Wer schützt die Bienen und die anderen Bestäuber?

Wer kümmert sich um den Bestand?
Stand Juli 2016

bestaeuber01Biene in der Wildrosenblüte

Die Internetseite des Imkervereins Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V. ist seit 2009 im Netz, seit 2012 auch unter der Adresse www.ivbzuuev.de zu finden. Warum betreiben wir „Hobbyimker“ einen solchen zeitlichen Aufwand?

Hobbyimker ist eine Bezeichnung, die dieser Beschäftigung nicht gerecht wird. Es klingt nach Freizeitvergnügen, dem man nachgehen kann, um es nach Belieben wieder einzustellen. Hobbyimker – weiblich wie männlich – sind Menschen, die eine unglaubliche Verantwortung übernommen haben, nicht für einige Monate, nicht für ein Jahr, sondern in der Regel lebenslang, bis die zu bewältigenden Gewichte das Imkern nicht mehr zulassen. Es ist die Verantwortung für die anvertrauten Tiere, für die Versorgung der Mitmenschen, für die nahe Umgebung und die Natur, wie sie sein sollte, wie wir sie für den Artenreichtum der Bestäuber brauchen. Den Hobbyimkern geht es nicht nur um die Ernten der Bienenprodukte.

Aus diesem Grunde treffen wir uns monatlich, tauschen Erfahrungen aus und lassen uns informieren über das, was Wissenschaft, Politik und die öffentlichen Medien zu sagen haben. Das ist wahrlich nicht immer geistreich und schon gar nicht logisch. Insbesondere bei den Politikern wird das auch nicht mehr erwartet. Sie haben in der Regel einen Resort-fremden Lebenslauf. Bei dem derzeitigen Durcheinander in der Beliebtheitsskala zählen nur noch die Stimmen. Doch neutrale wissenschaftliche Wertungen über die Gefahren für die Bestäuber die werden der Einfachheit halber besser nicht mehr wahrgenommen, um Schlagworte besser platzieren zu können. Und Charakter hat in der Politik eben schon überhaupt nichts mehr zu suchen. Man will schließlich nicht angreifbar sein, nicht im eigenen Land, nicht im europäischen Raum und schon gar nicht im Weltverband. So machen sich die Hobbyimker schlau, was die Wissenschaft erarbeitet hat und uns doch sagen will. Wir besuchen Kongresse, Symposien, Vorträge und Messen. Wir stehen zur Verfügung für Messestände, Informationsveranstaltungen und Runde Tische. Wir veröffentlichen viele Ergebnisse, die wir erfahren haben, die wir lesen, die uns vor allem die Naturschutzverbände zutragen, auch die vielen Unermüdlichen der Task Force Zusammenschlüsse von namhaften Wissenschaftlern, die Nachbarn und Freunde. Wir Hobbyimker pflegen somit ein kleines Netzwerk.

Das alles geschieht kostenlos aus Verantwortung, der Freude am Handeln und in der Hoffnung, doch irgendwann einmal ein offenes Ohr zu finden und auch getragen von der Meinung, dass die Rekultivierung oder Renaturierung in absehbarer Zeit doch einmal möglich sein müsste. Es wäre einfach, wenn man sich mit den wichtigsten Grunddaten einmal beschäftigt.

So fassen wir denn zusammen, was sich in den letzten Monaten dieses Jahres ereignet hat, nicht mehr nur unsere Region betreffend. Es war schon ein bunter Reigen.

Am 14.06.2016 hält Prof. Wenzel einen Vortrag über „Bienenkiller No 1“. Der Kurzvortrag des Symposiums vom 01.12.2015 wurde hier ausführlich vorgetragen, leider ohne Bildmaterial, weil die entsprechende Technik versagte. Dennoch konnte viel gelernt werden von der Wirksamkeit der Insektizide bzw. der Neonikotinoide. Ausführlich wurde die Wirkungsweise erklärt, der Einsatz der Gifte bei der Beizung von Saatgut oder die Anwendung auch im privaten Umfeld. Es wurde deutlich gemacht, wie durch Einsatz auch der Herbizide die Pflanzenvielfalt und damit die Vielfalt der Bestäuber weiter eingeschränkt wird. Wer es gut meint mit der Natur und den Sinn der Vielfalt begreift, der merkt zunächst, dass die Schmetterlinge fehlen.

VortragWenzel2016001Graphik aus dem Vortrag Prof. Wenzel

Dazu passt der Beitrag von Dagmar Dehmer vom 27.02.2016 im Tagesspiegel. Unter der Überschrift „Aus dem Staub gemacht“ wird der Wert der Arbeit des IPBES (Weltbiodiversitätsrat) beschrieben. Das Ergebnis sind Binsenweisheiten, gut für die Politik. Landnutzungsänderung, Intensivierung der Landwirtschaft, Pestizideinsatz, gentechnische Veränderungen, invasive Pflanzen- und Tiergattungen, Krankheiten wie Virenbefall sowie der Klimawandel ist die Spannbreite, die zum Artensterben geführt hat. Wer hätte das gedacht!

Das hält aber die Verantwortlichen nicht davon ab, z.B. das Genehmigungsverfahren der EU für Glyphosat möglicherweise doch wieder zu verlängern. Am 06.06.2016 erscheint im Tagesspiegel der Beitrag „Auf Zeit spielen“. Monsanto hat schon Einbußen beim Umsatz erlitten. Man muss diese Feststellung nicht werten. Werten aber muss man den Verdacht der Krebserregung. Es ist nicht bewiesen. Doch allein beim Verdacht muss doch den Beteiligten die Gesundheit der Bürger mehr am Herzen liegen als Umsatzeinbußen. Es kommt hinzu, dass die Pflanzenvielfalt unbekümmert reduziert wird. Doch die international kochende Sarah Wiener sagt am 11.03.2016 im Tagesspiegel, dass ein Schutz vor Pestiziden in Nahrungsmitteln nahezu unmöglich ist. Sie betreibt Ökolandwirtschaft. Auch in ihrem Urin wurde Glyphosat festgestellt. Dagegen soll man sich nicht wehren können? Die Genehmigung über den Juli 2016 hinaus erfolgt nicht mehr.

Dass nun ein Imker in Spree-Neiße seinen Verdacht bestätigt sah, dass im geernteten Honig größere Mengen Glyphosat enthalten sind, sollte wohl nicht so ganz öffentlich werden. Das ist spätestens seit dem 15.06.2016 vorbei. Unter „Imker in Sorge“ berichtet die Berliner Morgenpost ausführlich. Das ist eine schlimme Entwicklung. Der Imker ist 10 Kilometer weiter gezogen, um dem Pestizidnebel zu entkommen.
Dazu passt auch der Beitrag des Landwirtschaftsministers aus Schleswig-Holstein, Robert Habeck. Er ist der Meinung „Ökonomie und Ökologie passen nicht per se zusammen“. Das schreibt er im Tagesspiegel am 16.06.2016. Der Untertitel „Für Bioprodukte etwa reicht der Hartz-IV-Regelsatz nicht“ gibt den Anspruch des Politikers wieder. Hier fließen denn auch Schlagworte wie Kohleausstieg und Steuergerechtigkeit ein. Dass es aber wohl die Möglichkeit gibt, ökologischen Landbau zu betreiben, das wird nicht erwähnt. Auch, dass ein solcher Landbau ökonomisch sein kann, wird nicht erkannt. Dass viele Nahrungsmittel – auch unser so geliebter Honig – durch den Zusatz Bio sich im Preis verdoppeln bei qualitativ und quantitativ gleichem Inhalt, das haben wir Bürger alle zu verantworten. Von der Sache her muss es nicht sein.

Doch bei allem Hin und Her bleibt die Bundesregierung, hier das BMEL, nicht untätig. In Brüssel wird sich beim Glyphosatthema wegen interner Uneinigkeit der Stimme enthalten. Doch „Die Biene wird Bundessache“ Schreibt die Berliner Morgenpost am 08.06.2016. So gibt es auch zum gleichen Thema die Presseerklärung vom 01.04.2016 des JKI (Julius Kühn Institut) in eigener Sache „Neues Fachinstitut für Bienenschutz nimmt Arbeit auf“. Das BMEL hat damit zum Thema Bienen ein eigenes Forschungsinstitut, das für die Bundesregierung in Sachen Bienen der Wahrheitsfindung dienen soll.

Gleiches klingt an beim Kongress des BMEL „Bienen in der Kulturlandschaft“ am 21.06.2016 in Berlin. Nur hat man dabei noch nicht erkannt, dass durch die wunderschönen Blühstreifen und bepflanzten Verkehrsinseln das menschliche Herz zwar frohlocken mag, aber die Biodiversität nicht wieder hergestellt werden kann. Da bedarf es schon größerer Maßnahmen. Das aber haben die Beteiligten an der Landwirtschaft noch nicht erkannt.

bestaeuber03Gut für die Seele sind die kleinen Felder in den Kommunen

Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Berliner Woche in der 28.Kalenderwoche 2016 zu berichten weiß: „ Artenvielfalt statt Einheitsrasen“. In der Stadt haben fast alle Insekten einen so reich gedeckten Tisch zur Verfügung, dass insbesondere die Honigbiene bei guter imkerlicher Pflege keine Sorgen haben muss, den nächsten Winter nicht zu überstehen. Da könnten Politiker und andere Entscheidungsträger einhaken, wenn sie nach Möglichkeiten einer verbesserten Artenvielfalt im landwirtschaftlich genutzten Bereich suchen.

Unabhängig von aller Literatur und neuesten Forschungsergebnissen sind meine Frau und ich wie vielfach im Jahr und das seit vielen Jahren nach Butjadingen gefahren. Das ist ein gutes Stückchen Deutschland mit mindestens 90% Landwirtschaft. Hier aber hat sich nun der Blick verändert nach vielen Jahren Imkerei. Man findet hier keine Blüte mehr. Die Ausnahme ist der kleine Bauerngarten. Es ist ein Landstrich der Monokulturen geworden. Man baut Mais an für die Biogasanlagen. Das sind keine Lebensmittel mehr. Man mäht das Gras vor der Blüte, weil 5% mehr Eiweiß gewonnen werden können. 5%!! Dafür gibt es kaum noch Bestäuber. Gehölze jeder Art werden in diesem Landstrich, der doch eigentlich unter fürchterlichem Dauerwind leidet, abgeschnitten, wenn sie den größer werdenden Maschinen im Weg stehen. Für Imker werden somit Ödland oder moderne Steppen erzeugt.

bestaeuber04Butjadingen, Landschaft ohne Blüten

Es gibt fast keine Honigbiene mehr. Bestäubende Insekten sind rar. Berufsimker aus dieser Gegend ziehen mit ihren Bienenvölkern z.B. nach Berlin ins Bienenschlaraffenland.

Doch das ist kein Einzelfall. Das Positionspapier vom 28.01.2016 der Kreisimkerschaft Neustadt/Aisch – Bad Windsheim beschreibt die gleichen Probleme für den Bereich Mittelfranken. Hier ernten Imker nach der Rapsblüte nur noch eben diesen Honig. Dann aber müssen sie bereits zufüttern, weil die Bienen sonst den Winter nicht überstehen. Konstruktive Gedanken werden angefügt. Die aber werden nicht beachtet. Hier wird zugesehen, wie aus einst blühenden Landschaften Ödlanschaften erzeugt werden.

Dem Deutschen Imkerbund habe ich meine Sorgen mitgeteilt und eine erstaunlich ausführliche Antwort erhalten. Nur inhaltlich ist das nicht so recht verständlich. Die gewünschte Aufgabenbeschreibung an den DIB würde nicht der Satzung entsprechen. Verbesserungen kann nicht einer alleine erreichen. Der DIB kann sich nicht für den Naturschutz einsetzen; und wenn ich die Samthortensie gut fände, dann soll sie doch in den Stadtgarten gesetzt werden wegen der „Wichtigkeit für die menschliche Seele“.

Man wird sich im Kurs nicht beirren lassen und arbeitet weiter an einer Verbesserung der Agrarflächen – und zwar im Miteinander mit Landwirten. Das aber hat das Präsidium schon 2011 – möglicherweise auch früher – erklärt. Geändert hat sich in den fünf Jahren bis heute aber nichts zum Positiven. Es ist auch vergessen worden, dass die Satzung des DIB unter §3, Abs. 3 sehr wohl die Mitwirkung in Naturschutz und in der Landschaftspflege als Zweck und Aufgabe sieht. Es wird so nebenbei auch vergessen, dass wir doch alle die Verantwortung haben, uns mit den Problemen der Natur auseinanderzusetzen. Wir haben es doch auch zugelassen, dass diese Natur, wie wir sie in der Jugend noch kennen lernen durften, zerstört wurde. Gifte und neue Verfahren der landwirtschaftlichen Kultivierung sollten beitragen, die Ernten zu verbessern, die Ökonomie zu steigern, um hungrige Mäuler zu stopfen. Das aber war ein Schwindel. In der Zwischenzeit ist so viel Chemie auf die Böden gesprüht, dass man wohl 30 Jahre benötigt, hier wieder ökologisch anbauen zu können. Wie lange man das Grundwasser in diesen Bereichen besser nicht als Trinkwasser verwendet, ist mir noch aus keiner Veröffentlichung bekannt.

Ein kleiner Silberstreif kündet mit Eingang am 27.07.2016 vom Eilverbot des BMEL vom 25.07.2016. „Getreide-Saatgut Neonikotinoide Beizen ab jetzt dauerhaft verboten“. Das gilt nur für Deutschland. Aber immerhin ist ein Anfang gemacht. Die Bienen sollen vor neonikotinhaltigem Staub geschützt werden. Dem Ministerium ist schon klar, welchen Wert die Bienen haben ökonomisch und wohl auch ökologisch.
Diese längst überfälligen Verordnungen folgen leider nicht der Logik oder gar dem Sachverstand. Es ist das Ergebnis wohl auch vieler Kritikpunkte aus den Reihen der Hobbyimker und der Naturschutzbewegungen. Das hat nichts gemein mit der Verbreitung von Weltuntergangsstimmung wie der DIB meint. Das sind formulierte Sorgen mündiger Bürger, die ihre Verantwortung wahrnehmen.

Daher schützt und pflegt die Bienen und die anderen Bestäuber in erster Linie der Imker und hier in vorderster Front der Hobbyimker. Er kümmert sich um den Bestand in der Stadt und macht sich Gedanken hinsichtlich einer Wiederbelebung der Natur im landwirtschaftlich genutzten Bereich. Drei Dinge brauchen die Insekten: Tracht in Form von Pollen und Nektar zum Teil natürlich auch in Form spezieller Biomasse, mineralhaltiges Wasser und Habitate für die Aufzucht der Brut und zur Überwinterung. Das sollte man doch eigentlich zusammenfügen können. Es ist ein kleiner Schritt zur Rekultivierung. Doch ohne Anfang wird es keinen Erfolg geben.

IMG_1277samthortDie Massentracht der Samthortensie

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin Zehlendorf und Umgebung e.V.