Zum Glück stehen unsere urbanen Bienen nicht im Naturschutzgebiet

ARD-Magazin Fakt
Pestizide in vielen Naturschutzgebieten
Stand: 30.04.2019 14:21 Uhr

Pestizideinsatz in Naturschutzgebieten – in vielen Bundesländern ist das erlaubt. Eine Recherche des
ARD-Magazins Fakt ergab: Hunderte Naturschutzgebiete sind betroffen.
Das Artensterben hat international dramatische Züge angenommen – erst gestern schlugen Wissenschaftler auf der Weltkonferenz zur Artenvielfalt in Paris Alarm und zogen einen Vergleich zum Klimawandel. In Deutschland galten 2015 mehr als 30 Prozent aller Arten in ihrem Bestand gefährdet.

Dennoch gestatten viele Bundesländer weiterhin den Einsatz von Pestiziden in Naturschutzgebieten. Das ergab eine Recherche des ARD-Magazins Fakt.

Verweis auf „gute fachliche Praxis“
Demnach sind Hunderte Naturschutzgebiete betroffen – möglicherweise jedes dritte. Es handelt sich um Gebiete, in denen die landwirtschaftliche Bodennutzung nach der sogenannten „guten fachlichen Praxis“ von vielen Verboten ausgenommen ist.

Das bedeutet laut Fakt:
Ein nahezu uneingeschränkter Pestizid-Einsatz ist dort legal möglich.
Eine Umfrage des Magazins ergab, dass derartige Regelungen beispielsweise in Brandenburg in 184 Naturschutzgebieten, in Sachsen und Rheinland-Pfalz in 102 Gebieten möglich ist.
In Bayern ist der Pestizid-Einsatz sogar in sämtlichen 674
FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitate) grundsätzlich möglich.

Wie man Insekten wirksam schützt
Der Co-Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), Joseph Settele, kritisierte diese Praxis.
Wenn man Insekten schützen wolle, müsse man „die Insektizide zurückfahren“.

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium,
verwies gegenüber Fakt auf die Zuständigkeit der Bundesländer,
sprach sich aber dafür aus, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln „in den Kernzonen von Nationalparken, Biospährenreservaten und in Naturschutzgebieten“ ganz verboten wird.

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