To bee or not to be

Vielen Dank den Bienen
Quelle: Der Rabe Ralf; Ausgabe Juni / Juli 2014

Der Flügelschlag der Bienen verändert unsere Welt. Wenn sie auf Nektarsuche gehen, bestäuben sie gleichzeitig die Pflanzen. Ein romantischer Vorgang, diese alte Geschichte von den Bienen und den Blumen, so sehr miteinander verknüpft, dass kaum jemand vermuten mochte, dass diese Verbindung eines Tages bedroht sein könnte.

Monokulturen, Pestizide, Gentechnik: Die Produktion von Äpfeln, Erdbeeren, Tomaten und Mandeln würde darunter leiden, wenn es keine Bestäuber wie die Bienen mehr gäbe. Berechnungen über die wirtschaftlichen Schäden durch das Fehlen der Bestäubungsleistung der Bienen reichen von 190 bis 310 Milliarden Euro jährlich.

Die Bienen spielen eine entscheidende Rolle für die Produktion vonjährlich über 80 Millionen Tonnen Lebensmitteln in Europa, dies entspricht einer jährlichen Produktion von 160 Kilogramm Nahrungsmitteln pro Kopf und knapp einem Zehntel der Weltnahrungsmittelproduktion.

Doch die Bienen sind in Gefahr: allein in Deutschland starben im Frühjahr 2008 über 300 Millionen Bienen nach dem Ausbringen von Mais, der mit dem Pestizid Clothianidin behandelt war. In Frankreich sind 2008 Jahr 60 Prozent der Bienenstöcke kollabiert, in den USA fast 40 Prozent. Als Berichterstatterin des Europaparlamentes für die Neuausrichtung der Pestizidzulassung ist es mir gelungen erstmalig den Bienenschutz als Kriterium für die Zulassung zu verankern.

Inzwischen wurden drei Neonicotinoide verboten. Neonicotinoide stören den Orientierungssinn der Bienen. Eine Untersuchung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA hatte einen Zusammenhang zwischen Bienensterben und Neonicotinoiden belegt. Es ist beschlossen worden, den Einsatz der Pestizide Clothianidin und Imidacloprid von Bayer sowie Thiamethoxam von Syngenta zu verbieten. Der Anwendung dieser Nervengifte der NeonicotinoidGruppe werden für zunächst zwei Jahre enge Grenzen gesetzt. Doch gegen diese Entscheidung gibt es bereits massive Lobbyarbeit. Es ist zu befürchten, dass mit dem geplanten Freihandelsabkommen (TTIP) versucht wird, diesen großen Erfolg wieder zu zerstören.

Bei der Gentechnik hat sich Europa leider zum Büttel von Monsanto und Co. gemacht. Die EU-Kommission argumentiert, dass Pollen eine Zutat für Honig ist und nicht ein Bestandteil. Welch ein Unsinn! In der Gentechnikgesetzgebung, die ich maßgeblich mitgestalten durfte, ist festgelegt, dass nur unbeabsichtigte Verunreinigungen nicht gekennzeichnet werden brauchen. Auch der Europäische Gerichtshof hat ganz klar Pollen zum Bestandteil des Honigs erklärt. Es ist offensichtlich, das mit dieser Strategie versucht wird, den Weg für Gentechnik frei zu machen. Die Kommission und die Mehrheit des Europäischen Parlaments stellen sich mit diesem Kniefall vor den Gentechnik-Interessen ganz klar gegen die Verbraucher/-innen, Imker/-innen und Naturschützer/-innen, die gentechnikfreien Honig wollen.

Die Europäische Union darf nicht nur Wirtschaftsgemeinschaft sein, sondern muss den Mehrwert für die Menschen unter Beweis stellen. Dazu gehört der Schutz der Bienen und der Umwelt.

Hiltrud Breyer
Mitglied des Europäischen
Parlamentes (MdEP)
und im Landessprecherrat der
GRÜNEN LIGA Berlin

Den Rückgang von Bienen und Imkern in der Landwirtschaft einmal anders beurteilt.
von Reinhardt Löwe

Die Gründe für den Imkerrückgang und das Bienensterben liegen nicht immer bei Fa. Bayer. Das wäre ja toll. Bayer weg und die Welt ist wieder in Ordnung. Wichtig ist bei dieser Betrachtung, die Grundlagen zu kennen.

Die Bienen unterscheiden sich zunächst grundsätzlich in die als weitgehend solitäre Wildbiene und die Volk-bildende Honigbiene. Und Letztere ist es vornehmlich, die für den Ernteerfolg zu 80% zuständig ist. Fehlt sie, fehlen rd. 80% des Ertrages der Nutzpflanzen, die nicht nur den Wind als Bestäubungskraft nutzen. Zum Glück kommen daher z.B. Wein und Getreide ohne Bienen aus. Wir werden also nicht schlagartig ganz verhungern, wenn die Bienen einmal fehlen sollten und wenn, dann wenigstens betrunken.

Die Wildbienen aber sind für die Artenvielfalt zuständig; und das ist wichtig. Es geht um die Artenvielfalt dieser Tiere und spezieller Pflanzen, die für die Honigbiene uninteressant sind; und da gibt es viele, oder aber, es gibt hier keine Honigbienen. Das bedeutet, dass wir zunächst das Dilemma der heutigen Felderwirtschaft angehen müssen, wie auch das Dilemma des fehlenden Natur- und Baumschutzes vieler Bundesländer in Deutschland.

Renaturierung ist das Stichwort, das aber leider falsch gedeutet wird. Wenn man also an den Weg- und Feldrändern Mohn- und Kornblumensamen ausstreut, dann ist das in erster Linie gut anzusehen. Auch Hummeln werden das gerne sehen. Was aber fehlt, ist die Rückerführung der Sträucher, Hecken und Bäume, der Streuobstwiesen und der spontanvegetavien natürlichen Rückeroberungsbereiche. Erst dann finden sich wieder Imker mit den dazugehörigen Bienen.

Nun kommen wir wieder zu der Wichtigkeit der Honigbiene. Es ist nicht die Wildbiene, die die Ernteerfolge garantiert. Im Frühjahr sind ab ca. 9°C je Honigbienenvolk rd. 5.000 Bienen am Start. Da beginnen die ersten Solitärbienen sich gerade zu entwickeln – einzeln. Die Hummelkönigin beginnt dann das erste Mauseloch für die Eignung des neuen Volkes zu prüfen. Im Frühsommer dann bis in den Herbst werden je Volk der Honigbienen von 50.000 Bienen rd. die Hälfte bei der Bestäubungsarbeit und der Nektarsuche zu finden sein. Die andere Hälfte hat Stubendienst. Den Vergleich zu den Solitärbienen wollen wir uns da ersparen. Also sorgen wir doch zunächst wieder für die blühende Vielfalt der Natur in der jetzt monokulturell geprägten Landwirtschaft, die ihre Felder gnadenlos bereinigt hat.

Imker werden wir dadurch anlocken für den ständigen Sitz – nicht nur das Wandern in den Raps. Das sollten wir in unserem eigenen kleinen deutschen Land erst einmal alles in Ordnung bringen. Erst dann sollten wir das Kriegsgeheuel gegen die chemische Industrie anstimmen, die wissenschaftlichen Ergebnisse von Prof. Menzel verinnerlichen und nutzen; und dann auch noch den eigenen ökologischen Landbau verändern oder aber in jedem Fall verbessern. Da gibt es viel zu tun.

Pestizide sind ohne Frage schlimm. Doch bei der Entwicklung der Erdbevölkerung kommen wir wohl um den Einsatz nicht ganz herum. Die Frage ist in erster Linie was, wie und wann. Da geht die Entwicklung immer zu schnell und in den Startphasen leider zu unkontrolliert und häufig ungeprüft. Das müssen wir verändern. Die Genveränderung von Nutzpflanzen wird nicht aufzuhalten sein. Man wird z.Zt. Honige der Lebensmittel-Industrie nur schwerlich dahingehend untersuchen können. Für Honige ist auf Betreiben großer Verarbeiter die Filterung erlaubt. Damit ist der Pollen entnommen, damit die Nachweisbarkeit für die Herkunft und damit der Nachweis auf die Veränderung der Trachtpflanze. Daher muss man das Pferd einmal umdrehen. Filterung verbieten, Mischungen aus vielen Ursprungsländern verbieten, Grenzwerte heraufsetzen und allgemein wenigstens für die EU bessere Gesetzesgrundlagen für den Verbraucher schaffen. Der arme Kerl von der Luxemburgischen Grenze hat im DIP-Glas geimkert. Da wird nicht gefiltert, da muss man höhere Qualitätsstandards einhalten. Doch wer weiß das schon?

Also zunächst immer wieder aufklären ohne zu jammern. Kriege für die Natur und ein möglichst gesundes Leben muss man sachdienlich anzetteln. Den Vergleich mit den USA oder den Raubbau der Industrien in Südamerika den muss man sich zunächst verkneifen. Das kann man verurteilen. Aber das ist ein ganz eigenes Thema. Gerade die USA sind hinsichtlich der Themenbereiche Gesundheit, Umweltschutz udgl. ein ewig rückständiges Entwicklungsland; und die sind auch noch stolz darauf. Das aber können wir nun schon gar nicht verändern – möglicherweise einmal mit der Genveränderung dieser Menschen.

Diese völlig unterschiedlichen Betrachtungsweisen – die schnelle politische und die sachlich der Natur dienende – müssen einmal deutlich gemacht werden, wenn denn der Naturschutz auch für die Bienen greifen soll. Sehen Sie sich einmal die Argumentationsschiene der Abt. Grün in Zehlendorf an. Vom Stadtrat an sind alle Posten nur politisch – ohne jeden fachlichen oder inhaltlichen Anspruch! Auch hier steht die Ökonomie im Vordergrund, nicht die Lebensqualität, die möglicherweise mit den gleichen Mitteln erreichbar wäre. Das würde u.U. nur Mühe machen. Doch diese Kreise sind aufzubrechen. Die Bevölkerung ist aufzuklären. Denn nur durch die vielen stillen Dummen kann man die Lindenblüten im Hochsommer schneiden und vernichten. Das sollen und wollen wir verändern.

Wir sind alle engagierte Imker weiblich und männlich aller Altersgruppen mit weniger als 25 Bienenvölkern/Imker, im Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V. Doch alle haben neben ihrem mühsam erworbenen soliden Wissen ein riesig großes Herz für diese bedrohten aber nicht hilflosen Tiere.

Viele Interessierte sollen 2015 auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vorbeikommen, wo wir Imker auf ca. 50 qm Fläche in der Halle 23a versuchen wollen, alles zu erklären, was mit den Bienen in Zusammenhang gebracht wird. Wir zeigen ein lebendes Bienenvolk, wir mikroskopieren, wir analysieren Honige hinsichtlich der Zusammensetzung und der Qualität – allerdings in begrenztem Rahmen. Wir zeigen kleine Filme, viele Bilder. Wir klären aber vor allem auf, hinsichtlich aller vor beschriebener Themenbereiche. Daher auch immer wieder die Empfehlung: sehen Sie hinein in www.ivbzuuev.de vom Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V. Viele Artikel sind noch unkommentiert, weil diese Arbeit z.Zt. nur auf wenigen Schultern ruht und eben gemeinnützig (kostenfrei) ist. Mit der Zeit aber werden wir immer besser und die Interessierten hoffentlich immer schlauer und begeistert im Kampf für die Honigbiene und ihre solitären Artgenossen.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.