IGW 2019 (2) – Ein Spaziergang über die 84. Grüne Woche



Die Grüne Woche ist die international wichtigste Messe für die Landwirtschaft. Für unseren Imkerverein ist es eine gute Gelegenheit, auf die Bedeutung der Honigbiene für den Menschen aufmerksam zu machen. Ein erstes Gefühl für die weite Welt bekomme ich bereits draußen vor den Messehallen. Kräftig flattert ein Meer von Fahnen im Wind. Es sind die Fahnen der ausstellenden Nationen aber auch ganz viele grüne Fahnen mit dem Logo der Grünen Woche. Weil die Messe so vielseitig ist, beschließe ich, mich nur auf Bienen zu konzentrieren. Ich starte meine Bienen-Route am gemeinschaftlichen Stand des Imkervereins Berlin-Zehlendorf und der FU Berlin. Zwischen beiden Einrichtungen besteht seit Jahren eine intensive Zusammenarbeit. Der Bienen-Stand befindet sich in der Halle 23a. Es ist die Halle des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Am Eingang der Halle hängt das Schild „Und was gibt’s morgen? Landwirtschaft mit Herz und Drohne“. Bei Drohne denke ich sofort an die männliche Biene. Erst später wird mir klar, dass damit Fluggeräte für die digitale Landwirtschaft gemeint sind. Die Halle 23a präsentiert sich in einem grünen Design. Bäume hängen von der Decke und machen Lust auf grüne Themen. Der Bienen-Stand befindet sich in der Nähe des Eingangs zur Halle 23a. Er ist auf der einen Seite mit halbhohen Blütenpflanzen bepflanzt. Mitten im Blumen-Dschungel befindet sich eine Klotzbeute. Bei einer Klotzbeute handelt es sich um eine früher übliche Behausung für die Bienen, um einen hohlen Baumstamm. In einem Pavillon fliegen ein paar Bienen. Primeln, Kätzchen, Calendula und Trollblumen locken sie an. Durch einen Verbindungsgang zwischen Bienenstock und Pavillon laufen die Bienen vom Bienenstock in den Pavillon und zurück. Bei dem Bienenstock handelt es sich um eine Schau-Beute. Dadurch ist es dem Besucher möglich, einen Blick in das Bienenvolk zu werfen. Fragen der Besucher beantworten Fachleute aus dem Verein und der FU. Jeden Messe-Tag sind ständig 5 Personen am Stand, um die Besucher zu informieren. Die Besucher können einen Blick auf die Feinde der Bienen werfen. Varroa-Milbe und der kleine Beutenkäfer liegen sicher verschlossen in einem Glasröhrchen. Die Besucher bekommen die unterschiedliche Betriebsweise von Magazin-Beuten und Korb-Imkerei erklärt. Eine Honigverkostung ist auch dabei. Der Honig tropft auf eine Waffel. Durch die Waffel entfällt der Einmallöffel aus Kunststoff. Außerdem können die Besucher elektronisch ihr Wissen bei einem Bienenquiz testen. Ich wähle direkt Level 3, der höchste Schwierigkeitsgrad. Eine Frage ist, wann die erste Bienenschutzverordnung in Kraft getreten ist? Ich staune, dass sie schon aus dem Jahr 1938 stammt. Am Ende habe ich nur 60 % der Fragen richtig beantwortet. Deutlich wird die hohe Wirtschaftsleistung der Biene gezeigt. Sie ist das 3. wichtigste Tier für die Landwirtschaft. Die grandiose Leistung der Bienen liegt in der Bestäubung der Pflanzen. Ohne Bestäubung der Pflanzen wären die Erträge in der Landwirtschaft mindestens um 50 v.H. geringer. Am Beispiel von Birnen kann der Besucher sehen, wie hoch der Ertrag bei den Birnen mit Bienen und ohne Bienen ist. Ohne Bienen wäre eine Birne eine Rarität. Thematisch dazu passend ist der Nachbarstand. Es geht um Äpfel. Gäbe es keine Bienen, wäre auch der Apfel eine Rarität. Ich erfahre viel über alte und neue Apfelsorten und Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau. Auch informiere ich mich über ein Projekt über mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft und Drohnen in der Landwirtschaft. Ziel ist, die Artenvielfalt zu bewahren und mehr Lebensraum für die gesamte Flora und Fauna zu erhalten. Leider sind es bisher nur Forschungsprojekte. Hoffentlich werden die Ergebnisse in der Landwirtschaft bald umgesetzt! Ich verlasse die Halle 23a und setze meine Bienen-Tour fort. Sie führt mich durch fast alle Hallen. Ich finde Honig-Angebote in verschiedenen Bundesländer-Hallen, aber auch an den Ständen von Bulgarien, Rumänien und Kroatien. Bei meinem Streifzug stelle ich fest, dass überwiegend kleinere Gläser Honig angeboten werden. Der Trend scheint zu kleineren Verpackungen zu gehen. Überrascht hat mich, dass viele Honig-Mischungen angeboten werden. Dem Honig werden z.B. Nüsse oder Ingwer zugefügt. An mehreren Ständen sehe ich „Energie-Honig“. Nach dem Etikett handelt es sich um Honig+Propolis+Pollen oder Gelee Royal. Entsprechend hoch ist der Preis. Dann treffe ich auf Wildbienen – die Hummel. In einem Karton befindet sich ein komplettes Nest. Die Hummel wird im Gewächshausanbau, z.B. bei der Bestäubung von Tomaten eingesetzt.

Nach 4 Stunden beende ich meinen Rundgang. Im nächsten Jahr bin ich wieder da.

Birgit Hach-Klarholz, Januar 2019

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