Imkerreise nach Schlesien vom 2. September – 5. September 2022

Mit 37 Personen starteten wir an gewohnter Stelle in der Königin-Luise-Straße. Einige Plätze im Bus blieben leer, da kurzfristig Absagen wegen Corona-Infektionen erfolgten. Die Reise war wieder ein besonderes Erlebnis. Benedikt hatte ein interessantes Programm für uns zusammengestellt. Wir bekamen viele Informationen über Schlesien und auch Bienen. Nahezu die gesamte Rückfahrt erfuhren wir Neues über Bienen und konnten viele Fragen stellen. Einen Glückstreffer landeten wir mit dem Busfahrer, Marian. Er war fröhlich und ausgeglichen.

Übernachtet haben wir im Schloss-Hotel Arnsdorf in Milkow. Von unserem Zimmer hatten wir einen herrlichen Blick zur Schneekoppe. Der Ort Milkow liegt am Fuße des Riesengebirges. Schmuckstück des Ortes ist das Schloss, also unser Hotel. Die barocken Räume sind im EG und I. OG noch erhalten. Das Schloss ist zweigeschossig und in Form eines Hufeisens gebaut. Der Hauptsaal war nur für uns Imker reserviert. Es gab dort das Frühstück vom Buffet und das Abendessen. Zum Schloss gehört ein weitläufiger Park mit Teich. In der Grillhütte feierten wir am letzten Abend mit Musik und Tanz. Dazu ein üppiges Essen. An allen Tagen gab es reichlich Gelegenheit für Gespräche und zum sich Kennenlernen. Da viele neue Gesichter dabei waren, gab es am ersten Abend eine Vorstellungsrunde.

Das Schloss Arnsdorf gehörte vor dem 2. Weltkrieg der Familie von Schmettau. Nach dem Ende des Krieges war es ein Erholungsheim. Seit 1999 gehört das Schloss der Familie Spiz. Im Hotel gibt es das leckere Spiz-Bier. Derzeit wird es noch in Breslau gebraut.

1. Tag: Anreise und Besuch des Schlosses Fürstenstein in Ksiaz (Fürstenstein)

Das Schloss Fürstenstein ist das größte Schloss Schlesiens. Es liegt in der Stadt Walbrzych (Waldenburg) im Stadtteil Ksiaz (Fürstenstein). Herzog Bolko I von Schweidnitz errichtete es Endes des 13. Jahrhunderts. Die letzten Eigentümer vor Beginn des 2. Weltkriegs waren die Hochbergs. Der NS-Staat erzwang die Eigentumsübertragung an die Organisation Todt. Das Kellersystem sollte als Lager-, Aufenthalts- und Führungsort für höhere Führungsstäbe ausgebaut werden. Die wertvolle Inneneinrichtung wurde im Krieg zerstört. Ein Teil der Räume konnte restauriert werden. Auffällig sind die prächtigen Kamine. Etwa 30 Kamine sorgten im Haus für wohlige Wärme. Vor dem Krieg wurden täglich 2 Zugwaggons Kohlen angeliefert und verfeuert. Um das Schloss herum sind prächtige Gärten terrassenförmig angelegt. Einige sind wieder rekonstruiert worden. Das Palmenhaus war exotischen Pflanzen vorgehalten. Die Geschichte des Schlosses über 4 Jahrhunderte vermittelte uns ein Audioguide mit moderner Technik. Der passende Text wurde automatisch an passender Stelle abgespielt. Ein Eingeben von Nummern war nicht nötig.

2. Tag: Milkow – Bukowiec – Myslakowice – Lomnica

Mit dem Bus fuhren wir die Orte Kowary (Schmiedeberg), Bukowiec (Buchwald), Myslakowice (Erdmannsdorf), Jelenia Góra (Hirschberg) und Staniszów (Stonsdorf) an. An Bord des Busses war eine ortskundige Reiseführerin. Sie erzählte uns die Geschichte Schlesiens, von der Schneekoppe, von den ehemals harten Wintern im Riesengebirge und von Rübezahl. Das Riesengebirge ist Rübezahls Reich.

Buchwald

Der Ort liegt im Hirschberger Tal auf einer Höhe von etwa 400 m. Die Attraktion des Ortes ist das Schloss mit Park und einem Landschaftspark. Wir wanderten durch den Park bis hoch zum Belvedere. Von dort ist der Blick besonders schön auf das Riesengebirge. Bedeutender Eigentümer war Graf von Reden. Er gestaltete das Schloss nach englischem Vorbild um. Die nächste Station auf unserer Tour war Erdmannsdorf.

Erdmannsdorf

Erdmannsdorf liegt im Tal des Flusses Lomnitz. Es wurde 1831 von König Friedrich Wilhelm III. für 156.000 Taler erworben, um eine Sommerresidenz zu errichten. Die Pläne dafür erarbeitete Schinkel in Zusammenarbeit mit seinen Schüler Stüler. Außerdem entstand ein 13 ha großer Park mit vielen Extravaganzen. Erhalten ist die Walfischrippe. Unweit des Schlosses steht die Villa Liegnitz, ein kleines Schloss im Stil eines Schweizer Hauses. In dieser Villa lebte die zweite Frau König Friedrich Wilhelm III., Auguste von Harrach, bis zu ihrem Tod. Während des 2. Weltkrieges war das Schloss Sitz der SA. Heute wird das Schloss als Grundschule genutzt. Der Charakter des Schlosses ist erhalten geblieben. Am Rande des Parks auf einer kleinen Anhöhe steht die Herz-Jesu-Kirche. Durch ihren hohen Turm ist sie schon von Weitem sichtbar. Der Turm der Kirche ist von Schinkel nach dem Vorbild des italienischen Campanile entworfen. König Friedrich Wilhelm IV ließ vor der Kirche zum Andenken an den verstorbenen Vater ein Kreuz errichten. Heute ist auf dem Sockel eine nach einer Vorlage des dänischen Künstlers Thorwaldson gefertigte Christusskulptur zu sehen. Wir hatten Glück. Der Pastor ließ uns einen Blick in die Kirche werfen.

Ein großes Ereignis im Herbst 1837 war in Erdmannsdorf die Ankunft der Glaubensflüchtlinge aus dem Zillertal. Die Auswanderer waren Protestanten, die im katholischen Österreich keine Gottesdienste abhalten durften. Der König Friedrich Wilhelm III erlaubte den Tiroler Flüchtlingen, sich in Erdmannsdorf niederzulassen. Es kamen 416 Personen. Noch heute steht das Denkmal von Johann Fleidl, der zum ersten Bürgermeister der Gemeinde Zillertal – Erdmannsdorf bestimmt wurde. Es entstanden 65 Häuser im Tiroler Stil. Davon sind einige noch erhalten. Eine Leinenfabrik wurde 1844 in Betrieb genommen, damit die neuen Tiroler Flüchtling eine Beschäftigungsmöglichkeit hatten.
Mittagspause im Schloss Lomnitz. Dort sehr schmackhaftes Mittagessen. Rundgang durch den Ort mit Einkaufsmöglichkeit in der Leinenweberei. Weiterfahrt nach Hirschberg.

Hirschberg

Im Stadtzentrum befindet sich der mittelalterliche Teil der Stadt. Mittelpunkt der Altstadt ist der Marktplatz. Rund um den Marktplatz stehen Patrizierhäuser mit Laubengängen. Rundgang über den Kunsthandwerkermarkt.

Stonsdorf

Das Schloss gehörte dem Fürsten von Reuß. Es verfiel nach dem 2. Weltkrieg. Anfang 2000 wurde das Schloss verkauft und ist nun Hotel mit Restaurant. Das Schloss ist umgeben von einem großen Landschaftspark mit Teichen. In der Ferne ist die Schneekoppe zu sehen. Wer kennt die Werbung „Echt Stonsdorfer“? Dieser Kräuterlikör wurde vor dem 2. Weltkrieg in Stonsdorf hergestellt. Der „Echt Stonsdorfer“ ist eine Mischung aus 43 Kräutern und Waldheidelbeeren mit 32 % Alkohol. Der Likör hat einen fruchtig frischen Geschmack und eine rubinrote Farbe. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Produktion nach Hamburg verlagert. Seit einigen Jahren wird ein Likör mit dem Namen „Stonsdorfer“ erneut in Stonsdorf produziert. Uns Imkern mundete der Geschmack des Likörs und einige Flaschen wechselten den Besitzer.

3. Tag: Imkermarkt in Cieplice (Bad Warmbrunn), Karpacz (Krummhübel) mit Stabkirche Wang und Aufstieg zur Schneekoppe

Von 9.30 Uhr – 13.00 Uhr bummelten wir über den Imkermarkt, auf dem Marktplatz nette musikalische Darbietungen. Zwischendurch mussten wir in den Schatten flüchten. Gelegenheit dazu gab es im Kurpark oder im Cafe. Ausgeruht konnten wir den Aufstieg zur Schneekoppe (1603 m) nehmen. Mit dem 4er Sessellift ging es zur Gondelstation der Kleinen Koppe. Weiter zu Fuß zum Schlesierhaus, danach Aufstieg zum Gipfel. Etwa 225 m waren zu überwinden. Der Weg ist alpin und mit einem Kettenzaun gesichert. Den Aufstieg wagten ca. 10 Personen. Einige erinnerten sich an die Zeiten des Eisernen Vorhangs. Über den Gipfel verläuft die Staatsgrenze zwischen Polen und Tschechien. Damals war ein Übertritt der Staatsgrenze auf der Schneekoppe nicht möglich. Auch die Sankt Laurentius Kapelle konnte nur von polnischen Gläubigen betreten werden.

Stabkirche Wang

Die Kirche stand vom 12. Jahrhundert bis 1841 in der norwegischen Ortschaft Vang. Sie wurde zum Abriss freigegeben, damit eine größere Kirche errichtet werden konnte. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV erwarb sie 1841. Ursprünglich sollte sie auf der Pfaueninsel wieder aufgebaut werden. Der Plan scheiterte. Auf Initiative der Gräfin Friederike von Reden wurde sie ins Riesengebirge gebracht. In Brückenberg einem Ortsteil von Krummhübel (heute Karpacz) wurde sie wieder aufgebaut. Die Kirche ist aus norwegischem Kiefernholz und mit Schnitzereien versehen. Ein Meisterwerk der Bau- und Schnitzkunst! Ein separater Laufgang um das Kirchenschiff dient der Meditation und schützt das Kircheninnere vor Kälte. Die tragende Konstruktion besteht ausschließlich aus hölzernen Teilen. Wir hatten eine Führung in deutscher Sprache.

4. Tag: Besuch der Firma Sulkowski und der Friedenskirche in Jawor (Jauer)

Begrüßt wurden wir vom Juniorchef und den Mitarbeitern der Firma. Die Firma baut u.a. Holzbeuten und Rähmchen. Wir bekamen eine Führung durch die Produktion und das Lager. Die Firma beliefert auch einen Bienenfachhandel in Berlin.

Friedenskirche in Jawor (Jauer)

Die Stadt Jawor ist bekannt durch ihre Friedenskirche. Sie gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe. In Rekordzeit wurde sie 1654 – 1655 nach dem Entwurf des Berliner Architekten Saebisch erbaut. Die Kirche bietet Platz für 5.500 Personen. Seit 2001 erstrahlt die Kirche wieder im neuen Glanz. Innen erinnert die Kirche an ein Theater mit vier Emporen. Diese sind prächtig bemalt. An der zweiten Empore sind 66 Szenen aus dem Neuen Testament dargestellt. An der vierten Empore sind es 71 Szenen aus dem Alten Testament. Über jedem Bild ist die entsprechende Bibelstelle angegeben. Die Bilder an der ersten und dritten Empore stellen die Wappen der Zünfte und den Kirchenvorstand dar. Wir hatten eine Führung in deutscher Sprache.

Rückreise mit Stopp in Bunzlau und Goldberg

Werksverkauf von Keramik und Besuch einer Weihnachtskugelfabrik. Die Rückreise war sehr kurzweilig und verging im Nu. Wir sprachen über Bienen. Wir konnten Fragen stellen, die wir immer schon einmal stellen wollten. Alle Fragen wurden von Benedikt und Stefanie beantwortet. Großen Raum nahm die künstliche Besamung von Bienenköniginnen ein.

Birgit Hach-Klarholz