine Änderung aufzuzeigen. Dass sich die Bienendichte für Berlin in den Monaten Juni/Juli/August noch verdoppelt, sollte auch der Politik zu denken geben.

Das Landgericht Berlin hat einmal vorgetragen, dass Behörden sich gerne der Plausibilitätsanalyse bedienen. Sie urteilen nach riechen, schmecken und hören. Dass die Sinneswahrnehmung des Sehens besonders wichtig ist, wurde wie auch der Tastsinn vergessen. Nimmt man also einmal alle Sinne zusammen, dann wird die Wissenschaft fast entbehrlich. So kann man dann den „Gesunden Menschenverstand“ als Entscheidungskriterium bezeichnen und möglichst auch anwenden.

Die Möglichkeit für eine Veränderung der Landschaft liegt in einer Rückführung vernichteter Erfordernisse. Bäume und andere Gehölze sind Massentrachten für die Honigbiene und andere Bestäuber und erforderlich für die Versorgung des Bienenvolkes für die Winterzeit. Fallen diese Trachten aus, wird diese Region für die Biene und damit auch für den Imker uninteressant. Massentrachten aus der zufälligen Felderwirtschaft (z.B. Raps) sollen dabei kein Betrachtungskriterium sein. Für einen Hauptanteil der landwirtschaftlichen Erzeugung ist die Honigbiene unentbehrlich. Mit rd. 50.000 Bienen/Volk ist diese Leistung zunächst entscheidend.

Daneben aber sind die wildlebenden Bestäuber von gleicher Bedeutung. Allerdings ist die Einschätzung durch Art und Anzahl schwer zu fassen. Die anzustrebende Basis wird einhergehen mit auch diesen Spezies. Allerdings werden dann auch die Erfordernisse der floralen Biodiversität deutlich. Damit wäre dann die trachtarme Zeit auch für die Honigbiene gesichert. Weitere Bedingungen (Habitate, Wasser, Brachen, Biotope) sind mehrfach beschrieben und stellen eine Selbstverständlichkeit dar.

Damit wird klar: Kehrt einmal das logische Denken für die Vorgänge in der Natur zurück, kann die plausible Veränderung nicht schwer sein. Wenn dann noch auf das Denken das Handeln folgt, kann alles gelingen. Aber reden statt denken das geht nicht.

Der Mai ist nach dem kalten Frühjahr 2017 nicht mehr weit. Die Imker werden sich um die ihnen anvertrauten Tiere kümmern. Sie werden sich nicht mehr an den vielen Diskussionen um die Gefahren für die Bestäuber beteiligen können – bis zum September, wenn das aktive und arbeitsintensive Bienenjahr ausklingt. Ein Imker, der sich informiert, der sich kümmert, muss keine Sorge haben, die Tiere in pestizidfreier Region heil durch den Winter zu bringen. Die Varroa ist in der Zwischenzeit ein beherrschbarer Feind geworden. Man darf dem Imker aber für die Zukunft nicht zumuten, eine kleine Nische zu suchen, um seine Bienen gefahrlos aufstellen zu können. Die Regionen außerhalb der Städte brauchen die Bestäuber jeder Art viel wichtiger als in der Stadt. Der immer wiederkehrende Verweis auf die wirtschaftliche Wichtigkeit ist dabei entbehrlich.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
28.04.2017

Imkerliches von der internationalen Bienenkonferenz in Berlin 2017

Es war ein reichhaltiges Angebot über zwei Tage im März in Berlin. Für eine von jeweils 3 Foren musste man sich entscheiden. 1. Pathogenes – die Gesundheit der Bienen Beeinflussendes, 2. Biodiversität mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und 3. Pflanzenschutzmittel – Umweltschutz.

Für den immer neugierigen Imker war das eine schwere Kost. Schon die Ent-scheidung für ein Forum fiel nicht leicht. So können denn nur einige Stichpunkte erwähnt bzw. bewertet werden.

Der Bericht muss somit unvollkommen bleiben.

Man kann aber vorwegnehmen, dass die vielen Erfahrungen und Meinungen der Imker für die Zukunftsaussichten für die Honigbiene und die vielen anderen Bestäuber hier weitgehend eine wissenschaftliche Bestätigung gefunden haben. Umso erstaunlicher sind da im Nachhinein die Entscheidungen oder vermehrt die Nichtentscheidungen der Politik, hier nicht heilend einzuwirken. Es bleibt zu hoffen, dass sich das nun zeitnah ändern wird.
Josef Settele vom Helmholz-Zentrum bestätigt die Wichtigkeit der Bestäuber, die für den Ertrag von 75% der Nutzpflanzen und von 90% aller Pflanzen zuständig sind. 50 Nationen sind beteiligt an der Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen nicht nur für das IPBES. Es soll eine Plattform sein für die Wiederherstellung bzw. der Rettung weltweiter Biodiversität.

Mari Moora aus Estland zeigt die Gefahren des Klimawandels auf. Dies allerdings wurde im Hinblick auf die Pflanzen-Biodiversität vorgetragen. Die Bienen haben klimatische Veränderungen über viele millionen Jahre durch ständige Anpassung ertragen. Die derzeitige Klimaerwärmung aber hat gefährlich viel Fahrt aufgenommen und ist damit nicht mit früheren Phänomenen vergleichbar. Ein besonderes Problem ist dabei die geringe Anpassungsfähigkeit eines Pilzes (Mycorrhizal), der in Symbiose das Wachstum von 80% aller Pflanzen ausgehend vom Wurzelstock gewährleistet. Stirbt der Pilz, stirbt auch die Pflanze.

Der Verlust der Biodiversität bei der Entwicklung und Verbreitung von Haustierrassen war der von Roswitha Baumann vorgetragene Forschungsschwerpunkt für die FAO. Dass zukünftig die Honigbienen mit ins Programm aufgenommen werden, war wohl ein Produkt aus der Referentenwahl für diesen Kongress. Das für die Welternährung drittwichtigste Haustier wurde bis dato weitgehend vernachlässigt.

Überraschend war z.T. die wissenschaftliche Definition der Biodiversität. Bis jetzt wurde für den Durchschnittsbürger mit dem besonderen Hang zur Natur unter diesem Begriff die Artenvielfalt von Pflanze und Tier verstanden. Sie war schon heute in weiten Teilen verloren gegangen. Dass aber durch Sammlung von Sperma vieler unterschiedlicher Bienenrassen Kreuzungen gezüchtet werden, die dann zur verstärkten Biodiversität beitragen, das war doch zumindest überraschend. Diese weltweit gesammelten Samenspenden werden auch eingefroren, um hier in Zukunft weiter tätig sein zu können. Das Institut von Walter Sheppard ist federführend in dieser Entwicklung. Es mag im den USA ein Ausweg sein, da seit 1922 die Einfuhr von Bienenrassen aus Ländern außerhalb der USA verboten ist.

Das Projekt Smartbees, das von Kaspar Bienefeld vom LIB in Hohen Neuendorf vorgestellt wurde und mit 6,0 Mio € EU-Fördergeld betrieben wird, zeigt ähnliche Ansätze. Hier allerdings soll durch Züchtungen die Varroatoleranz verbessert werden. Eingestreute Beispiele von Versuchen in Nepal und Syrien haben für den einfachen Imker keinen Zusammenhang erkennen lassen. Da kann man nur gespannt sein, welche Forschungsergebnisse eines Tages auf dem Tisch liegen. Zur Zeit wird hier auch die Virenvielfalt, die von der Varroa ins Bienenvolk getragen wird, verstärkt untersucht.

Interessant waren die Ausführungen von James Cresswell, der in wissenschaftlich fundierten 10-Tagestests die Auswirkungen von Pestiziden auf den Organismus von Bienen dargestellt hat. Insbesondere wurden Toxiditäten von Produkten getestet, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Volker Grimm hat den Zuhörer mit Modelluntersuchungen vertraut gemacht. Diese Modellierungen sollen auf Grund von eingegebenen Einzeldaten Zukunftsperspektiven erkennbar werden lassen. Die Vielzahl der Axiomen aber lassen auch einen sehr unseriösen Gebrauch zu. Es beginnt mit der Eingabe von Daten, die für wichtig gehalten werden. Wer entscheidet das? Hier ist die Brauchbarkeit trotz der Entwicklungsleistung von Juliane Horn und Matthias Becher nach Vorlage der Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Interessenten sollten sich im Internet mit der Arbeit BEEHVE vertiefend beschäftigen.

Verfolgen sollte man die weiteren Ergebnisse der Forschung an der Plant Research in Wageningen, die von Sjef van der Steen dargestellt wurden. Der Einfluss von Pestiziden auf die Honigbiene, die Hummeln und Wildbienen – hier am Beispiel der Osmia – wurde hier in aufwendigen Feldversuchen durchgeführt und dargestellt. 2×60 Bienenvölker für Testreihen zu bewerten, scheint mehr als repräsentativ zu sein. Interessant sind dabei auch die Beobachtungen, dass eine Honigbiene bei der Nektar- und Pollensammlung ungern mehr als 1 km zurücklegt. Die bis jetzt immer angenommenen 4 km sind eher die Ausnahme. Eine Wildbiene z.B. sieht ihren Flugradius bei 150 m als Maximum an. Das sind entscheidende Erkenntnisse bei dem Versuch einer Rekultivierung ländlicher Regionen. Hier sind vor allem Erkenntnisse hinsichtlich der von den Bestäubern bevorzugten einjährigen Blühpflanzen, Stauden und Gehölze zu beachten. Über die fehlenden Habitate bei der Anlage von Blühstreifen wurde nicht gesprochen. Die empfohlene Anlage von Hecken mach diesen Hinweis aber möglicherweise auch überflüssig.

Die von Tom Steeger aus den USA vorgetragenen Methoden für wissenschaftliche Risikobewertung ist wohl ein imponierendes Instrumentarium für politische Entscheidungen in den vereinigten Staaten. Da aber die Datenbasis weitgehend auf den Mitteilungen auskunftswilliger Imker beruht, ist das Ergebnis zumindest sehr kritisch zu hinterfragen. Es kommt hinzu, dass man sich bei der Erarbeitung von Statistiken vieler Subinstitutionen bedient. Auf das Phänomen des auch für die USA gewaltigen Bienensterbens (500.000 Völker in einem Jahr) konnte nicht klärend eingegangen werden.

Insgesamt hat sich gezeigt, dass wissenschaftliche Ergebnisse die Erkenntnisse von praktizierenden Imkern betätigen. Möglicherweise werden diese „Amateur-ergebnisse“ in Zukunft mehr beachtet.

Pflanzenschutzmittel sind ein Dilemma. Sie schützen wirklich nur die Pflanzen, vernichten aber die Fauna und können ein Risiko für den Menschen darstellen. Auf die vernichtende Wirkung der Neonikotinoide wurde in diesen beiden vom Unterzeichner besuchten Foren wenig eingegangen.

Die Varroa ist eine Geißel für die Honigbiene. Sie muss weiter erforscht werden, um die Bekämpfung weiter zu verbessern.

Die Landwirtschaft ist aufgerufen, nach der Intensivierung landwirtschaftlich genutzter Regionen wieder den Futteranreiz herzustellen für alle Bestäuber. Es hat sich gezeigt, dass die Biodiversität auch nach dem herkömmlichen Verständnis für alle Menschen – egal ob Erzeuger oder Verbraucher – von besonderer Wichtigkeit ist. Es bedarf eigentlich keiner Fördermechanismen, wenn man erkennt, dass das Wohlergehen aller Lebewesen von dieser Vielfalt abhängt.

Dieser Bericht mag vorrangig eine persönliche Einschätzung sein. Da wir uns in dem Imkerverein Berlin-Zehlendorf aber seit Jahren mit diesen Themenkreisen kritisch auseinandersetzen, sollte Vieles richtig bewertet worden sein.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
29.03.2017

Biologischer Pflanzenschutz

Am 14.02.2017 strahlte der NDR einen sehr interessanten Film aus. Dieser Beitrag ist eine gute Ergänzung zum Vortrag von Prof. Dr. Stephan Scherer, den er bei uns im Verein im März 2014 gehalten hat (s.a. die Zusammenfassung „Blatthonig/Honigtau“). Der Film vom 14.02.17 zeigte mit vielen imponierenden makroskopischen Aufnahmen, wie es heute möglich ist, eine behutsame Schädlingsbekämpfung durchzuführen. Zur Zeit ist dies wohl eher nur in geschlossenen Atmosphären möglich. Frau Dr. Petra Christiansen-Weniger zeigt mit beeindruckenden Aufnahmen, wie Insekten Insekten vernichten. Ich hatte versucht, hier einen intensiveren Kontakt herzustellen, weil doch die Bienen heute vermehrt unter den chemischen Kampfstoffen leiden. Da aber die Berichte auf der Internetseite für Frau Christiansen-Weniger zu polemisch sind, wurde auf einen weiteren Austausch verzichtet.
Da man aber den Politikern, die schlussendlich über Freigabe, Überprüfung oder Verbot von Pestiziden entscheiden, nur sehr selten wissenschaftliche Begründungen bzw. Analysen beibringen kann, muss man m.E. einen anderen Sprachgebrauch wählen. Nichts ist schlimmer, als Abhandlungen und Berichte zu verfassen, die niemand lesen mag. Unsere Internetseite ist heute nicht nur bei den Imkern in Deutschland sehr gefragt. Neben der gezielt eingesetzten Polemik steckt in unseren kleinen Berichten viel Recherche, geführt von Neugierde für eine Disziplin, die der Imker in der Regel nicht gelernt hat, für die er aber ein großes Interesse zeigt.
Der eingefügte link für den interessierten Imker, Landwirt, Politiker oder Biologen zu diesem 30-minütigen Film aus der NDR Mediathek „Kampf ums Gewächshaus“ eröffnet die Gelegenheit.

Brandenburger Imker oder die Kollegen in den anderen Regionen der intensiven Landwirtschaft wären sicherlich sehr daran interessiert, wenn es diese biologischen Kampfmittel auch für die Flächen unter freiem Himmel gäbe. Wir wollen doch bitte nicht aufhören, unseren zwar geringen Einfluss geltend zu machen, die Ausbringung von Herbiziden und Neonikotinoiden zumindest zu reduzieren. Ein Verbot wird wohl noch lange auf sich warten lassen.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
03.03.2017

Brandenburger Imker verdienen die Tapferkeitsmedaille

Zum wiederholten Male haben sie sich getroffen. Die wohl 100 Neugierigen, ihren Tieren, den Honigbienen, Verantwortlichen haben nicht den weiten Weg gescheut, um wieder und wieder neue Erkenntnisse zu erfahren. Es geht um das Wissen, wie man in heutiger Zeit in Brandenburg noch imkern kann, ohne ständig Verluste akzeptieren zu müssen. Dabei geht es nicht um Bienenkrankheiten, nicht um die Parasiten, die den Tieren das Leben im Bienenstock schwer machen. Das hat man weitgehend gut im Griff. Man tauscht sich heute mehr aus als früher.

Heute aber gibt es andere viel größere Probleme.

Pestizide der unterschiedlichsten Ausprägung, z.T. in variablen Kombinationen, werden in der Landwirtschaft in großen Mengen ausgebracht. Das ist erlaubt, wenn man die Rechtslage prüft. Vor Jahrzehnten schon wurden die Mittel geprüft und trotz ihrer ca. 6.000fachen Wirkung gegenüber DDT (Das ist nun verboten.) als für den Menschen ungefährlich eingestuft.

Nun gut, man hat die Welt der Insekten und der wilden Pflanzen vernichtet. Doch das war ja auch gewollt. Dass man mit den Wilden Bienen und anderen Insekten nun auch die Honigbiene vertrieben hat, damit haben die Hersteller der Präparate nicht gerechnet. Und die Imker, die waren ja immer flexibel. Die haben dann versucht, diese vergifteten Regionen zu meiden. Das aber geht nun wohl nicht mehr so einfach. Die bearbeiteten Felder werden immer größer und zahlreicher.

Zum wiederholten Male erklärt nun Herr Dr. Kratz den Anwesenden die Wirkungsweise der Mittel. Er weist auf die Analysen und Studien vor allem die von Prof. Menzel hin. Es ist bewiesen, dass diese Mittel allen schadet: Der Natur in ihrer Biodiversität, den Insekten vor allem, sekundär den Vögeln, Amphibien, Reptilien und anderen Kleinlebewesen. Wieder werden die Präparate benannt mit ihrer verhängnisvollen Wirkung mit dem jeweils Vielfachen gegenüber DDT, das nun schon so lange verboten ist. Doch gesetzlich ist das bis heute alles ok.
Dr. Peter Clausing hält den nächsten Vortrag mit dem Inhalt, ob Pestizide möglicherweise Krebs erzeugen. Na ja der Verdacht besteht ja schon lange – viele Jahre. Es werden viele bekannte Krebsarten benannt. Der Ausbruch wird auch mit diesen Pestiziden in Verbindung gebracht. Es gibt zum Thema in der Zwischenzeit auch 136 Veröffentlichungen. Herr Dr. Clausing stellt auch abschließend fest, dass diese Chemikalien die Verursacher für Krebserkrankungen sind. Ein Verbot aber kann er nicht einmal in Aussicht stellen, weil die vielen tausend Analysen über Jahrzehnte ausgewertet werden können. Der Einsatz von Herbiziden und Neonikotioiden ist somit weiterhin im Rahmen der vorgegebenen Dosierungsmengen erlaubt.

Für den Landesbauernverband Brandenburg war der Präsident , Herr Henrik Wendorff, zur Diskussionsrunde erschienen. Immerhin stand diesmal ein sehr wichtiger Gesprächspartner zur Verfügung im Haus der Natur in Potsdam am 27.02.2017. Doch er hatte es leicht. Die Brandenburger Landwirte bearbeiten ihre Felder nicht gesetzeswidrig. Und man ist immer gesprächsbereit. Die Geschichte mit den blühenden Ackerrandstreifen hat sich nicht durchgesetzt. Es hat nur Geld gekostet. Förderung stand nur unter so differenziert komplizierten Auflagen zur Verfügung, dass die Weiterverfolgung für einen Landwirt rein wirtschaftlich nicht mehr vertretbar wäre. Ungeachtet dessen versucht jeder Bauer eine angemessene Feldrandhygiene ( Das ist schon ein toller Terminus.) zu betreiben. Doch man ist auch auf dieser Seite immer gesprächsbereit. Nur eine Reduzierung des Pestizideinsatzes kann nicht erwartet werden, solange es kein Verbot gibt.

Herr Dr. Radtke vom LIB in Hohen Neuendorf berichtete dann noch von Möglichkeiten, der Pestizidreduzierung durch eine veränderte Felderwirtschaft, die wohl ökonomisch vor allem aber ökologisch vertretbar ist.
Es folgte eine entspannte Diskussion zwischen den Beteiligten mit den Imkerinnen und Imkern, die für diesen Abend viele Kilometer gefahren sind. Für einen Berliner Imker ist das eine Erfahrung, die kaum nachvollziehbar erscheint. In Berlin gibt es nur noch wenige Pestizide im Einsatz. Selbst das von den Bezirksämtern sonst so geschätzte Glyphosat kommt kaum noch auf die Pflanze. Obstgehölze werden in der Regel nicht mehr mit chemischen Mitteln behandelt. Die ökologischen Trends sind nicht zuletzt durch den BUND und den NABU an die meisten Mitbürger durchgedrungen. 440.000 Straßenbäume, fast immer blühende Gärten, Parks und Kleingartenkolonien bescheren den Bienen in der Stadt eine so reiche Nektarernte, dass sie dem Imker viel davon abgeben können.

Die nunmehr 2.512 Brandenburger Imker, die ertragen das Dilemma der fehlenden politischen Entscheidungen. Sie suchen den Kontakt zum Landwirt. Sie versuchen Spritz- und Bienenflugtermine zu entkoppeln. Gelingt das, ist man schon einigermaßen zufrieden. Massentrachten sind dabei Mangelware. Der Raps bildet eine Ausnahme. Da aber muss man schon wieder Acht geben, dass die Glyphosatbestandteile im Honig den Grenzwert nicht überschreiten. Das kann alles nicht der richtige Weg sein, wenn man bestrebt ist, bekömmliche Lebensmittel zu erzeugen. Das gilt für den Landwirt wie für den Imker.

80% Bestäubungsleistung geht von den Bienen aus. Diesen Schatz sollten wir uns erhalten. Die Brandenburger Imker, von denen es allerdings immer noch zu wenige gibt, können sehr stolz sein, wenn es von 2015 bis 2016 unter diesen Umständen fast 10% mehr Imker und entsprechend mehr Bienenvölker gibt. Herr Lucke als kommissarischer Vorstandsvorsitzender und Diskussionsleiter des Abends hat das in seiner Bescheidenheit nicht verkündet. Der D.I.B. aber hat auf seiner Internetseite die Aktuellen Zahlen für 2016 veröffentlicht.

Dabei kann man auch ablesen, dass es in Berlin eine ähnliche Entwicklung gibt. Das aber führt zu einer in der Zwischenzeit sehr problematischen Bienendichte von über 7 Bienenvölkern / km². Nimmt man die nicht organisierten Imker und die vielen, vielen Wanderimker des Sommers hinzu, kommen wir auf eine Bienendichte, die sicherlich über 10 liegt. Da ist der Imker dann aufgerufen, sich mit noch mehr Sorgfalt und Disziplin seinen Tieren zuzuwenden. Die Durchmischung der Rassen, die Ausbreitung von Bienenkrankheiten und die Mehrung von Parasiten sind immer schwerer zu beherrschende Parameter.

Zum besseren Verständnis wird hier noch einmal die aktualisierte Übersicht mit einem deutlichen Verweis auf die Entwicklung in Brandenburg eingefügt.

Das aber sind im Vergleich zu den Schwierigkeiten in den landwirtschaftlich genutzten Regionen in Deutschland immer noch beherrschbare Probleme. Wir haben in den Großstädten doch immerhin eine Biodiversität, die zwar nicht der angestammten Kultur entspricht, aber doch für die Hoffnung auf eine bessere Natur viel Spielraum lässt. Das gibt es in den Regionen der intensiven Landwirtschaft nicht mehr und wird es auch nicht geben, solange man mit Herbiziden die meisten Pflanzen vernichtet, die für die meisten wilden Insekten die Hauptnahrungsgrundlage darstellen. Insektizide und Neonikotinoide geben der kleinen Tierwelt den Rest. Wird der Verbrauch dieser Pestizide nicht drastisch eingeschränkt, braucht man eine Diskussion über die Wiederherstellung der Artenvielfalt von Pflanze und Tier überhaupt nicht zu beginnen.

Der Brandenburger Imker wird weiter nach Nischen suchen müssen, in denen er seine Bienenstöcke aufstellen kann. Es wird schwer bleiben, die Tiere am Leben zu erhalten und giftfreie Bienenprodukte zu ernten. Wer sein Bemühen dennoch nicht aufgibt, verdient viel Hochachtung.

Blumen wie diese Kornblume soll es nicht mehr geben, sagt der Vertreter des Bauernverbandes. Wer Kornblumen im Feld hat, zeigt den Beweis für eine schlechte Bodenkultur. Das ist schade, nicht weil es die Lieblingsblume meines Großvaters war, sondern weil die Bienen sich gierig darauf stürzen, um Pollen und Nektar zu ernten.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.,
als Gast in der Runde der Brandenburger Imker
01.03.2017

Ein ungleicher Kampf

Imker kämpfen für das Überleben der Honigbiene. Es ist ein kleines, schwaches Völkchen verglichen mit den Konzernen, denen die Gesundheit von Lebewesen nicht am Herzen liegt. Es ist dabei völlig unverständlich, da sie im gleichen Boot sitzen, die gleiche Nahrung zu sich nehmen mit den gleichen Risiken. Doch Macht und Mammon zählen mehr. Aber es sind auch nicht nur die Konzerne, es ist auch die Landwirtschaft, die den Versprechen nach noch mehr Profit auf den Leim gegangen ist. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Landwirtschaft immer weniger Lebensmittel und immer mehr schnöde Biomasse erzeugt. Aber ein Teil der landwirtschaftlichen Betriebe ist angewiesen auf die Honigbiene und die anderen Bestäuber – zu 80% sagt man. Wer von den Obst- und Gemüsebauern kämpft eigentlich auf Seiten der Imker? Wer vertritt den Schutz für die vielen anderen Bestäuber?

Wir alle sehen gespannt aber doch auch ziemlich hilflos zu, was denn wohl herauskommen mag bei einer Klage der Chemie gegen die EU. Wir sind schon zufrieden, wenn Artikel wie der in der Süddeutschen Zeitung an einem Wochenende in die Öffentlichkeit getragen werden. Und wir hoffen auf eine weise Entscheidung von Politikern. Und die können wir nur beeinflussen, wenn wir sie in Unruhe halten. Und unruhig werden sie irgendwann, wenn sie zugeworfen werden mit sachdienlichen, fundierten und neutralen Gutachten und Berichten. Klagelieder anzustimmen und Forderungen aufzustellen, sollte der Vergangenheit angehören. Vielmehr sollten wir konstruktiv werden, der Mehrheit zeigen, wie man die Natur zurückgewinnen kann, wie man mit wenig Pestiziden landwirtschaftlich produzieren kann. Da wäre als ein wichtiger Schritt das „Politikpapier“ des „Forschungs- und Entwicklungs-Verbundvorhabens ZA-NExUS“ zu nennen. Es ist ein guter Entwurf für einen zukunftsfähigen Gesellschaftsvertrag mit der Landwirtschaft. Für Interessierte haben wir ihn hier (BMUB_neue_Landwirtschaft_2017_politikpapier_bf) verlinkt. Dabei stört ein wenig, dass alle angedachten Verbesserungen immer mit Fördermitteln einhergehen müssen. Das aber muss nicht sein. Wer die Natur zerstört hat, soll sie auch wieder in Ordnung bringen. Und es muss auch nichts kosten. Gehölze für Hecken und Bäume müssen nicht aus der Baumschule kommen. Es müssen lediglich wieder die angestammten Randstreifen, Gräben und Wege zur Verfügung gestellt werden. Sämlinge und Stecklinge gibt es kostenlos, wenn man denn will. Die Naturschutzverbände sind da sicherlich gern behilflich.

In jedem Fall aber sollen wir alle unruhig bleiben und neugierig. Wir dürfen nicht aufhören, uns für die Rettung der zum Teil optisch so unbedeutenden Fauna und Flora einzusetzen. Es mag dann irgend wann einmal sein, dass die Politiker sich doch mehr an ihren eigentlichen Auftrag besinnen, als über die zukünftigen Wahlaussichten nachzudenken. Manchmal kann man beides in Einklang bringen.

Vermehrt sollten wir uns an solchen Bildern erfreuen können.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
14.02.2017

Süddeutsche Zeitung

10. Februar 2017, 19:03 Uhr
Landwirtschaft

Auf Kosten der Bienen
BASF, Bayer und Syngenta haben die EU verklagt: Sie wollen ein Verbot von Pestiziden kippen. Wenn sich die Industrie durchsetzt – wie viel Macht bleibt dann der Politik, um die Natur zu schützen?
Von Silvia Liebrich

Albrecht Pausch wirft einen zufriedenen Blick auf seine Bienenstöcke. Ein paar Tiere sind schon unterwegs, obwohl Anfang Februar kaum Blüten zu finden sind. „Auch Bienen müssen ab und zu pinkeln“, sagt Pausch. Er lacht. Hier, zwischen sanften Hügeln, knapp 50 Kilometer nördlich von München, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Zu dem Bioland-Hof den er in der Nähe von Scheyern betreibt, gehört neben den Obstbäumen und einer Destillerie die Imkerei mit 230 Bienenvölkern. Mehrere Dutzend Holzkästen stehen nur ein paar Meter entfernt, direkt am Waldrand. „Fünf Prozent Winterverluste sind normal“, sagt der Imker. Seine Bienen haben die kalten Monate bisher offenbar gut überstanden.

Das war aber nicht immer so. Vor ein paar Jahren stellte er fest, dass ein Teil der Bienen nicht in den Stock zurückkam, ohne dass er sich das erklären konnte. „Wo kurz zuvor noch das pralle Leben herrschte, fehlten plötzlich viele Bienen“, erinnert er sich. Auch legten auffällig viele Königinnen keine befruchteten Eier mehr oder waren ganz verschwunden.

Pausch, ein Mann um die 60, ist keiner, der leichtfertig Beschuldigungen äußert. Der Ingenieur war lange für den Chiphersteller Intel unterwegs, bevor er sich für das Landleben entschieden hat. Er hält sich an Fakten. Trotzdem hatte er einen Verdacht. Ein wesentlicher Grund, so vermutet er, seien bienenschädliche Pestizide gewesen, genauer gesagt einige Insektenbekämpfungsmittel, die in der deutschen Landwirtschaft seit Ende der Neunzigerjahre immer häufiger eingesetzt werden.

Er war nicht der Einzige, der so dachte. Auch die europäische Aufsichtsbehörde Efsa hielt den Verdacht für begründet. Den Einsatz von vier umstrittenen Mitteln hat die EU-Kommission deshalb vor dreieinhalb Jahren teilweise untersagt. Doch diese Verbote könnten bald wieder aufgehoben werden. Das zumindest fordern die betroffenen Herstellern, die deutschen Konzerne Bayer Cropscience und BASF sowie das Schweizer Unternehmen Syngenta. Sie halten die Verbote für ungerechtfertigt und haben die EU-Kommission verklagt.

Die entscheidende Phase in diesen Verfahren beginnt am kommenden Mittwoch am Europäischen Gerichtshof, und es geht um mehr als ein paar Pestizide. Tatsächlich müssen die Richter nebenbei eine wichtige Grundsatzfrage klären: die nach dem Umgang mit Risiken in der Europäischen Union, also die Frage, was schwerer wiegt, der Schutz von Investitionen oder der Schutz von Natur und Verbrauchern? Und es wird sich auch zeigen, welcher Spielraum der Politik künftig beim Verbot gefährlicher Stoffe bleibt, wenn Konzerne ihr Recht auf Umsatz und Ertrag in die Waagschale werfen.

Gibt der Gerichtshof den Agrarkonzernen recht, könnten auf die EU in der Folge Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe zukommen. Kritische Stoffe aus dem Verkehr zu ziehen, dürfte dann noch schwieriger werden als bisher. Doch wie ist es überhaupt so weit gekommen?

Ein Blick zurück: Das Frühjahr 2008 im badischen Rheintal ist heiß und trocken. Weiden, Wildkirschen und andere Pflanzen stehen in voller Blüte. Doch etwas fehlt: das Summen der Bienen. In der Geschäftsstelle des Verbands der Badischen Imker in Appenweier ist die Aufregung groß. Immer mehr Imker klagen über ein massives Bienensterben, das schlimmste seit 30 Jahren.

Das Gift unterscheidet nicht zwischen nützlichen und schädlichen Insekten
Der millionenfache Tod setzt unvermittelt mit der Mais-Aussaat ein. Später zeigt sich, viele der Samenkörner waren zur Insektenbekämpfung mit einem Mittel behandelt worden, das ein Nervengift enthält. Es macht die Bienen krank und orientierungslos. Der enthaltene Wirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide soll die Pflanzen vor Schädlingen schützen. Weil das Mittel, der Hersteller ist Bayer Cropscience, nicht richtig an den Samen haftet, wird giftiger Staub vom Wind weit verteilt. Das Gift unterscheidet nicht zwischen nützlichen und schädlichen Insekten.

In den folgenden Jahren müssen Behörden klären, ob bei der Zulassung des Pestizids etwas Entscheidendes übersehen wurde. Auch Produkte anderer Firmen, die Mittel mit ähnlicher Wirkweise herstellen, geraten in den Fokus der Prüfer. Umweltschützer und Imkerverbände verlangen, deren Einsatz zu untersagen. 2012 liegen mehrere neue Studien vor, die eine Gefährdung von Honigbienen bestätigen. Die Hersteller versuchen, diese mit eigenen Untersuchungen zu widerlegen. Tenor der Industrie: nicht die Pestizide, sondern vor allem die Varroa-Milbe – ein Parasit, der Bienen krank macht – sei das Problem.

Die EU-Kommission greift ein, die zuständige Aufsichtsbehörde Efsa rät, den Einsatz der kritischen Stoffe zumindest einzuschränken. Brüssel spricht daraufhin Teilverbote für Clothianidin, Imidacloprid (beide von Bayer Cropscience), Thiamethoxam (Syngenta) und Fipronil von BASF aus. Deutschland gehört zu den EU-Ländern, die dies auch umsetzen. Das Teilverbot betrifft Anwendungen wie das Beizen von Saatgut, andere bleiben erlaubt.
Doch die Entscheidung der EU steht auf juristisch wackeligem Fundament, weil sie eine Zulassung deutlich einschränkt, und zwar lange bevor sie ausgelaufen wäre. Das könnte am Ende wichtig werden. „Ich kenne kein anderes Beispiel in der EU für eine Produktzulassung, die aus Umweltschutzgründen in einem solchem Maß wieder zurückgenommen wurde“, sagt der Fachanwalt Achim Willand. Er vertritt an der Seite der EU-Kommission die Interessen einiger Imkerverbände. Dass Brüssel das Recht hat, Zulassungen wieder einzuschränken, wenn nachträglich Risiken erkannt werden, davon ist er überzeugt. Doch für die Industrie bedeutet das Verluste. „Es gab wohl noch nie so gravierende finanzielle Auswirkungen für einzelne Hersteller“, sagt Willand. Wenn sich die Firmen beim EuGH durchsetzen, könnten sie in der Folge hohen Schadenersatz geltend machen, glaubt er.

200 Milliarden Euro
So viel tragen Bienen weltweit pro Jahr zur Wertschöpfung bei. Das hat das französische Institut CNRS ausgerechnet. 80 Prozent aller Pflanzen brauchen sie als Bestäuber, 40 Prozent der Nahrungsmittelerzeugung hängen von ihnen ab. In der Kosten-Nutzen-Rechnung der Erzeuger wird ihre Arbeit nicht berücksichtigt. Der Deutsche Bauerverband beklagt stattdessen Produktionsausfälle, weil bienenschädliche Mittel verboten sind. „Was ist mit den Bienen und uns?“, fragt sich da der Imker Albrecht Pausch

Tatsächlich lassen sich die Umsatzausfälle der Industrie nur grob abschätzen, sie dürften sich aber wohl auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro summieren. Die Firmen nennen keine Zahlen. Die EU-Kommission lehnte jede Stellungnahme mit Hinweis auf das laufende Verfahren ab.

Einen wichtigen Vorteil haben die Hersteller in dem Verfahren. Sie können sich auf einen besonderen Schutz berufen. Denn sie haben im Vertrauen auf die Zulassung viel investiert. Wird diese dann plötzlich widerrufen, braucht es dafür triftige Gründe. Wer etwa ein Haus baut, muss sich auch darauf verlassen können, dass die Baugenehmigung rechtens ist und nicht gleich ein Abriss droht. So ähnlich argumentiert auch ein Sprecher von Bayer. „Ein innovatives und forschungsorientiertes Unternehmen wie wir es sind, braucht verlässliche Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit“, sagt er. Aus Sicht des Unternehmens stelle die EU mit ihrer Entscheidung aber genau das infrage. So äußern sich auch BASF und Syngenta. Schlecht für die EU und die Imker ist zudem, dass es in dem Verfahren auch keine Rolle spielt, ob seit dem Verbot neue Studien vorgelegt wurden, die das Verbot zusätzlich rechtfertigen könnten.

Der Zoff um die bienenschädlichen Pestizide ist auch die Geschichte eines erbitterten wissenschaftlichen Streits, ähnlich wie beim Wirkstoff Glyphosat. Für Professor Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin ist nicht das Bienensterben am Rhein vor fast zehn Jahren das große Problem. „Der Fall gilt heute als Unfall, da wurde Saatgut falsch behandelt.“ Dass die Neonicotinoide eine große Gefahr für die Bienen sind, steht für den Neurobiologen trotzdem außer Frage. „Die eigentliche Gefahr geht überwiegend von der Masse aus, in der solche Mittel eingesetzt werden.“ Er verweist darauf, dass schon geringste Dosen hohe Wirkung auf Bienen zeigen. Zudem seien die Stoffe lange wirksam, würden nur sehr langsam abgebaut, und sich im Boden anreichern. „Das Argument der Industrie, die Milbe sei schuld, ist grundsätzlich falsch“, meint Menzel, der untersucht hat, wie die Gehirne von Bienen funktionieren.

Sein Urteil über die von der Industrie vorgelegten Untersuchungen fällt vernichtend aus. „Statistik und Design der Studien sind so tendenziös angelegt, dass keine Effekte herauskommen können.“ Die Unternehmen weisen das entschieden zurück. BASF beklagt stattdessen, relevante wissenschaftliche Studien und Nachweise seien von der EU-Behörde Efsa nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Pausch, der Imker aus Bayern, verfolgt den Streit mit Unbehagen. Spätestens in drei Monaten will er mit seinen Bienen aufbrechen, um Akazienhonig in Brandenburg zu ernten. Seine angeschlagenen Bienenvölker haben sich wieder erholt. Nun hofft er, dass das Teilverbot der Pestizide vor Gericht Bestand hat. Das allein aber reiche nicht, sagt er. „Die Politik muss endlich entscheiden, welche Landwirtschaft sie will.“ Eine, die Erträge mit mehr Pestiziden und Technik oder eben mithilfe der Natur erzielt. Für ihn gibt es darauf nur eine überzeugende Antwort.

Neues von der Stadtbaumkampagne der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Spendenzeitraum und Pflanzung 2016)

Ursprünglich hatten wir uns für zwei Krimlinden in der Spilstraße entschieden. So schön so gut. Die Vorbereitungen zur Pflanzung wie Markierungen anbringen, Parkverbotsschilder aufstellen und der Versuch den ersten kranken Baumstumpf zu entfernen waren schließlich vergebens, da ein Kabel der Telekom die Pflanzung nicht zuließ. Wir haben uns schließlich für die Saargemünder Straße, Mittelstreifen, entschieden. Dort stehen überwiegend Kiefern und Birken und unsere Krimlinden sind dort eine willkommene Nahrungsquelle für unsere Lieblingstiere und Co.

Der IV Zehlendorf und Umgebung e.V. dankt allen SpenderInnen für ihr Engagement.

Markierungen für die geplante Pflanzung der gespendeten Krimlinden, am 28.11.2016, Saargemünder Straße 2, Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin, Mittelstreifen

Die gepflanzten Krimlinden am 29.11.2016

Die Baumstämme sind gegen Schädlinge und Sonneneinstrahlung geschützt. Sie werden durch ein Pflanzgerüst gestützt. 07.12.2016

Eingefügt in das Straßenbild kann man „unsere“ Krimlinden gut erkennen.


Dagmar Prentzel/Bienenweide

Internationaler Bienenkongress 2017

Vom 28.03 – 29.03.2017 findet in Berlin ein internationaler Bienenkongress statt.

Das BMEL – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist der Veranstalter und Organisator zusammen mit dem D.I.B. – Deutscher Imkerbund e.V.

„Viele Akteure – ein Ziel“: Bienenschutz als internationale Aufgabe

Bienen sind nicht nur Honiglieferanten, sondern übernehmen als Bestäuber vieler Pflanzen auch eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Unter dem Motto „viele Akteure – ein Ziel“ stellt der Internationale Bienenkongress 2017 die Bedeutung der Biene und die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen in den Mittelpunkt.

Ziel ist es, einen international abgestimmten Ansatz zum Schutz der Bienen voran zu bringen. Dazu bietet der Kongress Imkern, Landwirten, Wissenschaftler und Politikern aus aller Welt sowie Vertretern relevanter internationaler Organisationen die Gelegenheit.

Veranstaltet wird der Kongress vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Imkerbund (D.I.B.).

Das BMEL hat bereits vielfältige nationale Maßnahmen initiiert, mit denen die Öffentlichkeit auf das Thema Bienenschutz aufmerksam gemacht wird: So unterstützt beispielsweise die Bienen-App Hobbygärtner dabei, ihren Garten bienenfreundlich zu gestalten, und das „Deutsche Bienenmonitoring“ liefert wichtige wissenschaftliche Daten zur Erforschung der Ursachen für Bienenverluste in Deutschland. Zudem hat das BMEL gemeinsam mit dem D.I.B. in diesem Jahr bereits drei nationalen Bienenkonferenzen ausgerichtet. 

Wir laden Sie herzlich ein, am Internationalen Bienenkongress 2017 teilzunehmen.

Das Veranstaltungsprogramm und das Anmeldetool sind freigeschaltet.
Die Teilnahme ist kostenfrei.
(Text des BMEL)

Weitere Informationen zur Vorbereitung:
Hoppe_u_Safer_DEBIMO_24.1.2011

Agenda:
Internatonale_Bienenkonferenz

d.R.
Dezember 2016

Im Auftrag der Bienen auf der IGW 2017

Internationale Grüne Woche Berlin

22 Frauen und Männer, den Bienen und der Imkerei verbunden, haben sich engagiert für den Infostand der FU Berlin und des Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.. Neun Stunden und mehr vor Ort haben sie zur Verfügung gestanden für die Fragen eines sehr unterschiedlichen Publikums, für Fragen rund um die Bienen. Wohl kaum ein Verein ist so umfassend informiert hinsichtlich der vielen aktuellen Themen um die Honigbiene, die verwandten wilden Arten und die anderen Bestäuber. Das ist nicht nur eine Herzenssache, dass die vielen Stunden für diese Aktion im Rahmen der Sonderschau des BMEL zur Verfügung gestellt werden. Wir wollen beteiligt sein an der Wiederherstellung der Biodiversität in unseren Gärten, vor allem aber auch außerhalb der Städte. Wir wollen mit eigenen Ideen dazu beitragen, dass vor allem die Insekten wieder Nahrung finden in der doch stark gebeutelten Natur, damit auch die kleinen bodenständigen Wirbeltiere und Vögel wieder zurückkehren.

Auch ein bewährtes System an Obleuten legt dabei eine gute Basis für die imkerliche Entwicklung des Vereins. Dabei ist das Spektrum der Themenschwerpunkte um die Bienen und die Biodiversität immer größer geworden. Gefördert durch das BMEL können so auf der der weltgrößten internationalen Landwirtschaftsausstellung viele sehr unterschiedliche Personenkreise angesprochen werden. Dabei wurden wir wie in den vergangenen Jahren wieder zentral positioniert. In ein lebendiges Grün mit einem tangierten Reigen aus vielen Gartenblumen und Obstgehölzen konnten wir immer neue Exponate stellen, die zusammen mit den vom BMEL gedruckten Postern und Flyern eine große Hilfe für die sehr unterschiedlichen Erklärungen der Bienenwelt wahren.

Es liest sich doch wohl sehr gut, wenn man die Vielfalt der durch diese Mannschaft auf der IGW 2017 vertretenen Themen sieht.

Was haben wir in diesem Jahr nicht alles angeboten:

Imkerausbildung in Berlin, Entwicklung der Bienen im Jahreszyklus, lebende Bienen im Schaukasten, Honige ( Sorten, Reinheit, Analyseverfahren, Entwicklung vom Nektar zum Honig), andere Bienenprodukte (Pollen, Wachs, Propolis), Leistung der Honigbiene, Bestäubungsleistung an ausgewählten Pflanzen in Abhängigkeit von Bestäubern, Organisation im Bienenstock anhand einer Photobeute und einer kleinen Hausschaubeute, Hinweise auf Bienenkrankheiten, Hinweise auf Pestizide (Herbizide und Neonikotinoide) in der Landwirtschaft als Feinde der Bienen, Problematik bei der Entwicklung von Imkerzahlen und der Bienenvölker in den Landesverbänden im Verhältnis zu den unterschiedlichen Regionen in Deutschland, die mikroskopische Welt von Teilen der Biene und Pollen, Diashow und Film von Bienen und anderen Bestäubern auf Blüten im Jahreszyklus auf zwei Monitoren, in Deutschland gebräuchliche Rähmchenmaße und Beutensysteme und das Problem der Vielseitigkeit.

Was noch fehlt, sind konstruktive Vorschläge für eine Verbesserung der Biodiversität vor allem für die landwirtschaftlich genutzten Regionen. Das wird sicherlich ein Thema sein für die IGW 2018, wenn man uns denn wieder einsetzen möchte. Zu diesem Thema gibt es bereits viele vorbereitete Arbeiten.

Ohne die Vorbereitungszeit sind allein für die Präsentation 500 und mehr Stunden aufgewendet worden. Doch es hat sich gelohnt, von den Bienen einen Quasiauftrag erhalten zu haben. Die Imker sind die Lobby für die Bienen, angetreten für das gesunde Leben, für die Reparatur der uns überlassenen Natur. So sind wir zur Zeit noch die unermüdlichen nicht immer erfolgreichen Gegenspieler zum Chemieeinsatz in der landwirtschaftlichen Region, in der es sich zur Zeit für einen Imker häufig nicht lohnt, Bienenvölker zu halten. Und die Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber haben sich vielfach verabschiedet.

Für diesen wahrhaft gemeinnützigen, aber immer wieder erfolgreichen Einsatz dieser 22 Frauen und Männer möchte ich für 2017 herzlich danken. Danken aber müssen wir auch dem BMEL und seinen vielen Verantwortlichen, dass sie uns nun schon über so viele Jahre die Möglichkeit der Darstellung der Problempalette um die Bienen und die vielen anderen Bestäuber ermöglichen.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.

Viele reisen viel für die Bienen

Wo sind unsere Politiker und Forscher der Industrie in diesem Jahr nicht schon überall auf der Welt gewesen, um sich zusammenzusetzen mit dem offiziellen Vorsatz etwas zu beschließen, das gut ist für die Menschen, die vielen Bestäuber und damit auch für die Bienen. Die Artenvielfalt, die Biodiversität der Natur ist in Unordnung geraten.

Es ist dabei nicht verborgen geblieben, dass Bienen und andere Bestäuber nützlich sind. Es ist auch bekannt, dass ihnen Gifte noch mehr schaden als uns Menschen. Die Artenvielfalt der Natur in den letzten Jahren hat sehr gelitten. Dem Einen oder Anderen ist es aufgefallen, dass es viele Schmetterlingsarten nicht mehr gibt. Sie sind bunt und bewegen sich auffällig. Das merkt man denn zuerst. Und dann ist doch auch nicht verborgen geblieben, dass in Abhängigkeit auch viele andere Tier- und Pflanzenarten verschwunden sind. Herbizide und Neonikotinoide haben ihnen den Garaus gemacht. Für viele Vogel- und Amphibienarten gilt Ähnliches.

Diese Veränderung der Natur haben wir zugelassen durch schnell geprüfte Errungenschaften primär der Chemischen Industrie, tätig vor allem für die Landwirtschaft. Sie gab stets vor, immer nur zum Besten gehandelt zu haben für die Ernährung der Weltbevölkerung.

Diese Formel aber ging nicht auf. Und man macht sich zu Hunderten auf die Suche nach den Ursachen für den Rückgang der Bestäuber und ihrer Ernährungsgrundlage. Und man sucht viele Jahre lang. Gründlich soll es doch sein. Nur grundsätzlich Eindeutiges gefunden hat man immer noch nicht. Dem wird aber widersprochen, weil es wohl viele in Teilbereichen eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Doch sie fallen unterschiedlich aus, beauftragt von der Politik, der Industrie oder den Naturschutzverbänden.

Umweltpolitisch ist das für einen logisch, einfach denkenden Menschen, für einen Imker, ein Desaster. Ein Ende der wissenschaftlichen Aufarbeitung wird es noch lange nicht geben.

Als einfacher Imker diesem Treiben zuzusehen, ist ein wahrhaft hartes Los. „Gemeinsam für die Bienen“ war die Überschrift für den hilflosen Beitrag von Dagmar Dehmer am 19.12.2016 im Tagesspiegel. Man hat wieder zusammengesessen in Mexiko. Indonesien hat ja nicht viel Essenzielles gebracht. Man hat erkannt, dass die Bestäubung unverzichtbar ist für das Funktionieren von Ökosystemen. Wer hätte das gedacht! OECD, IUDN, UNEP, schließlich die CBD, jeder gibt seinen Tipp ab. Allein die immer wieder aufgereihten Kürzel zu deuten, ist nicht für jeden Imker eine leichte Kost. Es reihen sich alte Erkenntnisse an Binsenweisheiten. Es heißt dann tatsächlich, dass besonders im Agrarsektor der Schutz der biologischen Vielfalt im Mittelpunkt stehen muss. Das sagt denn Herr Weiger vom BUND. Doch gerade er muss doch gemerkt haben, dass es da fast nur noch etwas in den Naturschutzreservaten zu schützen gibt. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen sind heute doch weitgehend Blüten- und Kleintier-frei.

Wann fangen wir denn endlich an, die Wiederherstellung der Biodiversität zu betreiben? Da genügt es nicht, dass der NABU Trockenrasen vortreibt, um ihn der Natur in kleinen Teilbereichen vor die Füße zu legen. Trockenrasen und Magerwiesen sind wichtig. Doch sie brauchen eben nährstoffarme Böden und die gibt es in landwirtschaftlich genutzten Regionen fast nicht mehr. Da ist es auch nicht ausreichend, wenn der BUND einige Streuobstwiesen in Deutschland pflegt. Es müsste dann schon einmal jemand hinsehen, um festzustellen, dass diese kleinen Testflächen insgesamt wieder großflächig und mehrheitlich einzurichten sind.

Wann ringen wir uns durch, die vielen häufig für die Landwirtschaft völlig unnötigen Gifte zu verbieten? Die chemische Industrie wird sich schon etwas Neues ausdenken. Die Sorge für die Beschäftigten ist also nicht angebracht. Ca. 400 mehr oder weniger giftige und für Mensch und Tier schädliche Produkte nur für den Agrarsektor werden jährlich zur Prüfung vorgelegt. Da wird sich beschwert, wenn die Prüfung nicht innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens von 120 Tagen erfolgt. Doch wie kann so etwas in einer so knappen Zeit verantwortlich geprüft werden? Viele Stoffe und ihre Wirkung sind Saison-abhängig. D.h. min. ein Jahr ist doch zumindest zu prüfen. So sind doch auch die Entwicklungsphasen der einzelnen Organismen zu beurteilen.

Und wir Imkerinnen und Imker? Was können die Imker machen? Wo können sie tätig werden? Sie treffen sich, sie reden viel miteinander – mehr als in früheren Jahren. Außerhalb der Städte suchen sie Kontakt zur Landwirtschaft, zu den Betreibern dieser Regionen. Es finden regionale Treffen statt wie am 19.12.2016 im Haus der Natur des NABU Brandenburg. Man sucht die wissenschaftliche Kompetenz. Die Not ist groß. Der Honig ist teilweise unverkäuflich. Das Schlimmste aber ist die Hilflosigkeit bei der Pflege der Bienenvölker in diesen Bereichen. Dabei ist die Aus- und Weiterbildung der Imker in den Vereinen und Verbänden sehr gut geworden. Den Kampf gegen die Gifte hat man aber bis heute nicht gewinnen können. Bienenkrankheiten, Parasiten, das Wetter, und und werden von den Unverantwortlichen in den Vordergrund geschoben. Und die wissenschaftlichen Erkenntnisse unabhängiger Spezialisten werden, wenn überhaupt, vor allem von den Politikern nur ungern zur Kenntnis genommen. Den Eindruck wenigstens kann man gewinnen. Das ist für einen Imker völlig unverständlich. Auf den Wahrheitsgehalt hin werden sie der Einfachheit halber selten geprüft. Sie werden als Zufallsergebnisse abgetan. Was macht zum Beispiel der Brandenburger Imker? Er sucht wieder den Kontakt zum Landwirt in der Nähe. Der ist schließlich bereit, seine Insektizide und Herbizide mit neuen Düsen zu verspritzen, damit die Abdrift des Giftnebels kleiner wird. Das kann man doch wohl nicht als Erfolg werten?! Das bedeutet, dass Bienenvölker nur noch in ständiger Abstimmung mit der „zeitgemäßen“ landwirtschaftlichen Nutzung aufgestellt werden können. Und die anderen Bestäuber, sollen die sich nach dem Verhalten der Imker richten? Sie sind bereits vertrieben oder ausgerottet. Das kann kein guter Weg sein.

Vertreter des LELF bedauern, wegen der knappen Personaldecke nicht besser vor Ort prüfen zu können, geloben aber Besserung. Die zu diesem Treffen geladenen Vertreter der Landwirtschaft haben so kurz vor dem Weihnachtsfest Wichtigeres zu tun gehabt. So wird man sich denn im neuen Jahr wieder zusammenfinden, um nach kleinen Schritten zu suchen – erträglich für den Imker, für den Landwirt, den chemischen Konzern. Und die Naturschützer und ihre Verbände, können die sich auch mit diesen Schritten zufrieden geben?

Viele Bauern, vor allem die mit den ganz großen Flächen, haben sich an das neue System der einseitigen Felderwirtschaft gewöhnt. Die Ausbringung aller Pestizide hat sich für die monokulturelle Bestellung bewährt. Die Überdüngung mit Nitraten und Stickstoff ist unschädlich bei der Gewinnung von Rohstoffen für die Bio-Gasanlagen. Das Grundwasser wird später einmal geprüft. Wieso die Anlagen das Wort Bio mit sich führen dürfen, bleibt ungeklärt. Und funktionieren können sie ökonomisch nur, wenn sie gefördert werden. Das heißt, die Politik lässt eine Förderung zu für die Vernichtung der Biodiversität, für die Vernichtung vor allem der wunderbaren wilden Kräuter, der Insekten und aller Lebewesen, die davon abhängig sind inklusive der Menschen. Das Geschäft geht vor Lebensqualität. Das ist kein gutes Ziel.

Bis jetzt ist es für diese Geschäftemacher noch ein leichtes Spiel, weil Menschen wie die fleißigen und verantwortlich handelnden Imker sich nicht so intensiv mit diesen Missständen auseinandersetzen. Sie versuchen zur Zeit sich und ihre Völker immer nur zu retten. Das wird sich ändern. Ändern wird sich hoffentlich auch, dass die Imker es lernen müssen, um die vergifteten Regionen einen Bogen zu machen. Der Landwirtschaft muss gezeigt werden, was erforderlich ist, um die durch die landwirtschaftlichen Betriebe vernichtete Biodiversität wiederzugewinnen. Die Imker können das. Die vielen Obleute der organisierten Vereine und Verbände haben ihre Spezialisten für die Bienengesundheit, für die Bienenweide, für die Öffentlichkeits-arbeit und eben für den Honig als Indikator als das wohl sauberste Lebensmittel, das die ihnen anvertrauten Bienen für sie erzeugen können, wenn wir ihnen zur Seite stehen.

Brandenburg hat neben Mecklenburg-Vorpommern die schlechteste Bienendichte in Deutschland und das bei einem sehr hohen Prozentsatz der landwirtschaftlich genutzten Flächen mit unbedeutenden Veränderungen seit 2001. Das wird sich nicht ändern, solange sich die natürliche Basis für die Imkerei nicht signifikant verbessert. Das seit vielen Jahren verminderte Trachtangebot für die Bestäuber insgesamt muss neu eingebracht werden. Also sollten wir den Entscheidungsträgern vorschlagen, was denn zu tun ist. Und das sollte für die Entscheidungsseite nicht Landessache sondern Bundessache sein. So müssen wieder die Alleen als Mischkulturen angelegt werden. Die Hecken unterschiedlicher Art müssen zurückkehren (Wir wollen dabei nicht verkennen, dass es in einigen Bundesländern schon erste kleine Schritte gibt.).


Einige Früchte für den Winter nur einer einzigen Hecke:
Schlehe, Rose, Feuerdorn, Berberitze, Eibe, Stechpalme

Ohne Genehmigung und Strafe darf kein Gehölz mehr abgeschnitten werden. Pestizide sind von allen gemeinsam auf die Verträglichkeit und Notwenigkeit hin zu prüfen. Brachflächen und Ackerrandstreifen müssen gezielt angelegt und gepflegt werden und das nach Möglichkeit ohne Förderung. Das wird wohl alles nicht einfach werden, weil man Investitionen für technisches Gerät nicht einfach abschreiben will und kann. Unter Umständen kann es dafür einen Fördertopf aufrufen. Nur sollten wir schnell und mehrheitlich darüber nachdenken, wie wir wieder gesünder leben können. Glyphosat im Urin der meisten Europäer ist ein Untersuchungsergebnis, das man nicht hinnehmen muss.

Es bedarf keiner großen internationaler Reisen, wenn man nicht zunächst im Stande ist, das eigene Haus in Ordnung zu bringen. Der Freiburger Entomologische Arbeitskreis hat in einem offenen Brief über den Status, die Folgen und Möglichkeiten der Veränderung berichtet. Einige Ländervertretungen wie Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg u.a. haben erste Forschungsvorhaben mit dem Grundthema Biodiversität auf den Weg gebracht. Nur, wer liest und bündelt so etwas bundesweit? Wer ordnet die Erkenntnisse? Wer traut sich, verantwortlich zu sagen, was zu verändern ist zum Wohl unserer Nachkommen?

Wir Imker in unserem Landesverband haben schon vor Jahren begonnen, die Biodiversität im eigenen Gärtchen wieder entstehen zu lassen. Aus Rasenflächen wurden kleine Wiesen. Verschiedene Obstgehölze wurden wieder angepflanzt. Der Artenreichtum der vor allem heimischen Pflanzen wurde gepflegt auch im Hinblick auf die unterschiedlichen jahreszeitlichen Blüten. Sandflächen und Todholzstapel, Trockenmauern und unberührte Hecken, sowie Wasserbecken sind wieder die Lebensgrundlage für die unterschiedlichsten Bestäuber und deren hierbei dringend erforderlichen Habitate. Viele verschiedene Singvögel, wie auch viel Kleingetier sind zurückgekommen. Selbst die Zauneidechse ist wieder im Garten.

Es geht also, wenn man es überzeugt machen will – die Wiederherstellung der Biodiversität.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
12/2016

Bienen produzieren in Städten mehr Honig als auf dem Land

Spiegel online 02.01.2017

Bestäubung
Bienen produzieren in Städten mehr Honig
Als Autoren werden Monika Krahnstöver und Benedikt Polaczek genannt.

Lieber Gärten statt Wiesen: Bienen finden in Städten mehr Nahrung, sie sind dort produktiver als auf dem Land. Hauptursache für den Unterschied ist die Landwirtschaft.
Montag, 02.01.2017   09:15 Uhr

Städte bieten Bienen bessere Bedingungen als landwirtschaftliche Felder und Wiesen. Das zeigt eine Studie, die Experten im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen erstellt haben.

Die Analyse offenbare, dass Bienenvölker in Städten höhere Honigerträge erwirtschafteten als Landvölker, heißt es in der Studie.

In den zwei größten deutschen Städten etwa sind Bienen erheblich produktiver als anderswo: In Berlin wurden der Studie zufolge bis zu 47 Kilogramm Honig pro Volk produziert, in Hamburg sind es 40 Kilogramm – der Durchschnitt in Deutschland liege pro Jahr und Volk hingegen lediglich bei 30 Kilogramm.

Ähnliche Ergebnisse für Hummeln
Bienen produzierten in Städten mitunter doppelt so viel Honig, weil das Nahrungsangebot an Blüten in städtischen Parks und Gärten größer sei.

Bienenvölker auf dem Land müssten häufig in blütenärmerer Umgebung leben. Die Haltung von Nutztieren auf stark gedüngten Weiden sowie das Spritzen von Pestiziden würde auf dem Land Pflanzen, Schmetterlinge und Bienen dezimieren.

Bereits kürzlich hatte eine Studie für Hummeln ähnliche Ergebnisse gebracht. Auch Hummeln bestäuben in der Stadt mehr Pflanzen als auf dem Land.

Gleichzeitig sind die Insekten allerdings in urbanen Gebieten öfter von bestimmten Parasiten befallen, die ihr Leben verkürzen können, berichten Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“.

Mehr Krankheiten
Auch Bienen erkranken der neuen Studie zufolge häufiger in Städten. „Bei zunehmender Urbanisierung unterliegen Honigbienen einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Krankheitsübertragung, weil hier eine höhere Völkerdichte zu verzeichnen ist“, schreiben die Autoren Monika Krahnstöver und Benedikt Polaczek.

Bereits die Hummel-Studie habe gezeigt, wie schlecht die Bedingungen für Wildbienen und die von ihnen bestäubten Pflanzen in modernen landwirtschaftlich genutzten Gebieten seien, sagte der Biologe Robert Paxton von der MLU.

Innerhalb der Städte hingegen züchteten die Menschen etwa Blumen; die Vielfalt der Vegetation sei dort größer. Das mache die Städte attraktiver für Insekten.

Lösungsvorschlag
„So sehr ich mich über den Trend der urbanen Imkerei freue – es ist doch absurd, dass unsere Bienen in städtischen Revieren deutlich mehr Honig sammeln, weil sie auf dem Land nicht mehr genug Blütennahrung finden und zudem von Pestiziden bedrängt werden“, sagt Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, Vorsitzende im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags.

Wenn nicht gehandelt würde, drohten Verhältnisse wie in den USA oder in China, wo Bienenvölker kreuz und quer durchs Land gefahren würden und Apfelbäume per Hand bestäubt werden müssen. „Schon jetzt gibt es in Deutschland vielerorts nicht genügend Bienen und andere Insekten, damit Obst- und Gemüsepflanzen ausreichend bestäubt werden“, meint Höhn.

Ihr Parteikollege Harald Ebner glaubt, die Lösung zu kennen: „Deutlich weniger Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft und mehr Ökolandbau“, fordert er. Die großen Mengen ausgebrachter Gülle auf den Wiesen müssten reduziert werden, weil sonst Wildblumen mit ihren Blüten vertrieben würden.

Boj