Bienen produzieren in Städten mehr Honig als auf dem Land

Spiegel online 02.01.2017

Bestäubung
Bienen produzieren in Städten mehr Honig
Als Autoren werden Monika Krahnstöver und Benedikt Polaczek genannt.

Lieber Gärten statt Wiesen: Bienen finden in Städten mehr Nahrung, sie sind dort produktiver als auf dem Land. Hauptursache für den Unterschied ist die Landwirtschaft.
Montag, 02.01.2017   09:15 Uhr

Städte bieten Bienen bessere Bedingungen als landwirtschaftliche Felder und Wiesen. Das zeigt eine Studie, die Experten im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen erstellt haben.

Die Analyse offenbare, dass Bienenvölker in Städten höhere Honigerträge erwirtschafteten als Landvölker, heißt es in der Studie.

In den zwei größten deutschen Städten etwa sind Bienen erheblich produktiver als anderswo: In Berlin wurden der Studie zufolge bis zu 47 Kilogramm Honig pro Volk produziert, in Hamburg sind es 40 Kilogramm – der Durchschnitt in Deutschland liege pro Jahr und Volk hingegen lediglich bei 30 Kilogramm.

Ähnliche Ergebnisse für Hummeln
Bienen produzierten in Städten mitunter doppelt so viel Honig, weil das Nahrungsangebot an Blüten in städtischen Parks und Gärten größer sei.

Bienenvölker auf dem Land müssten häufig in blütenärmerer Umgebung leben. Die Haltung von Nutztieren auf stark gedüngten Weiden sowie das Spritzen von Pestiziden würde auf dem Land Pflanzen, Schmetterlinge und Bienen dezimieren.

Bereits kürzlich hatte eine Studie für Hummeln ähnliche Ergebnisse gebracht. Auch Hummeln bestäuben in der Stadt mehr Pflanzen als auf dem Land.

Gleichzeitig sind die Insekten allerdings in urbanen Gebieten öfter von bestimmten Parasiten befallen, die ihr Leben verkürzen können, berichten Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“.

Mehr Krankheiten
Auch Bienen erkranken der neuen Studie zufolge häufiger in Städten. „Bei zunehmender Urbanisierung unterliegen Honigbienen einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Krankheitsübertragung, weil hier eine höhere Völkerdichte zu verzeichnen ist“, schreiben die Autoren Monika Krahnstöver und Benedikt Polaczek.

Bereits die Hummel-Studie habe gezeigt, wie schlecht die Bedingungen für Wildbienen und die von ihnen bestäubten Pflanzen in modernen landwirtschaftlich genutzten Gebieten seien, sagte der Biologe Robert Paxton von der MLU.

Innerhalb der Städte hingegen züchteten die Menschen etwa Blumen; die Vielfalt der Vegetation sei dort größer. Das mache die Städte attraktiver für Insekten.

Lösungsvorschlag
„So sehr ich mich über den Trend der urbanen Imkerei freue – es ist doch absurd, dass unsere Bienen in städtischen Revieren deutlich mehr Honig sammeln, weil sie auf dem Land nicht mehr genug Blütennahrung finden und zudem von Pestiziden bedrängt werden“, sagt Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, Vorsitzende im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags.

Wenn nicht gehandelt würde, drohten Verhältnisse wie in den USA oder in China, wo Bienenvölker kreuz und quer durchs Land gefahren würden und Apfelbäume per Hand bestäubt werden müssen. „Schon jetzt gibt es in Deutschland vielerorts nicht genügend Bienen und andere Insekten, damit Obst- und Gemüsepflanzen ausreichend bestäubt werden“, meint Höhn.

Ihr Parteikollege Harald Ebner glaubt, die Lösung zu kennen: „Deutlich weniger Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft und mehr Ökolandbau“, fordert er. Die großen Mengen ausgebrachter Gülle auf den Wiesen müssten reduziert werden, weil sonst Wildblumen mit ihren Blüten vertrieben würden.

Boj

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