Honigbienen: Schlafplatz je nach Berufsgruppe – Bienen: Wie man sich bettet, so arbeitet man

Spiegel Online Wissenschaft vom 17.07.2014
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Kolonie mit Honigbienen: Ein Bett für jede Biene
Bei Bienen entscheidet die Arbeitsstelle über den Schlafplatz: Innendienstler schlummern bei der Brut, Außendienstler am Rand des Stocks. Die Insekten haben unterschiedliche Schlafphasen. Honigbienen schlafen nach „Berufsgruppen“ getrennt. Junge Innendienstler schlummern an anderen Orten und länger als Sammlerinnen im Außendienst. Zudem ähnele der Bienenschlaf dem des Menschen, berichten Forscher der Universität Würzburg im Fachmagazin „Plos One“. Die Insekten haben unterschiedlich tiefe Schlafphasen – und Schlafentzug führt auch bei ihnen zu einer Verschlechterung der Lern- und Kommunikationsfähigkeit.

Im Bienenstock herrscht strikte Arbeitsteilung: Die Arbeiterinnen durchlaufen in ihrem wenige Wochen dauernden Leben verschiedene „Berufsgruppen“ und wechseln dann auch den Schlafplatz. Junge Honigbienen sind etwa für die Reinigung von Waben zuständig. Sie bleiben zum Schlafen nahe dem Brutbereich, wo reges Treiben herrscht. Dabei schlüpfen sie in leer stehende Zellen – dies könne helfen, Störungen zu vermeiden, so die Forscher. Ältere Artgenossinnen dagegen, die Nahrung suchen oder diese von den Sammlerinnen in Empfang nehmen und einlagern, schlafen eher am Rand und in der Regel außerhalb von Zellen.

Je älter, desto weniger Schlaf
Die Bienen hätten vermutlich wegen ihrer verschiedenen Aufgaben ein unterschiedliches Schlafbedürfnis, sagt der Würzburger Biologe und Mitautor Jürgen Tautz. Die Forscher hatten am Bienenzentrum der Universität Würzburg das Verhalten von rund 100 Tieren beobachtet. Dabei registrierten sie auch Unterschiede im Schlafrhythmus: Bienen im „Innendienst“ schlafen demnach mehrmals tagsüber und nachts. Die Sammlerinnen dagegen verlegen ihren Schlaf ausschließlich in die Nacht und ruhen insgesamt weniger.

Wie bei Menschen ist auch bei Bienen die biologische Funktion des Schlafs noch unklar. Gerätselt wird, ob sich der Organismus im Schlaf regeneriert, ob Energie gespart werden soll oder ob das Gehirn im Schlaf wichtige von unwichtigen Informationen trennt. Die Sammlerinnen müssten sich mehr Informationen merken als die Bienen im Stock, sagt Tautz – und vor allem durchgehender Schlaf diene vermutlich der Konsolidierung des Gedächtnisses. Die Studie könnte Grundlage für weitergehende Schlafforschung sein.
jme/dpa/afp

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