Viele reisen viel für die Bienen

Wo sind unsere Politiker und Forscher der Industrie in diesem Jahr nicht schon überall auf der Welt gewesen, um sich zusammenzusetzen mit dem offiziellen Vorsatz etwas zu beschließen, das gut ist für die Menschen, die vielen Bestäuber und damit auch für die Bienen. Die Artenvielfalt, die Biodiversität der Natur ist in Unordnung geraten.

Es ist dabei nicht verborgen geblieben, dass Bienen und andere Bestäuber nützlich sind. Es ist auch bekannt, dass ihnen Gifte noch mehr schaden als uns Menschen. Die Artenvielfalt der Natur in den letzten Jahren hat sehr gelitten. Dem Einen oder Anderen ist es aufgefallen, dass es viele Schmetterlingsarten nicht mehr gibt. Sie sind bunt und bewegen sich auffällig. Das merkt man denn zuerst. Und dann ist doch auch nicht verborgen geblieben, dass in Abhängigkeit auch viele andere Tier- und Pflanzenarten verschwunden sind. Herbizide und Neonikotinoide haben ihnen den Garaus gemacht. Für viele Vogel- und Amphibienarten gilt Ähnliches.

Diese Veränderung der Natur haben wir zugelassen durch schnell geprüfte Errungenschaften primär der Chemischen Industrie, tätig vor allem für die Landwirtschaft. Sie gab stets vor, immer nur zum Besten gehandelt zu haben für die Ernährung der Weltbevölkerung.

Diese Formel aber ging nicht auf. Und man macht sich zu Hunderten auf die Suche nach den Ursachen für den Rückgang der Bestäuber und ihrer Ernährungsgrundlage. Und man sucht viele Jahre lang. Gründlich soll es doch sein. Nur grundsätzlich Eindeutiges gefunden hat man immer noch nicht. Dem wird aber widersprochen, weil es wohl viele in Teilbereichen eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Doch sie fallen unterschiedlich aus, beauftragt von der Politik, der Industrie oder den Naturschutzverbänden.

Umweltpolitisch ist das für einen logisch, einfach denkenden Menschen, für einen Imker, ein Desaster. Ein Ende der wissenschaftlichen Aufarbeitung wird es noch lange nicht geben.

Als einfacher Imker diesem Treiben zuzusehen, ist ein wahrhaft hartes Los. „Gemeinsam für die Bienen“ war die Überschrift für den hilflosen Beitrag von Dagmar Dehmer am 19.12.2016 im Tagesspiegel. Man hat wieder zusammengesessen in Mexiko. Indonesien hat ja nicht viel Essenzielles gebracht. Man hat erkannt, dass die Bestäubung unverzichtbar ist für das Funktionieren von Ökosystemen. Wer hätte das gedacht! OECD, IUDN, UNEP, schließlich die CBD, jeder gibt seinen Tipp ab. Allein die immer wieder aufgereihten Kürzel zu deuten, ist nicht für jeden Imker eine leichte Kost. Es reihen sich alte Erkenntnisse an Binsenweisheiten. Es heißt dann tatsächlich, dass besonders im Agrarsektor der Schutz der biologischen Vielfalt im Mittelpunkt stehen muss. Das sagt denn Herr Weiger vom BUND. Doch gerade er muss doch gemerkt haben, dass es da fast nur noch etwas in den Naturschutzreservaten zu schützen gibt. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen sind heute doch weitgehend Blüten- und Kleintier-frei.

Wann fangen wir denn endlich an, die Wiederherstellung der Biodiversität zu betreiben? Da genügt es nicht, dass der NABU Trockenrasen vortreibt, um ihn der Natur in kleinen Teilbereichen vor die Füße zu legen. Trockenrasen und Magerwiesen sind wichtig. Doch sie brauchen eben nährstoffarme Böden und die gibt es in landwirtschaftlich genutzten Regionen fast nicht mehr. Da ist es auch nicht ausreichend, wenn der BUND einige Streuobstwiesen in Deutschland pflegt. Es müsste dann schon einmal jemand hinsehen, um festzustellen, dass diese kleinen Testflächen insgesamt wieder großflächig und mehrheitlich einzurichten sind.

Wann ringen wir uns durch, die vielen häufig für die Landwirtschaft völlig unnötigen Gifte zu verbieten? Die chemische Industrie wird sich schon etwas Neues ausdenken. Die Sorge für die Beschäftigten ist also nicht angebracht. Ca. 400 mehr oder weniger giftige und für Mensch und Tier schädliche Produkte nur für den Agrarsektor werden jährlich zur Prüfung vorgelegt. Da wird sich beschwert, wenn die Prüfung nicht innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens von 120 Tagen erfolgt. Doch wie kann so etwas in einer so knappen Zeit verantwortlich geprüft werden? Viele Stoffe und ihre Wirkung sind Saison-abhängig. D.h. min. ein Jahr ist doch zumindest zu prüfen. So sind doch auch die Entwicklungsphasen der einzelnen Organismen zu beurteilen.

Und wir Imkerinnen und Imker? Was können die Imker machen? Wo können sie tätig werden? Sie treffen sich, sie reden viel miteinander – mehr als in früheren Jahren. Außerhalb der Städte suchen sie Kontakt zur Landwirtschaft, zu den Betreibern dieser Regionen. Es finden regionale Treffen statt wie am 19.12.2016 im Haus der Natur des NABU Brandenburg. Man sucht die wissenschaftliche Kompetenz. Die Not ist groß. Der Honig ist teilweise unverkäuflich. Das Schlimmste aber ist die Hilflosigkeit bei der Pflege der Bienenvölker in diesen Bereichen. Dabei ist die Aus- und Weiterbildung der Imker in den Vereinen und Verbänden sehr gut geworden. Den Kampf gegen die Gifte hat man aber bis heute nicht gewinnen können. Bienenkrankheiten, Parasiten, das Wetter, und und werden von den Unverantwortlichen in den Vordergrund geschoben. Und die wissenschaftlichen Erkenntnisse unabhängiger Spezialisten werden, wenn überhaupt, vor allem von den Politikern nur ungern zur Kenntnis genommen. Den Eindruck wenigstens kann man gewinnen. Das ist für einen Imker völlig unverständlich. Auf den Wahrheitsgehalt hin werden sie der Einfachheit halber selten geprüft. Sie werden als Zufallsergebnisse abgetan. Was macht zum Beispiel der Brandenburger Imker? Er sucht wieder den Kontakt zum Landwirt in der Nähe. Der ist schließlich bereit, seine Insektizide und Herbizide mit neuen Düsen zu verspritzen, damit die Abdrift des Giftnebels kleiner wird. Das kann man doch wohl nicht als Erfolg werten?! Das bedeutet, dass Bienenvölker nur noch in ständiger Abstimmung mit der „zeitgemäßen“ landwirtschaftlichen Nutzung aufgestellt werden können. Und die anderen Bestäuber, sollen die sich nach dem Verhalten der Imker richten? Sie sind bereits vertrieben oder ausgerottet. Das kann kein guter Weg sein.

Vertreter des LELF bedauern, wegen der knappen Personaldecke nicht besser vor Ort prüfen zu können, geloben aber Besserung. Die zu diesem Treffen geladenen Vertreter der Landwirtschaft haben so kurz vor dem Weihnachtsfest Wichtigeres zu tun gehabt. So wird man sich denn im neuen Jahr wieder zusammenfinden, um nach kleinen Schritten zu suchen – erträglich für den Imker, für den Landwirt, den chemischen Konzern. Und die Naturschützer und ihre Verbände, können die sich auch mit diesen Schritten zufrieden geben?

Viele Bauern, vor allem die mit den ganz großen Flächen, haben sich an das neue System der einseitigen Felderwirtschaft gewöhnt. Die Ausbringung aller Pestizide hat sich für die monokulturelle Bestellung bewährt. Die Überdüngung mit Nitraten und Stickstoff ist unschädlich bei der Gewinnung von Rohstoffen für die Bio-Gasanlagen. Das Grundwasser wird später einmal geprüft. Wieso die Anlagen das Wort Bio mit sich führen dürfen, bleibt ungeklärt. Und funktionieren können sie ökonomisch nur, wenn sie gefördert werden. Das heißt, die Politik lässt eine Förderung zu für die Vernichtung der Biodiversität, für die Vernichtung vor allem der wunderbaren wilden Kräuter, der Insekten und aller Lebewesen, die davon abhängig sind inklusive der Menschen. Das Geschäft geht vor Lebensqualität. Das ist kein gutes Ziel.

Bis jetzt ist es für diese Geschäftemacher noch ein leichtes Spiel, weil Menschen wie die fleißigen und verantwortlich handelnden Imker sich nicht so intensiv mit diesen Missständen auseinandersetzen. Sie versuchen zur Zeit sich und ihre Völker immer nur zu retten. Das wird sich ändern. Ändern wird sich hoffentlich auch, dass die Imker es lernen müssen, um die vergifteten Regionen einen Bogen zu machen. Der Landwirtschaft muss gezeigt werden, was erforderlich ist, um die durch die landwirtschaftlichen Betriebe vernichtete Biodiversität wiederzugewinnen. Die Imker können das. Die vielen Obleute der organisierten Vereine und Verbände haben ihre Spezialisten für die Bienengesundheit, für die Bienenweide, für die Öffentlichkeits-arbeit und eben für den Honig als Indikator als das wohl sauberste Lebensmittel, das die ihnen anvertrauten Bienen für sie erzeugen können, wenn wir ihnen zur Seite stehen.

Brandenburg hat neben Mecklenburg-Vorpommern die schlechteste Bienendichte in Deutschland und das bei einem sehr hohen Prozentsatz der landwirtschaftlich genutzten Flächen mit unbedeutenden Veränderungen seit 2001. Das wird sich nicht ändern, solange sich die natürliche Basis für die Imkerei nicht signifikant verbessert. Das seit vielen Jahren verminderte Trachtangebot für die Bestäuber insgesamt muss neu eingebracht werden. Also sollten wir den Entscheidungsträgern vorschlagen, was denn zu tun ist. Und das sollte für die Entscheidungsseite nicht Landessache sondern Bundessache sein. So müssen wieder die Alleen als Mischkulturen angelegt werden. Die Hecken unterschiedlicher Art müssen zurückkehren (Wir wollen dabei nicht verkennen, dass es in einigen Bundesländern schon erste kleine Schritte gibt.).


Einige Früchte für den Winter nur einer einzigen Hecke:
Schlehe, Rose, Feuerdorn, Berberitze, Eibe, Stechpalme

Ohne Genehmigung und Strafe darf kein Gehölz mehr abgeschnitten werden. Pestizide sind von allen gemeinsam auf die Verträglichkeit und Notwenigkeit hin zu prüfen. Brachflächen und Ackerrandstreifen müssen gezielt angelegt und gepflegt werden und das nach Möglichkeit ohne Förderung. Das wird wohl alles nicht einfach werden, weil man Investitionen für technisches Gerät nicht einfach abschreiben will und kann. Unter Umständen kann es dafür einen Fördertopf aufrufen. Nur sollten wir schnell und mehrheitlich darüber nachdenken, wie wir wieder gesünder leben können. Glyphosat im Urin der meisten Europäer ist ein Untersuchungsergebnis, das man nicht hinnehmen muss.

Es bedarf keiner großen internationaler Reisen, wenn man nicht zunächst im Stande ist, das eigene Haus in Ordnung zu bringen. Der Freiburger Entomologische Arbeitskreis hat in einem offenen Brief über den Status, die Folgen und Möglichkeiten der Veränderung berichtet. Einige Ländervertretungen wie Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg u.a. haben erste Forschungsvorhaben mit dem Grundthema Biodiversität auf den Weg gebracht. Nur, wer liest und bündelt so etwas bundesweit? Wer ordnet die Erkenntnisse? Wer traut sich, verantwortlich zu sagen, was zu verändern ist zum Wohl unserer Nachkommen?

Wir Imker in unserem Landesverband haben schon vor Jahren begonnen, die Biodiversität im eigenen Gärtchen wieder entstehen zu lassen. Aus Rasenflächen wurden kleine Wiesen. Verschiedene Obstgehölze wurden wieder angepflanzt. Der Artenreichtum der vor allem heimischen Pflanzen wurde gepflegt auch im Hinblick auf die unterschiedlichen jahreszeitlichen Blüten. Sandflächen und Todholzstapel, Trockenmauern und unberührte Hecken, sowie Wasserbecken sind wieder die Lebensgrundlage für die unterschiedlichsten Bestäuber und deren hierbei dringend erforderlichen Habitate. Viele verschiedene Singvögel, wie auch viel Kleingetier sind zurückgekommen. Selbst die Zauneidechse ist wieder im Garten.

Es geht also, wenn man es überzeugt machen will – die Wiederherstellung der Biodiversität.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
12/2016